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Überhitzung: wie entsteht sie?
Wie gefährlich kann Hitze für den Körper werden?
Für wen ist Hitze besonders gefährlich?
Warum ist Hitze besonders für ältere Menschen gefährlich?
Wirkungsveränderung von Medikamenten bei Hitze
Medikamente: Was muss ich bei Hitze noch beachten?
Was macht der Körper bei Hitze?
Wie merkt man, dass der Körper überhitzt?
Hitzeerschöpfung und Hitzeschlag
Und was ist ein Sonnenstich?
Der Hitzschlag
Vorbeugend viel trinken!
So vergessen Sie nie mehr, genug zu trinken!
Was kann noch helfen bei Hitze?
Überhitzung: wie entsteht sie?
Lange direkte Sonneneinstrahlung und Hitze können richtig gefährlich werden. Dann nämlich, wenn Überhitzung droht.
Insgesamt können Menschen trockene Hitze, selbst mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius, besser verkraften. Wenn aber Feuchtigkeit dazu kommt, können schon Temperaturen ab 30 Grad gefährlich werden.
Ein weiterer wichtiger Faktor: die Länge der Hitzeperiode. Ein Hitzetag allein ist besser verträglich als mehrere Hitzetage in Folge. Laut Deutschem Wetterdienst ist ein Hitzetag definiert als Tag mit Tagestemperaturen über 30 Grad Celsius.
An heißen Tagen entsteht überdies gerade in Städten eine toxische Mischung aus Stickoxiden, Feinstaub und Ozon. Beton, Asphalt und Gebäude speichern Hitze und kühlen selbst nachts kaum ab.
Kommen dann noch tropische Nächte dazu, also Nächte, wo es ohnehin nicht unter 24 Grad runterkühlt, dann erholt sich der Körper deutlich schlechter von der täglichen Hitze.
Wie gefährlich kann Hitze für den Körper werden?
Hitze könne im Körper auf fast alle Organe wirken, erläutert Dr. Susanne Bublitz, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Vorstandsvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg. Sie sagt:
- Hitze belastet das Gehirn,
- das Risiko für Schlaganfälle steigt.
- Hitze macht uns aber auch aggressiver und gewaltbereiter.
- Hitze kann neue Lungenerkrankungen auslösen und
- bestehende wie Asthma oder COPD verschlechtern.
- Bestehende Herzerkrankungen wie Herzschwäche kann es verschlechtern.
- Hitze erhöht auch das Risiko für Herzinfarkte.
- Trinken wir zu wenig oder schwitzen zu viel Flüssigkeit aus, kann es auch unsere Nierenfunktion verschlechtern.
Wie Menschen auf Hitze reagieren, hängt auch von bestimmten Risikofaktoren ab. Etwa Menschen mit Vorbelastungen wie zum Beispiel chronischen Erkrankungen oder Asthma sind besonders Hitze anfällig.
Für wen ist Hitze besonders gefährlich?
Besonders gefährdet sind laut Bublitz:
- ältere Menschen,
- Kleinkinder,
- Schwangere,
- Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes,
- Menschen mit Erkrankungen der Nieren, der Lungen und Atemwege, Asthma,
- Menschen mit Risikofaktoren wie Herzkrankheiten oder
- Menschen, die bestimmte Medikamente wie Betablocker einnehmen. Manche Medikamente erschweren zusätzlich die Wärmeregulation.
- Menschen mit psychischen Erkrankungen,
- Menschen mit Neurodermitis, aber auch
- Menschen, die im Freien arbeiten, wie Dachdecker, Gartenbauer und
- Menschen, die im Freien Sport treiben sowie
- Menschen, die in ungünstigen sozialen Verhältnissen wohnen: Alleinlebende, Obdachlose etwa.
Warum ist Hitze besonders für ältere Menschen gefährlich?
- Im steigenden Alter funktioniert die Thermoregulation nicht immer so gut wie bei jüngeren Menschen.
- Ein weiterer Faktor ist das abnehmende Durstgefühl. Viele ältere Personen trinken zu wenig und drohen deshalb zu dehydrieren.
Wirkungsveränderung von Medikamenten bei Hitze
Folgende Medikamente können ihre Wirkweise bei Hitze verändern:
- Blutdrucksenker: Wenn es heiß wird, weiten sich unsere Gefäße und der Blutdruck sinkt. Wer also beispielsweise blutdrucksenkende Medikamente, insbesondere Betablocker, einnimmt, dessen Blutdruck kann bei Hitze überproportional gesenkt werden.
- Diuretika: Durch das Schwitzen verlieren wir Flüssigkeit. Diuretika senken den Blutdruck und entwässern. In Kombination mit Hitze ist nicht nur der Wasserverlust ein Problem, sondern auch die vermehrten Elektrolyte, die ausgeschieden werden.
