Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Colitis ulcerosa, Morbus Crohn & Co.: Symptome und Behandlung von chronischen Darmentzündungen

So erkennt man chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) und diese Medikamente gibt es. Außerdem: Diese Rolle spielt die Ernährung bei der Behandlung.

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Von Autor/in Stefanie Waldschmidt

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Inhaltsverzeichnis:

Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED)
So stark schränken CED ein
Diagnose: Blutbild, Ultraschall, Darmspiegelung
Was passiert im Körper bei CED?
Morbus Crohn
Morbus Crohn: Symptome
Colitis ulcerosa
Colitis ulcerosa: Symptome
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Ursachen und Folgen
CED-Therapie: Medikamente
CED-Therapie: Ernährungsumstellung
Ernährung: Hilft mediterrane Kost bei CED?
Pflanzenfarbstoffe stärken Zellwände
Flavonoide: Studie bestätigt positive Wirkung im Darm
Risikogruppen: wer erkrankt an CED?

Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED)

Etwa 500.000 Menschen leiden in Deutschland unter einem chronisch entzündeten Darm. Diese chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden meist unter ihren Anfangsbuchstaben CED zusammengefasst.

Zu ihnen zählen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Betroffene leiden im Alltag häufig sehr: Erkrankte vergleichen einen Schub etwa mit einer Magen-Darm-Grippe, bei der man unkontrolliert zur Toilette rennen muss – und das 15 bis 20 Mal am Tag - auch nachts.

Um Toilettengänge, Krämpfe und Schmerzen und damit häufig einhergehende Scham im Alltag zu verringern, entscheiden sich manche Betroffenen dazu, weniger zu essen. In Extremfällen verlieren sie so rund 10 Kilogramm bei einem Schub.

So stark schränken CED ein

Um nicht in unangenehme Situationen zu kommen, wie etwa, keine Toilette unterwegs zu haben, schränken sich Betroffene im täglichen Leben oft stark ein. In den Supermarkt zum Einkaufen zu gehen - für die Erkrankten ist das schwierig bis unmöglich.

Auch arbeiten gehen wird zur Last, gerade wenn man mit Menschen zu tun hat. Eine Arbeit im Außendienst? Bei einem Schub fast unvorstellbar.

Das Sozialleben der Betroffenen leidet meistens noch mehr: Sie bleiben lieber zu Hause als auszugehen und sich mit Freunden und Familie zu treffen – vor allem auswärts.

Die mentale Belastung ist häufig enorm – viele Betroffene ziehen sich zurück und sprechen nicht über ihre Erkrankung. Hier kann es hilfreich sein, eine psychologische Unterstützung in Erwägung zu ziehen.

Depressionen sind tatsächlich assoziiert mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Ob das jetzt wirklich die Darm-Hirn-Achse ist, ist schwierig zu belegen. Aber natürlich sind die Patienten chronisch krank und wenn es dadurch eine psychische Belastung gibt, die man auch frühzeitig adressieren sollte, sollte man dem Patienten auch frühzeitig Unterstützung anbieten.

Eine junge Frau auf einer Couch, mit ihrem Oberkörper vorn übergebeugt, schlingt die Armen um ihren Bauch. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sorgen für mehr als Bauchschmerzen und Durchfall. Betroffene werden in ihrem Alltag und Sozialleben von der Krankheit stark ausgebremst.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sorgen für mehr als Bauchschmerzen und Durchfall. Betroffene werden in ihrem Alltag und Sozialleben von der Krankheit stark ausgebremst.

Diagnose: Blutbild, Ultraschall, Darmspiegelung

Regelmäßig Durchfall, Krämpfe und Schmerzen sowie Gewichtsverlust können Symptome für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder auch einen Reizdarm sein.

Durch ein Blutbild und einen Ultraschall-Check können Ärzte herausfinden, ob Entzündungsherde oder Gewebeschwellungen im Verdauungstrakt sind.

Mithilfe einer Darmspiegelung lässt sich ein Reizdarm ausschließen.

Was passiert im Körper bei CED?

Bei CEDs ist die Barrierefunktion des Darms gestört. So gelangen Bakterien der Darmflora durch die Darmbarriere hindurch in die Schleimhaut des Darms. Dort verursachen sie die chronischen Entzündungen oder Schwellungen.

Morbus Crohn

Die Darmkrankheit Morbus Crohn kann an den unterschiedlichsten Stellen im Verdauungstrakt auftreten. Dabei entzündet sich die ganze Darmwand.

