Marketing und Trenderscheinungen
Was ist denn das jetzt wieder für eine seltsame Liste? Eine Frage, die sich seit der Erfindung des Deutschen Buchpreises vor 21 Jahren jedes Mal stellt.
Doch die Longlist, die die siebenköpfige Jury mit ihrer Sprecherin Cornelia Geißler an der Spitze heute präsentiert hat, ist dann doch noch einmal auf spezielle Weise diskussionswürdig. Die Liste radikalisiert eine Tendenz, die sich in den vergangenen Jahren bereits angedeutet hat:
Der Deutsche Buchpreis war stets ein Marketinginstrument. Doch so konsequent wie in 2026 ist noch keine Jury den Trends der sozialen Medien und den Begehrlichkeiten der Instagram-Gemeinde gefolgt: Jung, frisch, weiblich, migrantisch. Alte Männer nur, wenn es unbedingt sein muss.
Um „Das Wasser im August“, Ingo Schulzes neuen und bemerkenswerten DDR-Erinnerungsroman, kommt man in diesem Herbst wohl nicht herum.
Wer fehlt?
Aber: Kein Maxim Biller, der mit „Schwarze Samstage“ eine so schonungslose wie notwendige Abrechnung mit dem deutschen Kulturbetrieb nach dem 7. Oktober geschrieben hat.
Kein Norbert Gstrein, dessen Roman „Im ersten Licht“ zum Besten gehört, was in den vergangenen Jahren geschrieben wurde. Kein Christoph Peters, dessen Buch „Entzug“ über seine Alkoholsucht im Frühjahr für Furore gesorgt hat. Und auch Favoritinnen wie Heike Geissler, Eva Menasse oder Birgit Birnbacher hat die Jury unberücksichtigt gelassen.
Stattdessen sechs literarische Debüts, darunter so spannende wie das der Bachmannpreisträgerin Valeria Gordeev oder Lilli Tollkiens außergewöhnlicher Erinnerungsroman „Mit beiden Händen den Himmel stützen“.
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Wer sind die Favoriten?
Wer sind die Favoriten? Lukas Rietzschels erzählerisch limitierter, aber thematisch aktueller Roman „Sanditz“ steht hoch im Kurs, auch Shida Bazyars unorthodoxer Provinzroman „Die Lücken“. Helene Bukowskis „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ stand schon auf der Leipziger Preisliste.
Und Peggy Mädlers „Selbstregulierung des Herzens“ ist einer der herausragenden DDR-Romane der letzten Jahrzehnte, wie überhaupt ostdeutsche Geschichten viel Raum auf der Longlist bekommen.
Eines ist sicher: Eine Jury, die eine solche Liste zusammenstellt, ist in jeder Hinsicht für eine Überraschung gut.
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