Dass es sich lohnen kann, einfach mal zu einem Klassentreffen zu gehen, zeigt das Beispiel von Dekan Dr. Arne Dembek aus Speyer. Er war vor kurzem auf einem, 30 Jahre nach dem Schulabschluss.
Überraschende Erfahrungen beim Klassentreffen
SWR1: Sie haben sich getraut, in die eigene Vergangenheit zu reisen - und es hat sich gelohnt. Warum?
Dr. Arne Dembek: Weil es ganz anders war, als ich es mir vorgestellt habe. Ich bin mit einigem Bauchgrummeln und Befürchtungen hingegangen. Wie ist das, wenn man Leute wiedertrifft, die man wirklich jahrzehntelang nicht gesehen hat, aber mit denen man vorher eine sehr intensive Zeit hatte? Die Schulzeit ist doch eine der prägenden Phasen im Leben. Sind da die Enttäuschungen vorprogrammiert? Und das war ganz anders und viel schöner.
Alten Freunden wieder begegnen
SWR1: Was war der beeindruckendste Moment von diesem Klassentreffen, wo Sie froh waren, hingegangen zu sein?
Dembek: Also, es war ein Schulkamerad, mit dem ich tatsächlich eng befreundet war, in Grundschulzeiten. Wir sind zusammen auf das Gymnasium gegangen und dann hat sich das irgendwann in der Mittelstufe verloren, weil wir einfach unterschiedliche Wege gegangen sind.
Das war immer etwas, wo ich dachte, das ist nicht gut gelaufen, das war nicht gut aufgearbeitet. Und das hat mich im Nachhinein immer noch beschäftigt. Ihn zu treffen und zu gucken und zu sehen, dass er jetzt ein erfülltes neues Leben führt und gerade Vater geworden ist, das war schön. Da hat sich innerlich ein Kreis geschlossen bei mir, und das fand ich beeindruckend.
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SWR1: Das erste Wiedersehen nach 30 Jahren war kein Wetteifern? Wer hat das größte Auto, das schnellste Boot?
Dembek: Das haben die wahrscheinlich bei den Klassentreffen vorher schon gemacht. Die Klassentreffen finden etwa im Zehnjahresrhythmus statt. Ich glaube, die, die da waren, wussten zum Teil schon, wer wo jetzt wie ist. Die Fragen kamen natürlich, aber es war nicht "gebattelt", es ging ganz zivil zu.
Veränderungen nach dem Schulabschluss
SWR1: Ist es vielleicht so, dass es erst ein paar Jahre oder Jahrzente braucht, bis man sich von seinem alten Ich löst?
Dembek: Das kann schon sein. Menschen machen Erfahrungen im Leben und Erfahrungen verändern einen manchmal auch. Das kann ich gut nachvollziehen. Beim zehnjährigen Klassentreffen war ich, glaube ich, auch. Und da waren alle noch im Studium, in der Ausbildung oder gerade fertig. Das waren wirklich noch die alten Strukturen, die alten Muster und die alten Typen.
Da ging es mir genauso, dass ich dachte, Gott sei Dank treffe ich dich nicht so häufig. [...] Es ist doch eine ganz schöne Erfahrung, dass Menschen sich verändern und man selbst ja auch wahrscheinlich.
SWR1 Anstöße: "Klassentreffen" von Arne Dembek
SWR1: Wenn also die Einladung zum Klassentreffen kommt, wäre Ihr Tipp, unbedingt hingehen, weil ...?
Dembek: Weil es auf jeden Fall spannend ist – das lässt noch offen, ob positiv oder negativ. Aber ich glaube, dass es eine Erfahrung ist, sich tatsächlich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, mit den Menschen, mit denen man mal viel zu tun hatte. Man ist ja auch nach dem Abend wieder raus. Es ist wirklich sehr punktuell und man geht keine dauerhaften Verpflichtungen ein.