Betroffen können allerdings auch Speiseröhre und Mundbereich sein.

Morbus Crohn: Symptome

Erste Anzeichen können sein:

  • Aphthen im Mund,
  • Fisteln, häufig am After,
  • chronischer Durchfall,
  • krampfartige Schmerzen, meist im rechten Unterbauch
  • im Rahmen der Erkrankung kann es auch zu Abszessen, tumorartigen Geschwüren und Darmverengungen (Stenosen) kommen

Anders als bei Colitis ulcerosa treten bei Morbus Crohn auch häufiger Symptome außerhalb des Magen-Darm-Traktes auf:

  • Augenentzündungen,
  • entzündliche Hautveränderungen,
  • Entzündungen von Gelenken, wie Knie- oder Sprunggelenken,
  • Entzündung von Leber und Gallengängen.

Morbus Crohn: wer ist betroffen?

Morbus Crohn tritt häufig zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr erstmals auf. Faktoren wie Genetik, Ernährung, das Darmmikrobiom, die körpereigene Abwehr und Umwelt spielen eine große Rolle. Morbus Crohn tritt in einigen Familien gehäuft auf. Rauchen erhöht das Risiko, daran zu erkranken, nachhaltig.

Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa zählt wie Morbus Crohn zu den CED (chronisch entzündliche Darmerkrankungen). Allerdings ist hier nur die Darmschleimhaut entzündet - bei Morbus Crohn ist es die ganze Darmwand.

Bei Colitis ulcerosa ist der Dickdarm betroffen - zu Beginn häufig nur der sogenannte Enddarm (Rectum), also der letzte Abschnitt des Dickdarms. Von dort breitet sich die Entzündung in Richtung Anfang des Dickdarms aus, bis die gesamte Schleimhaut des Dickdarms (Colon) entzündet ist.

Daher kommt auch der Name der Krankheit: Colitis bedeutet entzündeter Dickdarm, ulcerosa heißt soviel wie Geschwür bildend. Eine aktive Colitis ulcerosa verändert nämlich die Struktur der Darmschleimhaut dauerhaft und kann so auch das Darmkrebs- steigern.

Colitis ulcerosa: wer ist betroffen?

Schätzungsweise 150.000 Menschen leiden in Deutschland an Colitis ulcerosa. Häufig tritt sie zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr auf und verläuft dann in Schüben.

Colitis ulcerosa: Symptome

Betroffene leiden häufig sehr unter dieser schmerzhaften und im Alltag höchst unangenehmen Erkrankung. Folgende Symptome sind typisch:

  • häufiger Durchfall, in akuten Phasen bis zu mehr als 20 Mal am Tag, häufig blutig-schleimig,
  • schmerzhafter Stuhldrang,
  • Krämpfe,
  • anhaltenden Bauchschmerzen,
  • zum Teil Fieber.
  • Auch Entzündungen anderer Körperregionen wie Gelenke, Augen oder Haut sind möglich.

Die Symptome treten nicht immer schlagartig auf, sie können sich auch schleichend entwickeln. Manchmal ist ein Schub jedoch so stark, dass ein Krankenhausaufenthalt nötig wird.

Wir haben auch heutzutage noch kein richtig gutes Tool, um Schübe vorherzusagen. Wir wissen, auf welche Patienten man aufpassen muss, welche durch Schübe gefährdet sind. Zum Beispiel Colitis ulcerosa-Patienten, wo auch der ganze Dickdarm betroffen ist. Die haben ein höheres Risiko. Die Patienten müssen gut überwachen werden, klinisch und auch mit Stuhltests. Aber wir können es nicht gut vorhersagen. 

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Ursachen und Folgen

Auf welche Weise Krankheiten wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn entstehen, ist noch nicht eindeutig geklärt. Eine familiäre Vorbelastung und eine ungünstige Zusammensetzung der Bakterien im Darm (Mikrobiom) gelten als Risikofaktoren. Hier können Studien zufolge die Ernährung und auch eine übertriebene Hygiene eine Rolle spielen.

Eine Folge der häufigen Durchfälle ist oft auch ein Mangel an Nährstoffen: insbesondere Kalzium, Eisen, Folsäure, Vitamine D und B12. Dadurch nimmt die Infektanfälligkeit zu.

Auch das Fatigue-Syndrom kann eine Folgeerscheinung von etwa Colitis ulcerosa sein. Betroffene leiden unter Erschöpfung und mangelnder Energie.

