High-Tech für Hunde und Katzen

Sind smarte Geräte für Haustiere sinnvoll?

Früher reichte eine Futterschüssel, heute gibt es GPS-Tracker und Fitnesshalsbänder, die den Kalorienverbrauch beim Gassigehen messen. Lohnen sich smarte Geräte für Haustiere?

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Stand

Von Autor/in Irina Kliagina

 Im Jahr 2023 lebten 10,5 Millionen Hunde und 15,7 Millionen Katzen in deutschen Haushalten. Ein großer Markt also für die Hersteller von smarten Geräten, mit denen Haustierhalter das Wohlbefinden ihrer geliebten Vierbeiner kontrollieren können. Dieser Markt wird seinen Umsatz in den nächsten fünf Jahren auf 490 Millionen USD verdoppeln

 

Das Versprechen: Gesündere und geschütztere Haustiere  

Tiere können nicht mit Worten kommunizieren, wenn es ihnen schlecht geht. Aber Daten könnten medizinische- oder Verhaltensprobleme frühzeitig aufdecken und ihre Behandlung erleichtern.  

In den USA sind daher etwa Fitnesstracker, die Vitalwerte wie Bewegung, Schlafverhalten und Kalorienverbrauch von Haustieren messen, bereits üblich. Ebenso gibt es Futterautomaten, welche die Futtermenge genau dosieren und Trinkbrunnen mit Filtersystemen, die für eine bessere Wasserqualität sorgen. 

In Deutschland sind bislang vor allem GPS-Tracker für Haustiere weit verbreitet. Das kann besonders nützlich sein, wenn ein Haustier verloren geht. Er kann eine gute Ergänzung zum Microchip sein. Daten aus den USA zeigen nämlich, dass im Schnitt nur jeder fünfte entlaufene Hund wieder mit seiner Familie zusammengebracht werden kann. Bei Hunden mit einem Mikrochip war es dagegen jeder zweite. 

Manche GPS-Tracker für Haustiere haben außerdem eine „Geofencing“-Funktion: Man legt einen sicheren Bereich fest und erhält eine Nachricht, wenn das Tier diesen verlässt.  

 

Ein stark übergewichtiger Hund. Haustiere wie dieses leiden unter ihrem Gewicht, welches durch smarte Gadgets und Geräte reduziert werden könnte.
In Deutschland sind laut Erhebumngen mehr als die Hälfte der Hunde und Katzen übergewichtig. Smarte Geräte könnten helfen das Gewicht der Haustiere in einem gesunden Rahmen zu halten. imagebroker

Welche Geräte sind tatsächlich medizinisch sinnvoll? 

Übergewicht ist die häufigste ernährungsbedingte Krankheit bei Haustieren. Studien zeigen, dass bis zu 65 % der Hunde und Katzen in Deutschland zu viel wiegen. 

Die fränkische Tierärztin Lisa Pinsenschaum hat sich auf Kleintiere spezialisiert und gibt auf Instagram Gesundheitstipps für Haustiere. Ihrer Einschätzung nach sei ein Futterautomat besonders für übergewichtige Tiere sinnvoll, wenn er richtig verwendet wird. Solche Automaten könnten demnach dabei helfen, die Futtermenge zu regulieren und Übergewicht so zu reduzieren.  

Aber auch Fitnesstracker hält sie unter bestimmten Voraussetzungen für nützlich: “Herzfrequenzmesser und andere Überwachungsgeräte machen natürlich Sinn, vor allem zur Gesundheitsfrüherkennung. Besonders bei Tieren mit erhöhtem Risiko oder bereits erkrankten Tieren kann eine solche Überwachung hilfreich sein.” 

 

Eine Fitness-Tracking-Armbanduhr am Handgelenk eines Menschen. Genau solche Tracking Geräte gibt es auch als Gadgets für Haustiere.
So wie viele Menschen ihre täglichen Schritte, verbrauchte Kalorien und aktive Minuten mit einer Fitness-Uhr tracken, gibt es auch Halsbänder für Hunde, die diese Daten für die Vierbeiner sammeln. Eibner-Pressefoto

Welchen Nutzen können diese Daten haben? 