- Antidiabetika: Zudem bewirken manche Medikamente wie etwa Antidiabetika, dass die Haut besonders empfindlich für UV-Strahlung wird. Nebenwirkung kann dann ein Sonnenbrand sein.
- Insulin kann bei höheren Temperaturen schneller anfluten,
- Arzneimittel, die direkt über die Haut aufgenommen werden: Z.B. transdermale Pflaster mit Hormonen oder etwa mit Schmerzmitteln (Schmerzpflaster). Bei Hitze ist die Haut so gut durchblutet, dass mehr Wirkstoff als gewollt aufgenommen werden kann. Dabei erhöhen sich Wirkung und Nebenwirkung des Medikaments.
Im Zweifel sollte hier ärztlicher Rat eingeholt werden.
Medikamente: Was muss ich bei Hitze noch beachten?
Bei Hitzewellen sollte man auf die kühle Lagerung der Medikamente achten.
Zum Beispiel kann Insulin bei Temperaturen über 30 Grad an Wirksamkeit verlieren oder ausflocken und so unbrauchbar werden.
Auch so genannte Notfall-Pens, also Adrenalin-Spritzen für Allergiker, sollten nicht über 25 Grad gelagert werden, weil sie dann u.U. nicht mehr oder weniger wirken.
Was macht der Körper bei Hitze?
Damit der Körper sich vor Überhitzung schützt, gibt es die sogenannte Thermoregulation. Sie wird zentral im Gehirn vom Hypothalamus gesteuert. Der sorgt dafür, dass die Körperkerntemperatur konstant zwischen 36 und 37,5 Grad liegt.
Droht die Temperatur zu steigen, sendet der Hypothalamus Botenstoffe. Sie sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße der Haut weiten. Dies verstärkt die Durchblutung und hilft so, Wärme nach außen abzugeben. Dieser Wirkmechanismus funktioniert im Alter meist schlechter als in jungen Jahren.
Wenn sich Blutgefäße erweitern, sinkt jedoch der Blutdruck, das Herz muss dann stärker pumpen, um das Blut zu transportieren. Gleichzeitig werden manche Organe weniger stark durchblutet und die Gehirnleistung gedrosselt.
Die meiste Hitze wird übrigens am Kopf und an den Händen abgegeben. Insgesamt ist die Thermoregulation für den menschlichen Körper anstrengend.
Parallel dazu leitet der Körper das Schwitzen ein. Über die Haut wird Flüssigkeit abgegeben, die verdunstet und den Körper gleichzeitig kühlt. Darüber verlieren wir jedoch nicht nur Wärme, sondern auch Elektrolyte. Daher ist es sehr wichtig, immer genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
Wie merkt man, dass der Körper überhitzt?
Es gibt leichte Hitzefolgen wie zum Beispiel Hitzeödeme. "Das sind die klassischen dicken Beine, wenn wir abends die Abdrücke der Socken sehen, die Beine einfach ein bisschen geschwollen sind um die Knöchel und an den Unterschenkeln", erläutert Ärztin Bublitz.
Vermeiden könne man dies, indem man die Beine kühl hält, mit kalten Wasserbädern beispielsweise oder, indem man die Füße hochlege, empfiehlt Bublitz. Meist reguliere sich das über Nacht, wenn es kühler wird, wieder.
Darüber hinaus kann es zu Hitzekrämpfen kommen, wo sich die Muskulatur schmerzhaft verkrampft, weil wir einen Wasser- und Salzmangel haben. Auch das sei eher harmlos, sagt Bublitz. Dem kann man entgegenwirken, indem man viel trinkt.
Es gibt aber einige Körperanzeichen, die darauf hinweisen, dass der Körper gerade überhitzt und es gefährlich werden kann. Dazu gehören zum Beispiel:
- Kopfschmerzen,
- Verwirrung,
- Orientierungslosigkeit
- Weitere Symptome sind, dass sich die Haut plötzlich trocken anfühlt und
- der Kopf sehr rot wird.
- Auch ein weißes Dreieck im Mund-Nasen-Bereich ist ein Warnsignal.
Dann gilt: Raus aus der Sonne, die direkte Sonneneinstrahlung vermeiden und Flüssigkeit zuführen!
Hitzeerschöpfung und Hitzschlag
Sonst können Hitzeerschöpfung oder, in der Folge, Hitzschlag die Folge sein.
Hitzeerschöpfung macht sich bemerkbar mit Unwohlsein, Schwäche, Schwindel. Die Körperkerntemperatur kann erhöht sein, ist aber in der Regel unter 40 Grad.
