Rund 16 Milliarden Euro sollen in Deutschland allein im kommenden Jahr in der gesetzlichen Krankenversicherung eingespart werden. Neu ist dabei der Plan eine Abgabe auf stark gezuckerte Limonaden einzuführen. Ab 2028 könnte diese Abgabe rund 450 Millionen Euro Einnahmen zusätzlich in die Kassen der gesetzliche Krankenversicherung spülen.
Ärztinnen und Ärzte hatten die Zuckersteuer schon lange gefordert, von Lobbyisten konnte sie in Deutschland bisher abgewehrt werden. Jetzt, wo sie finanziell für den Haushalt nötig ist, soll die Zuckerabgabe endlich kommen. In welcher Form genau ist aber noch nicht ganz geklärt. Ursprünglich war im Entwurf von Bundesgesundheitsministerin Warken die Rede von einer gestaffelten Steuer auf zuckergesüßte Cola oder Limos. Beim Finanzministerium ist jetzt von einer Zucker-Abgabe die Rede.
Zucker steckt in vielen Lebensmitteln
33 Kilo Zucker vertilgt jeder von uns im Schnitt pro Jahr, das bestätigt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Gesund sind für Erwachsene maximal 50 Gramm Zucker pro Tag und für Kinder eben entsprechend weniger.
Das bezieht sich auf freien Zucker, meint also alle Zuckerarten, die Lebensmitteln und Getränken zugesetzt werden und auch Zucker, der natürlich vorkommt – in Honig, Sirupen oder Fruchtsaft. In einem Glas Limo sind schon 17 Gramm Zucker enthalten.
Beim Konsum von Softdrinks kommt schnell zuviel Zucker zusammen. Zucker steckt aber auch in vielen Fertiggerichten. Also dort, wo man gar keinen Zuckerzusatz erwartet, zum Beispiel in Tiefkühlpizzen, aber auch in Frühstücksflocken, Milchspeisen und auch in Fertigsaucen sowie in Tomatenketchup.
In Großbritannien gestaffelte Zuckersteuer seit 2018
Seit Jahren warnen Ärzteverbände vor den gesundheitlichen Risiken, die mit einem hohen Zuckerkonsum verbunden sind. Denn übermäßiger Zuckergenuss kann zu Adipositas führen, zu einer Fettleber, Herz-Kreislaufproblemen und Diabetes Typ 2 - alles Risikofaktoren für den Ausbruch einer frühen Demenz.
Immer mehr Länder setzen deshalb auf eine Zuckersteuer, um den Konsum zu reduzieren. Besonders im Fokus: zuckerhaltige Softdrinks. 93 Liter trinkt jeder von uns im Schnitt pro Jahr davon. In Großbritannien, auf das jetzt oft geschaut wird, ist schon 2018 eine Zuckersteuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke eingeführt worden. Und zwar gestaffelt: je süßer, desto höher die Steuerabgabe.
Das hat dazu geführt, dass die Industrie dort recht schnell reagiert hat und den Zuckergehalt in den Softdrinks um bis zu 50 Prozent gesenkt hat. Zucker ist oft nur ein billiger Geschmacksträger oder Füllstoff, der durch die Änderung der Rezeptur recht einfach ersetzt werden kann.
So haben die Hersteller erreicht, dass der Verkauf von Softdrinks nicht eingebrochen ist, weil sie sich nicht durch die Zuckersteuer verteuert haben. Zudem mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Konsum nicht verändern und haben dennoch weniger Zucker zu sich genommen.
Studien zeigen gesundheitliche Verbesserungen
Britische Gesundheitspolitiker sprechen von einem Erfolg: Die Zuckersteuer auf Softdrinks hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass gerade junge Menschen weniger Zucker konsumieren und damit auch gesünder sind. Die Fettleibigkeit unter Heranwachsenden ist messbar zurückgegangen und auch die Anzahl der Zahnschäden bei Kindern und Jugendlichen konnte deutlich gesenkt werden. Das konnte in Studien nachgewiesen werden.
In Deutschland befürwortet die Lebensmittelbranche statt einer Zuckerabgabe oder Steuer eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie. Das RKI hat in einem Produktmonitoring jedoch festgestellt, dass der Zuckergehalt in Lebensmitteln durch die freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller nur geringfügig abgenommen hat.
Zuckersteuer kann Behandlungskosten einsparen
Dabei sind gerade Kinder und Jugendliche von den schädlichen Folgen des überhöhten Zuckerkonsums durch Softdrinks besonders betroffen. Das bestätigt auch die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Deshalb hoffen jetzt Ärzte und Verbraucherschutzverbände, dass die Durchsetzung einer Zuckersteuer – wenigstens auf Getränke – im Rahmen der Reform der Gesetzlichen Krankenkassen gelingt.
Diese Steuer würde zwar vermutlich nicht sofort viel Geld in die Kassen spülen, aber den Krankenkassen auf längere Sicht die hohen Behandlungskosten für die ganzen Leiden ersparen, die durch zu viel Zuckerkonsum ausgelöst werden. Dabei geht es dann um Milliarden.