Insbesondere für trächtige Hündinnen könnten solche Überwachungsgeräte sinnvoll sein: “Es gibt mittlerweile sogar Temperaturchips, die man implantieren kann, um die Körpertemperatur zu überwachen. Langfristig ist das auf jeden Fall eine sinnvolle Sache”, so Pinsenschaum. Allerdings könne es auch zu einer falschen Interpretation der Daten kommen, wenn das Tier das Halsband zerkaut oder es auf andere Weise beschädigt. 

Pinsenschaum findet es zwar wichtig, dass sich Haustierbesitzer damit beschäftigen, welche Daten sie überhaupt messen, doch mit der Vielzahl an Parametern und deren Einordnung seien sie auch häufig überfordert: “Die meisten Tierhalter können diese Daten nicht richtig auswerten. Viel sinnvoller wäre es, wenn die gesammelten Daten direkt an den Tierarzt übermittelt werden, der sie auswertet und die Gesundheit des Tieres überwacht. Eine mögliche Lösung wäre, dass die Daten nur an den Tierarzt geschickt werden, wenn Abweichungen oder Auffälligkeiten festgestellt werden.” 

 

Eine Katze mit einem smarten GPS-Tracker am Halsband. Gadgets wie diese können für freilaufende Haustiere auch gefährlich sein.
Doch Gadgets wie dieses GPS-Tracking-Halsband können für freilaufende Haustiere wie Katzen auch gefährlich werden. Das Halsband führt leider häufig dazu, dass Katzen ungewollt hängen bleiben. Dmitrii Marchenko

Smarte Geräte für Haustiere tragen aber auch Risiken 

Die Geräte haben auch ihre Schattenseiten: Für Katzen stellen Halsbänder etwa ein hohes Verletzungsrisiko dar, da sie damit hängen bleiben oder sich darin verheddern können. Lisa Pinsenschaum beruhigt jedoch, dass viele Halsbänder Sollbruchstellen haben, also einen Sicherheitsmechanismus, bei dem sie sich öffnen, wenn Katzen daran hängen bleiben.  

Außerdem haben Untersuchungen gezeigt, dass viele tragbare Geräte für Haustiere eine große Menge an Daten über Tierhalter erfassen, nicht nur über ihre Haustiere. So erfassen einige Apps beispielsweise die Adresse der Besitzer und deren Anwesenheitszeit

Genauso werden auch Halsbänder mit eingebauten Kameras verkauft, die alles filmen, was im Sichtfeld des Tieres passiert. Solche Aufnahmen sind datenschutzrechtlich sehr kritisch zu sehen und unter Umständen strafbar.

Ein Hund mit einem smarten GPS-Tracking Gadget am Halsband für Haustiere.
Hunde, die einen GPS-Tracker tragen sind zwar besser zu finden, sollten die Vierbeiner einmal ausbüchsen. Doch diese Geräte können auch sensible Daten sammeln, die nicht in die falschen Hände kommen dürfen. KEYSTONE

Der Trend zur Digitalisierung macht auch vor Haustieren keinen Halt 

Trotz dieser Risiken beobachtet die Tierärztin einen wachsenden Trend bei solchen smarten Geräten: “Es ist ähnlich wie bei uns Menschen. Auch bei uns kommen immer mehr Technologien zur Überwachung und Gesundheitskontrolle zum Einsatz. Halsbänder, Chips und andere Geräte könnten in Zukunft noch mehr Daten sammeln und uns eine noch genauere Überwachung ermöglichen.” 

Manche der smarten Haustier-Gadgets sind also nützlich, manche reines Spielzeug und manche können sogar gefährlich sein. Bevor man einfach ein Gerät kauft, in dem Glauben, seinem Haustier damit etwas Gutes zu tun, lohnt sich daher ein Gespräch mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.

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Tatsächlich bestehen Schimpansen und Delfine den Spiegeltest, Katzen aber nicht. Wie lässt sich das rausfinden? Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

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Autor/in
Irina Kliagina
Onlinefassung
Emily Burkhart
Portrait Bild der Autorin Emily Burkhart