Drogen- und Medienkonsum Jugendlicher in der Pandemie
Wie hat sich der Medien- und Substanzkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Zeit der Pandemie verändert? Dieser Frage wurde in einer Studie des Instituts für Therapie und Gesundheitsforschung in Kiel nachgegangen. Mehr als 18.000 Teilnehmende im Alter zwischen 14 und 21 Jahren wurden in sozialen Medien kontaktiert und gaben Auskunft zu ihrem Alkohol-, Zigaretten- und Cannabis-Konsum und zu der Zeit, die sie etwa in sozialen Netzwerken oder bei Serien und Videospielen verbracht hatten.
Dabei gaben 85 Prozent der Befragten an, „eher mehr“ oder „viel mehr Zeit“ mit digitalen Medien verbracht zu haben als vor Corona. Wenig überraschend, wie auch der mehr oder minder gestiegene Konsum von Alkohol, Cannabis oder Nikotin.
Forschung zeigt: die Pandemie machte virtuelle psychologische Betreuung notwendig
Psychisch Vorbelastete – so die Studie – reagierten besonders stark auf Einschränkungen und Lockdowns. Etwa mit Depressionen und höherem Drogenkonsum. Für sie, sagt Julia Hansen, Co-Autorin der Studie, müsste in einer solchen Situation passende Hilfe angeboten werden:
„Da wäre beispielsweise die Einrichtung eines Webportals sinnvoll, das Informationen bereithält, Anlaufstellen benennt und auch spezifische Angebote wie beispielsweise Online-Angebote, Webinare und Expertinnen-Videos mit Hinweisen zur Beratung und Begleitung von Betroffenen anbietet.“
Rückkehr der Kinderlähmung? Polioviren im Abwasser entdeckt: Die wichtigsten Fragen geklärt
Polio gilt in vielen Ländern als praktisch ausgerottet. Dennoch wurden zuletzt Polioviren in Abwasser deutscher Städte wie München, Köln, Hamburg und Mainz nachgewiesen.
Corona-Forschung beschleunigte Ausbau der genetischen Abwasseranalyse
Am Robert Koch-Institut wurde durch Corona ein Instrument zur Überwachung der Infektionsdynamik weiterentwickelt, das bis dahin nur vereinzelt zum Einsatz gekommen war. Das genetische Abwassermonitoring. Statt aufwendiger und teurer Tests an Menschen wird das Abwasser hierbei vor der Kläranlage abgefangen und auf die DNA der Krankheitserreger untersucht. Mit verschiedenen Gen-Sonden wird das genetische Material von unterschiedlichen Krankheitserregern erkannt und so aufbereitet, dass Aussagen auch über die quantitative – also mengenmäßige – Verbreitung der Viren möglich werden.
Neben Corona kommt dieses Verfahren mittlerweile auch bei der Atemwegserkrankung RSV und bei Grippe zum Einsatz. Timo Greiner, der am RKI mit für dieses Verfahren verantwortlich ist, sieht im Abwassermonitoring eine elegante Technik, der in Zukunft große Bedeutung zukommen wird:
„Für uns ist ein Ziel, dass das Abwassermonitoring ein dauerhafter Bestandteil der Epidemiologie wird. Dass wir das erweitern zum Beispiel auf andere Erreger wie das West-Nil-Virus, die bei uns langsam häufiger werden. Aber auch, dass wir uns nicht nur Erreger anschauen, sondern auch Spurenstoffe. Das können Drogen oder auch Medikamentenrückstände sein.“
Forschung zu Fatigue profitiert von Corona-Mitteln
Auch die Arbeit von Carmen Scheibenbogen an der Berliner Charité konnte vom Forschungsboom rund um Corona profitieren. Die Professorin für Immunologie gilt als eine der wenigen Expertinnen für Myalgische Enzephalomyelitis/das Chronische Fatigue Syndrom, kurz ME/CFS, eine neuroimmunologische Erkrankung, die nach einer schweren Infektionserkrankung auftreten kann.
Die vielfältigen Erscheinungsformen von ME/CFS - wie Entzündungen, Autoimmungeschehen, Durchblutungsstörungen, kognitive Störungen - decken sich in vielen Bereichen mit Symptomen der Long- oder Post-Covid-Erkrankung. Da gab es etwa 150 Millionen Euro für die Versorgungsforschung für Patienten mit diesem komplexen Krankheitsbild. Wesentliche Puzzlestücke für ein besseres Verständnis der Krankheitsmechanismen konnten so gefunden werden, sagt Scheibenbogen. So hat durch die zahlreichen Post-Covid-Fälle die Erforschung von ME/CFS, die lange Zeit ein Schattendasein in der Medizin fristete, Aufwind bekommen.