Steigt sie über 40 Grad und kommen auch noch neurologische Probleme dazu wie Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen oder auch Erbrechen und Durchfall, dann ist Gefahr im Verzug. Dann sollte man schnellstmöglich den Rettungsdienst rufen.
Und was ist ein Sonnenstich?
Beim Sonnenstich führt letztlich eine überlange Sonneneinstrahlung des Kopfes zur Reizung der Hirnhaut. Säuglinge und Kleinkinder, aber auch Menschen mit wenig Kopfhaaren oder einer Glatze sind hier naturgemäß besonders gefährdet. Kreislaufprobleme, Schwindel und Erbrechen können die Folge sein. Dann hilft nur: schnell raus aus der Sonne, in den Schatten und ausruhen!
Die Folgen eines Sonnenstichs können einen dann sogar noch mehrere Tage lang verfolgen - etwa leichte Kopfschmerzen oder Schwindel. Besser ist es also, auch in den nächsten Tagen die Sonne zu meiden.
Folgeschäden hat ein Sonnenstich in der Regel aber nicht. Dennoch wäre es wohl am besten, es mit dem Sonnenbaden gar nicht erst zu übertreiben, sich immer gut einzucremen - und insbesondere den Kopf im Schatten zu halten oder mit Hut oder Mütze zu bedecken.
Der Hitzschlag
Weitaus gefährlicher als der Sonnenstich ist wie erwähnt der Hitzschlag. Er ist sozusagen "die Steigerung des Sonnenstichs", der Hitzekollaps. Zu viel Sonne und zu viel Hitze führen dabei zu einem Kreislaufkollaps, der im schlimmsten Fall sogar die Organe und das Hirn nachhaltig schädigen kann.
Der Hitzschlag tritt dabei - der Name sagt es bereits - sehr schnell und plötzlich auf: Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind die Symptome.
Dann hilft nur schnelles Handeln: Raus aus der Sonne, rein in den Schatten - und kühlen, kühlen, kühlen. Mit Eis, mit Wasser, mit frischer Luft.
Aber Vorsicht: zu kalt dürfen Wasser und Luft dann auch wieder nicht sein, sonst droht ein weiterer Kreislaufkollaps durch den Kälteschock. Also etwa Eis oder Coolpacks lieber in Handtücher wickeln, bevor man sie dem Betroffenen auf die Stirn legt.
Außerdem gilt nun: trinken, trinken, trinken. Denn der erlittene Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust muss ausgeglichen werden. Wirkt der Betroffene dann aber weiterhin apathisch oder wird er sogar bewusstlos, sollte der Notarzt gerufen oder schnellstmöglich in die Klinik gefahren werden.
Hitze: Vorbeugend viel trinken!
Um an heißen Tagen nicht zu dehydrieren, sollte man viel trinken: mindestens 1,5 bis 2 Liter sollte jede Person an heißen Tagen zu sich nehmen. Das Beste ist, Wasser zu trinken. Aufpeppen kann man das mit Zitronenscheiben oder in Form von Schorle, Früchte- oder Kräutertees. Alkohol sollte vermieden werden, denn der trocknet den Körper zusätzlich aus.
Achtung: Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten die angemessene Flüssigkeitsmenge mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen.
So vergessen Sie nie mehr, genug zu trinken!
Stellen Sie sich bereits morgens eine große Kanne Wasser bereit. Ihr Ziel sollte es sein, mindestens diese eine ganze Kanne im Laufe des Tages leer zu trinken.
Was kann noch helfen bei Hitze?
Generell sollte man darauf achten, ausreichend Flüssigkeit zuzuführen, lieber lauwarm oder kühl als eiskalt. Auch gut: wasserreiches Obst und Gemüse essen wie Gurke, Tomaten, Melone, Ananas.
Wir sollten uns selber kühl halten, Sonne meiden, keinen Sport treiben in der Hitze, sondern lieber frühmorgens oder am Abend.
Auch kühle oder kalte Fußbäder, kalte Armbäder, kalt duschen kann helfen. Ein feuchtes Handtuch ins Fenster hängen hilft abends, die Luft herunterzukühlen.
Um die Wohnung kühl zu halten: Früh morgens, wenn es kalt ist, quer lüften. Dann Fenster, und wenn möglich Rollläden, schließen.
Auch ein Wasserspray in der Tasche für unterwegs kann eine willkommene Erfrischung bringen.
Ein Paradebeispiel für den Alltag mit Hitze ist die Lebensweise in Südeuropa. Dort gibt es die Tradition der Siesta, also einer sehr langen und ausgedehnten Pause während der heißen Mittagsstunden. Auf diese Weise können sich Menschen aus nördlich liegenden Ländern an künftige Hitzeperioden besser anpassen.