Der amerikanische Paarberater Gary Chapman hat fünf Sprachen der Liebe definiert: Hilfsbereitschaft, Lob und Anerkennung, Berührung, Geschenke und Zweisamkeit. Im Internet findet man diverse Tests, um herauszufinden, welche dieser Love Languages man spricht.
Wie funktionieren Love Languages?
SWR1: Die Tests helfen dabei, eine der Love Languages besser zu verstehen. Doch die Sprache ändert sich im Laufe einer Beziehung.
Tanja Wendel: Richtig. Man kann natürlich die Online-Tests machen. Aber zielführend ist, sich die Frage zu stellen: Wann hab ich mich zuletzt besonders geliebt oder gesehen gefühlt?
Veränderung ist ein großes Thema. Mit Anfang 20, wenn wir die ersten festeren Beziehungen eingehen, haben wir andere Bedürfnisse als dann mit Mitte 30, mit Mitte 40 oder später. Das verändert sich.
Wir haben als erwachsene Menschen eine gewisse Eigenverantwortung. Wir dürfen sagen, was wir brauchen. Was möchte ich denn? Da sind wir ganz stark beim Thema "Bedürfnisse". Ich möchte mich gesehen fühlen. Ich möchte, dass du mir zuhörst. Ich möchte, dass du mich unterstützt. Da sind wir beim Thema der Love Languages, also der Sprachen der Liebe.
In einer Beziehung hat jeder Partner eine eigene Sprache der Liebe
SWR1: Das Bedürfnis zu haben reicht nicht. Wenn der andere es nicht sieht, muss ich es artikulieren, oder?
Wendel: Absolut, das ist ganz wichtig. Deswegen geht es auch gar nicht darum, dass wir die Erwartungshaltung immer an den anderen haben, sondern erstmal bei uns hinschauen und reflektieren: Was brauche ich denn?
Wir lieben häufig in unserer eigenen Sprache der Liebe. Und wundern uns dann aber, warum es beim anderen nicht ankommt. Da gibt es ein schönes Alltagsbeispiel:
Wenn einer der beiden Beziehungspartner immer abends die Küche aufräumt, denkt er vielleicht: "Damit zeige ich dir, dass ich dich liebe und dass du mir wichtig bist". Der andere hätte aber lieber, dass der Partner sich mal hinsetzt und das Handy weglegt und einfach mal wirklich präsent ist.
Beide sprechen also in ihrer eigenen Sprache, aber total aneinander vorbei.
Die Love Language des Partners erkennen
SWR1: Dann gibt es noch die Sprache der Geschenke. Aber kann das die Lösung sein?
Wendel: Das ist natürlich auch eine Art, wie man sich geliebt und wertgeschätzt fühlt. Aber angenommen, ich hätte Geschenke als Sprache der Liebe, mein Mann aber nicht. Dann würde ich Geschenke machen und mich wundern, weil ich eine gewisse Erwartung habe, dass er sich nicht über Fußball- oder Konzertkarten freut.
Und er würde vielleicht die ganze Zeit die Kinder hin- und herfahren und würde sich fragen: "Warum sieht sie nicht meine Hilfsbereitschaft?".
Wie Paare sich und ihre Beziehung besser verstehen können
SWR1: Wir müssen also mehr Vokabeln gegenseitig lernen. Uns am besten gegenseitig abfragen: Was willst du, was will ich?
Wendel: Genau. Und man kann sich fragen: Wann habe ich mich das letzte Mal so richtig geliebt gefühlt? Wann ist vielleicht etwas verloren gegangen? Was habe ich vermisst?
Das sind gute Leitfragen, um zu merken, was mein Bedürfnis ist. Woran erkenne ich, dass ich mich in meiner Beziehung wirklich geliebt fühle von meinem Partner oder meiner Partnerin?
❤️💬 Teste dich hier Test für die Sprachen der Liebe, welche Love Language sprichst du?
Es gibt fünf Love Languages. Die geben Aufschluss darüber, wie du liebst. Ein einfacher Test lässt dich herausfinden, welcher Typ du bist und welche Sprache der Liebe du sprichst.
Bedürfnis von Nähe besser kommunizieren
SWR1: Ich verstehe auch, wenn jemand da schüchtern ist, das zu kommunizieren. Es könnte oberflächlich wirken, wenn man sagt: Mir fehlt besonders die Nähe.
Wendel: Nähe ist auch eine Sprache der Liebe, nämlich Zweisamkeit.
SWR1: Man könnte auch verstehen: Es geht ihm nur um Sex.
Wendel: Sexualität hat auch viel damit zu tun. Die Herausforderung ist, dass vor der körperlichen Intimität häufig die emotionale Intimität stattfinden muss. Durch diese Verbindung findet auch irgendwann Sexualität statt.
Die Frage ist dann natürlich: Was heißt Nähe für dich? Ich animiere Paare, neugierig zu bleiben und zu fragen: Was bedeutet das für dich? Erzähl mir mal etwas darüber. Woran erkennst du, dass du dich mir nahe fühlst?
Dann kommen wir Schicht für Schicht ein bisschen weiter. Dann sehen wir, was dahintersteckt. Das ist oft sehr erkenntnisreich.