Besonders häufig in Baden-Württemberg

Hantavirus-Infektion: Ursache, Symptome, Behandlung

Gliederschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit: Im Sommer kann dahinter auch das Hantavirus stecken. Es kommt vor allem im Südwesten vor - und kann besonders die Nieren angreifen. 

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Von Autor/in Corinna Klee, Mia Kehrer

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Hantaviren sind weltweit verbreitet und werden durch infizierte Nagetiere wie Mäuse und Ratten auch auf Menschen übertragen. In Mitteleuropa ist die Rötelmaus das wichtigste Wirtstier. Die Tiere scheiden das Virus über Speichel, Urin und Kot aus. Wenn diese Hinterlassenschaften eintrocknen, kann der virushaltige Staub aufgewirbelt und eingeatmet werden. Das ist der häufigste Ansteckungsweg. 

Durch ein Hantavirus ausgelöste Erkrankungen können ganzjährig auftreten. Besonders hoch ist die Infektionsgefahr jedoch von April bis September.  

Typische Symptome einer Hantavirus-Infektion  

Die Symptome einer Infektion mit dem Hantavirus treten meist erst zwei bis vier Wochen nach dem Kontakt mit den Erregern auf – und können Grippesymptomen ähneln. Dazu gehören hohes Fieber, Schüttelfrost sowie Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen. Darüber hinaus kann der Urin schaumig oder blutig sein.

Die Erreger können aber auch schwere Infektionen von Lunge oder Nieren auslösen. In seltenen Fällen kann es zu Nierenfunktionseinschränkungen bis hin zum Nierenversagen kommen.  

Hantavirus: Wann wird’s gefährlich? 

Bei einer Infektion mit dem Hantavirus werden nur die Symptome behandelt, ein gezieltes Medikament gegen das Virus gibt es nicht. Oft verläuft die Erkrankung unbemerkt oder mit milden Grippesymptomen und kann einfach zuhause auskuriert werden. Einige Menschen allerdings erkranken stark, haben tagelang Fieber und Schmerzen oder müssen sogar stationär im Krankenhaus bleiben.  

„Wenn die Patientinnen und Patienten sich bei uns in der Notaufnahme vorstellen, dann geht es denen richtig schlecht. Sie sagen oft, so krank war ich noch nie in meinem Leben.” 

Verläuft eine Hantavirus-Infektion schwer, zeigt die Labordiagnostik oft hohe Entzündungswerte und eine schwere Nierenfunktionseinschränkung. Die stationäre Aufnahme sei dann bei vielen Patientinnen und Patienten notwendig, sagt Prof. Dr. Jörg Latus, Chefarzt am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart. “Zum einen, um die Nierenwerte zu überwachen. Zum anderen, um zu schauen, was passiert, wenn die Nierenfunktion schlechter wird, was unter anderem die Ausscheidung von Wasser angeht“, erklärt der Experte für Nierenheilkunde. In seltenen Fällen kann es nötig sein, die Nierenfunktion durch eine Dialyse, also eine Blutwäsche, zu ersetzen. 

Wichtig ist außerdem, andere Erkrankungen auszuschließen – zum Beispiel eine Sepsis, gemeinhin oft als Blutvergiftung bezeichnet. Im Krankenhaus lässt sich das Hantavirus mit einem Schnelltest nachweisen. 

Hantavirus: Den Urin im Blick behalten 

Oftmals seien die Nieren durch die Hantavirus-Infektion so stark geschädigt, dass sie keinen Urin mehr ausscheiden, erklärt Prof. Dr. Jörg Latus. Wenn sie sich dann erholen, würden sie oft große Mengen an Urin ausscheiden. Das könne zu Problemen beim Salzhaushalt und sogar zu schweren Herzrhythmusstörungen führen. Der Facharzt für Nierenheilkunde betont, dass es für Erkrankte wichtig sei, die Mengen an aufgenommener Flüssigkeit und ausgeschiedenem Urin zu beobachten. 

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Ist das Hantavirus ansteckend? 

Von Mensch zu Mensch ansteckend ist eine Erkrankung durch Hantaviren nicht, da diese nur von den Nagetieren auf den Menschen übertragen werden können. Laut dem Robert-Koch-Institut können Hantaviren außerhalb des Wirtsorganismus allerdings für mehrere Tage infektiös bleiben, andere gehen sogar von mehreren Wochen aus. Die Inkubationszeit betrage üblicherweise etwa zwei bis vier Wochen.  

Warum tritt das Hantavirus vor allem im Südwesten auf?  

Im Südwesten Deutschlands treten Hantavirus-Infektionen vermehrt auf. In Baden-Württemberg sind dabei einige Regionen besonders auffällig. Neben der Region Stuttgart sind die Schwäbische Alb sowie die Landkreise Tübingen und Esslingen besonders betroffen. 

Diese Gebiete gelten als Hotspots, weil hier viele Buchenwälder vorkommen. Diese sind der bevorzugte Lebensraum der Rötelmaus. Je mehr Bucheckern in einem Jahr vorhanden sind, desto mehr Mäuse gibt es – und desto mehr Viren. Deswegen schwankt die Zahl der Infektionen von Jahr zu Jahr.   

In diesem Jahr gibt es jedoch insbesondere in Bayern einen starken Anstieg von Erkrankungen, die durch das Virus ausgelöst wurden. Eine Hantavirus-Infektion muss dem Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden.  

Hantavirus: Sind Langzeitfolgen bekannt? 

Prof. Dr. Jörg Latus erhebt Daten für eine Langzeitstudie zum Hantavirus, die am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart durchgeführt wird. Die Studie zeigt bis jetzt: Zehn Jahre nach einer Infektion lassen sich keine Langzeitfolgen feststellen. Selbst nach schweren Verläufen arbeiten die Nieren wieder normal.  

Und noch etwas zeigen die Daten: Wer das Hantavirus einmal hatte, hat zunächst Antikörper – teils über mehrere Jahre hinweg.  

Infektionen mit dem Hantavirus vorbeugen 

Um sich vor einer Hantavirus-Infektion zu schützen, sollte man den Kontakt zu Mäusen und deren Ausscheidungen vermeiden, Lebensmittel und Abfälle stets verschlossen aufbewahren und Räume vor dem Reinigen gut lüften. Gerade im Gartenschuppen oder im Keller, bei der Gartenarbeit, auf dem Dachboden oder in Ställen ist Vorsicht geboten. 

Beim Entfernen von Mäusekot oder toten Nagern empfiehlt es sich, Handschuhe und eine Atemschutzmaske zu tragen und eine Staubentwicklung in möglicherweise kontaminierten Bereichen durch Befeuchten zu vermeiden. Anschließend sollte man die Arbeitskleidung wechseln und sich gründlich die Hände waschen.  

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