Hannah Lepiors hat ein klares Ziel: Die Bodybuilderin aus Rheinland-Pfalz bereitet sich auf ihre erste Europameisterschaft vor. Dafür trainiert sie täglich und achtet streng auf ihre Ernährung. „Der Muskel besteht ja auch aus Proteinen und da ist das einfach essentiell, um einfach das Ziel zu erreichen, was man wirklich haben möchte“. 140 Gramm Eiweiß stehen täglich auf ihrem Ernährungsplan – eine Menge, die sie ohne Proteinpulver kaum erreichen könnte.
Doch nicht nur Leistungssportler wie Hannah setzen auf Eiweiß. Im Supermarkt begegnen uns immer häufiger sogenannte High-Protein-Produkte: Pudding, Milch, Nudeln oder Brot – vieles gibt es mittlerweile in der proteinreichen Variante. Aber was steckt hinter dem Hype?
Was bedeutet „High Protein“?
"Produkte dürfen als 'High Protein' bezeichnet werden, wenn mindestens 20 Prozent des Gesamtkaloriengehalts aus Proteinen stammen."
Die Lebensmittelindustrie setzt bei High-Protein-Produkten oft auf Milcheiweiß, bei veganen Alternativen auf Soja- oder Erbsenprotein. Diese Proteine werden industriell aus den Rohstoffen extrahiert und den Lebensmitteln zugesetzt.
Brauchen wir High-Protein-Produkte überhaupt?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Mensch mit 70 Kilogramm benötigt also etwa 56 Gramm Eiweiß. „Das erreichen wir problemlos mit einer ausgewogenen Ernährung“, so Marlene Bär. „Studien zeigen, dass die meisten Menschen in Deutschland ohnehin mehr Protein zu sich nehmen, als sie benötigen.“
Ein Beispiel für eine proteinreiche Ernährung:
Frühstück (ca. 19 g Proteine):
200 g Joghurt → ca. 7 g Proteine
50 g Haferflocken → ca. 6 g Proteine
30 g Nüsse → ca. 6 g Proteine
Mittagessen (ca. 30 g Proteine):
200 g gekochte Linsen → ca. 18 g Proteine
2 Wiener Würstchen (ca. 100 g gesamt) → ca. 12 g Proteine
Abendessen (ca. 28 g Proteine):
Omelett aus 3 Eiern (ca. 150 g) → ca. 19 g Proteine
2 Scheiben Vollkornbrot (ca. 90 g) → ca. 9 g Protein
Kritik an der Nahrungsergänzung:
High-Protein-Produkte sind also für unsere Ernährung nicht notwendig. Teuer und oft stark verarbeitet. Ein weiterer Kritikpunkt: High-Protein-Produkte sind oft deutlich teurer als ihre herkömmlichen Alternativen. Damit Verbraucherinnen und Verbraucher das nicht sofort bemerken, ist in den High-Protein-Packungen oft weniger Inhalt.
Deshalb haben wir in unserem Test die Kilopreise verglichen: Herkömmlicher Milchreis hat uns 11,92 Euro pro Kilogramm gekostet, die High-Protein-Variante lag bei 19,13 Euro – ein Aufpreis von über 60 Prozent. Bei den Nudeln waren es mehr als 80 Prozent (herkömmlich: 3,98€/kg, mit Proteinen angereichert: 7,48€/kg), beim abgepackten Vollkornbrot mehr als das doppelte (herkömmlich: 3,98€/kg, mit Proteinen angereichert: 9,16€/kg).
Dazu kommt, dass viele dieser Produkte stark verarbeitet sind. „Wir sehen oft einen hohen Anteil an Zucker, Süßstoffen oder anderen Zusatzstoffen“, sagt Marlene Bär. “Das macht die Produkte nicht unbedingt gesünder.”
Wann sind High-Protein-Produkte sinnvoll?
Für Hobby-Sportler sind High-Protein-Produkte nicht nötig. Anders sieht es bei Leistungssportlern aus. Hannah Lepiors etwa greift auf Proteinpulver zurück, um ihren hohen Bedarf zu decken. „Ich nutze es ergänzend zu meiner normalen Ernährung, die überwiegend aus Fleisch, Gemüse und natürlichen Lebensmitteln besteht“, erklärt sie.
Doch selbst hier gilt: Natürliche Proteinquellen wie Eier, Hülsenfrüchte oder Magerquark sind oft die bessere Wahl. Sie liefern nicht nur Eiweiß, sondern auch wichtige Nährstoffe.
Fazit: Mehr Schein als Sein?
High-Protein-Produkte suggerieren eine gesündere Ernährung, sind aber oft teurer und nicht unbedingt besser als herkömmliche Lebensmittel. Für die meisten Menschen reicht eine ausgewogene Ernährung völlig aus, um den Proteinbedarf zu decken.
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