SWR1 Interview mit Angelo Kelly

70 Jahre Bravo: Karriereschub für die Kelly Family

Wir reden Angelo Kelly von der Kelly Family über das Phänomen Bravo und wie die Zeitschrift in den 1990ern die Karriere der Kelly Family massiv beeinflusst hat.

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Stand

Die Bravo prägte über Jahrzehnte Millionen von Jugendlichen in Deutschland – mit Starschnitten, Postern an der Wand und Aufklärungsbeiträgen von Dr. Sommer. Die dreiteilige ARD-Doku-Serie "Bravo – Headlines, Hypes und Herzschmerz" erzählt die Geschichte eines Massenphänomens – lange bevor Social Media aufkam.

Die Bilder der Bravo auch heute noch im Kopf

SWR1: Du warst in den Neunzigern ein Teenie. Wenn Du jetzt die Augen zumachst und an damals denkst, was ist das erste Bild, das Dir in den Kopf kommt?

Angelo Kelly: Beim ersten Bild […], denke ich natürlich an die Gruppenfotos von uns als Kelly Family, die immer sehr abenteuerlich waren. Wir sind mindestens neun Leute gewesen mit verrückten Klamotten, die heutzutage sehr schick wären, so Vintage. Aber damals waren wir sehr, na ja, anders als alle anderen.

Und dann unsere langen Haare … uns da immer in den abgefahrensten Arten aufzustellen und irgendwie neue Positionen zu finden, war immer sehr abenteuerlich. Deswegen gibt es ganz viele Poster, Bravo-Cover und Starschnitte und viele sind dann direkt in meinem Kopf.

Erfolg mit der Kelly Family – Fluch oder Segen?

SWR1: 1994 kam Euer internationaler Durchbruch. Wie war das für Dich? War es ein Geschenk, ein Kelly zu sein – oder manchmal auch ein Fluch?

Kelly: Ich war von klein auf immer sehr musikbegeistert und habe wirklich sehr gerne sowohl im Studio als auch auf der Bühne Musik gemacht. Wir haben alle davon geträumt, dass wir irgendwann wirklich in großen Profistudios arbeiten oder auch in großen Hallen spielen dürfen. Vielleicht auch Techniker und Roadies und alles zu haben.

Wir haben davor viele Jahre auf der Straße Musik gemacht. So toll das auch war, war es auch sehr harte Arbeit. Und das Wetter war nicht immer super. Deswegen war es für uns schon am Anfang ein totales Glücksgefühl und aufregend.

Wir haben davor viele Jahre auf der Straße Musik gemacht. So toll das auch war, war es auch sehr harte Arbeit.

Nach drei, vier Jahren war so ein bisschen die Luft raus, dass man einfach müde war, weil wir auch zu viel gemacht haben. Die Live-Konzerte waren super, die Studioarbeit war super. Mit den Medien zu reden, waren wir nicht gewöhnt. Da gibt es welche, die sind in Ordnung – das gilt genauso auch heute noch. Aber es gibt ganz viele, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben möchte.

Gerade die Medien, die darüber berichten, wie schlimm es für uns gewesen sein muss, sind diejenigen, die es vielleicht – wenn überhaupt – dann schlimm gemacht haben.

Musiker ist Musiker, und man träumt ja davon, dass man auf einer großen Bühne spielen darf. Der ganze Rummel entsteht durch andere Leute, die dann darüber berichten.  So sehr ich gute Leute respektiere, gibt es in der Medienlandschaft leider auch ganz viele, die es sehr unangenehm machen.

70 Jahre Bravo: Die erste Ausgabe der Bravo vom 26.08.1956. Zum Jubiläum Angelo Kelly von der Kelly Family im Interview.
70 Jahre Bravo: Die erste Ausgabe der Bravo vom 26.08.1956. Zum Jubiläum Angelo Kelly von der Kelly Family im Interview. Bauer Media Group/BRAVO/dpa

Wie wichtig war die Bravo für den Erfolg der Kelly Family?

SWR1: Die Bravo hat euch damals unterstützt und eure Fans haben die Zeitschrift deswegen verschlungen. Was denkst Du, wie wichtig war die Bravo für euren Erfolg?

Kelly: Wir haben in Deutschland mit der Bravo sehr viel erreicht und die hat uns auf jeden Fall geholfen. Wir haben in vielen anderen Ländern so etwas nicht gehabt. […] und dort haben wir auch überall Nummer-1-Hits gehabt, Millionen von Platten verkauft und getourt. So war die Dynamik ein bisschen anders in Deutschland. Sie war ein bisschen mehr teenie-lastig.

Ich glaube, dass uns in den ersten paar Jahren die Bravo geholfen hat.

Ich glaube, dass uns in den ersten paar Jahren die Bravo geholfen hat. Sie hat uns auch ein bisschen in der Außenwahrnehmung in die Teenie-Band-Ecke geschoben. Unser Familienpublikum, das wir zuerst hatten, fühlte sich eine Zeit lang nicht willkommen. Ich glaube, das war uns gar nicht bewusst, dass wir uns eigentlich auch ein Eigentor geschossen haben. Das hat zuerst geholfen, aber ich glaube, es hat auch eine Zeit lang geschadet.

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Guten Morgen Rheinland-Pfalz SWR1 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Dörte Tebben
Dörte Tebben
Interview mit
Angelo Kelly
Onlinefassung
SWR1 Rheinland-Pfalz
Eins gehört gehört. SWR1. (Schriftzug SWR1 auf gelbem Hintergrund)