CED-Therapie: Symptome lindern durch Medikamente

Doch die Symptome lassen sich mit medikamentöser Behandlung eindämmen.

Auch eine Umstellung der eigenen Ernährung kann helfen.

Bei Langzeittherapien von chronisch-entzündlichen Erkrankungen ist das Einnehmen von bestimmten Medikamenten meist die Basis: Diese beeinflussen das Immunsystem und wirken damit antientzündlich.

CED-Therapie: Symptome lindern durch Ernährungsumstellung

Was wir essen, beeinflusst auch die Krankheit. Wenn wir unser Essverhalten also ändern, können wir positiv auf den Darm einwirken.

„Das hochverarbeitete industrielle Essen, welches wir heute aufgrund der Verfügbarkeit zu uns nehmen, führt zur Entwicklung chronischer Entzündungsprozesse, die sich negativ auf den Darm und die Darmbarriere auswirken können.“

Dazu gehören zum Beispiel rotes Fleisch, Fast Food und Fertigessen mit Zusatzstoffen. Diese können die Vielfalt von Darmbakterien reduzieren und die Darmwand durchlässiger machen.

Am besten für den Darm wäre also, diese Produkte gar nicht erst auf die Einkaufsliste zu setzen und ihn mit leicht verdaulichen Lebensmitteln zu schonen und die Entzündung zu reduzieren.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, regelmäßig das Blut auf einen Mangel an Eisen, Zink, Selen, Folsäure und Vitamin D untersuchen zu lassen.

"Nahrungsergänzungsmittel sollte man nur verwenden, wenn wirklich ein Mangel in irgendeiner Form nachgewiesen ist. Und auch dann eigentlich nur in ärztlicher Begleitung", erklärt Prof. Dr. Arthur Schmidt. 

Hilft mediterrane Kost bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?

Laut Gastroenterologe Professor Konrad Streetz kann mediterrane Kost mit Früchten, Gemüse und ballaststoffhaltigem Vollkorn Menschen helfen, die an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden.

Eine solche Ernährungsumstellung kann auch schon im Vorhinein das Risiko von Darmerkrankungen senken.

Besonders hilfreich scheinen Lebensmittel mit Flavonoiden zu sein.

Pflanzenfarbstoffe stärken Zellwände

Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe. Sie stecken zum Beispiel in Früchten, in grünem Gemüse wie Brokkoli, in dunkler Schokolade und grünem Tee. In der Natur dienen sie als Lockstoffe bei der pflanzlichen Fortpflanzung. Sie haben aber auch eine immunstärkende Wirkung und können Schädlinge abwehren. Das passiere auch im menschlichen Darm:

„[Flavonoide] können zu einer Stabilisierung der Zellwände beitragen und direkt antientzündlich mitwirken.“

CED: Studie bestätigt positive Wirkung von Flavonoiden im Darm

Fünf Jahre lang wurden die Essgewohnheiten von insgesamt 200 Patienten dokumentiert. Mit einem entscheidenden Ergebnis: Bei Patienten, die Lebensmittel mit weniger Flavonoiden gegessen haben, war das Risiko deutlich höher, an häufigeren und stärkeren Symptomen zu leiden.

Den Patienten, die mehr Flavonoide zu sich genommen hatten, ging es in der Langzeitstudie besser: Sie hatten einen leichteren Verlauf bei ihrer Darmerkrankung. Flavonoide haben also als Therapiemittel geholfen.

Ein junger Mann hält sich mit beiden Armen den Bauch. Es scheint, er hat Probleme in der Bauchregion. Heftige Bauchschmerzen und Durchfall können Symptome für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sein. Es gibt diverse Therapiemöglichkeiten.
Der Darm? Heftige Bauchschmerzen und Durchfall können Symptome für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sein. Hierfür gibt es diverse Therapiemöglichkeiten.

Wer erkrankt an CED?

Jeder ist mehr oder weniger anfällig für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Das liegt an der individuellen Genetik eines Menschen, aber auch an unserer Ernährung.

Eine einseitige Ernährung mit vielen industriell gefertigten Lebensmitteln, Zusatzstoffen und einem hohen Anteil an zuckerhaltigen und tierischen Produkten kann dazu beitragen, die Darmflora zu schwächen.

Zudem kommt es darauf an, wie das Mikrobiom unseres Darms, also die Darmflora zusammengesetzt ist. Sie lässt sich durch gezielte Ernährung allerdings unterstützen.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Stefanie Waldschmidt
Onlinefassung
Janine Beck
Janine Beck