Kleiderordnung im Job hat sich verändert

Knigge-Experte über Dresscode: Lässig ist cool – Aber auch im Büro?

Wenn schon der Tech-Milliardär im Hoodie ins Büro kommt, sind viele verunsichert, wie man sich im Job angemessen kleidet. Knigge-Experte Michael Mayer gibt Tipps zur Orientierung. 

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Knigge-Experte Mayer: Den Dresscode im Büro aufspüren

Die Welt der Kleiderordnung und Dresscodes hat sich schwer verändert. In der Bank muss man nicht mehr mit Schlips und Anzug am Schalter stehen. In den Büros der Nation geht es auch deutlich bequemer zu als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.   

Spätestens die Pandemie war der Sargnagel für die Krawatte, das gilt auch für den Dresscode der Vorgesetzten. Da kann es schnell mal passieren, dass man im Anzug zum ersten Arbeitstag kommt und schicker ist als die Chefetage. Wir haben darüber mit Knigge-Experte Michael Mayer aus Darmstadt gesprochen. 

 

SWR1: Die neue Freiheit bei der Kleidung fürs Büro ist trotzdem nicht grenzenlos. "Schlabberlook" wie im Homeoffice geht nicht, aber wie lässig darf es denn jetzt sein? 

Michael Mayer: Ja, es muss immer adressatengerecht sein. Das heißt, der Anlass bestimmt, welche Kleidung ich wähle. Und das ist im Beruflichen noch wichtiger, weil es Konsequenzen hat, wenn ich irgendwo hinkomme und die Erwartungen im beruflichen Umfeld nicht erfülle. 

Es gibt wieder einen Trend, dass junge Menschen sich gerne schick anziehen. 

SWR1: Jetzt kommt aber der Techmilliardär von heute auch mit Hoodie und Sneaker daher. Also können dann Unternehmen überhaupt noch Dresscodes vorschreiben oder machen das die jüngeren Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter einfach nicht mehr mit? 

Mayer: Wenn wir ein Unternehmen gründen und sind in einer Branche, in der Kleidung per se nicht so wichtig ist, und wir dann aber sagen: ‘Das ist unser Tick und wir wählen eine anstrengende Kleiderordnung’, dann haben wir am Arbeitsmarkt schlechte Chancen, auf dem in vielen Branchen der Wunsch da ist, locker gekleidet zu sein. Umgekehrt beobachten wir aber auch, dass es wieder einen Trend gibt, dass junge Menschen sich gerne schick anziehen. 

SWR1: Das ist ja auch nicht verkehrt, wenn man sich ein bisschen stylt und nicht daherkommt, als würde man gerade auf den Sportplatz gehen. Wie orientiert man sich jetzt eigentlich am besten, wenn man ins Büro kommt - an den Kolleginnen und Kollegen? 

Mayer: Absolut, das ist in jedem Bewerbertraining die Regel zu sagen: Wenn du dort das erste Mal hingehst, mach dich vorher schlau für das Bewerbungsgespräch. Das ist ganz wichtig. Aber nachher, wenn wir den Job gekriegt haben, kommen wir over- oder underdressed - dann fallen wir ja auf. Also, das heißt, Menschen beäugen Menschen. 

Zum Wohle der Freundschaft - Dresscode auf privaten Feiern

SWR1: Wie sieht es denn aus im Privaten? Bei wichtigen Geburtstagen, Hochzeiten, aber auch auf Beerdigungen will man nicht unangenehm auffallen. Woran kann man sich da orientieren? 

Mayer: Wenn die Gastgeber sagen: ‘Bitte nicht irgendwie steif kommen’, dann sollte ich das auch gehört haben. Aber wenn, wenn es heißt: ‘Endlich heiraten wir, wir haben monatelang vorbereitet. Und dann steht vielleicht noch auf der Einladung: ‘Kommt bitte im dunklen Anzug’, ein Dresscode also, ein Hinweis auf die Kleiderordnung. Und wenn ich dann sage: 'Das interessiert mich überhaupt nicht' - ja, dann ist klar, dass die Freundschaft leidet. 

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Veit Berthold
SWR1 RP Moderator Veit Berthold
Interview mit
Michael Mayer, Knigge-Experte
Onlinefassung
SWR1 Rheinland-Pfalz
Eins gehört gehört. SWR1. (Schriftzug SWR1 auf gelbem Hintergrund)