In der Krebsklinik am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gilt Eva Schumacher-Wulf als Therapiewunder. Seit zwanzig Jahren ist sie in Behandlung, schon sechsmal hatte sie eine Chemotherapie gegen ihren Brustkrebs.
Doch immer wieder kam der Krebs zurück. Eva Schumacher-Wulf erklärt: „Der Tumor verändert sich immer wieder, und wir müssen natürlich immer wieder rechtzeitig eine neue Therapie finden, weil jede Therapie funktioniert nur eine gewisse Zeit lang.“
Forschende können Brustkrebszellen aus Blut filtern
Forschenden des DKFZ in Heidelberg ist ein Fortschritt in Sachen "passende Therapie" für Brustkrebspatientinnen gelungen. Eine Strategie, an der schon seit vielen Jahren Forscherteams auf der ganzen Welt arbeiten: Die Liquid Biopsie. Sie macht die Diagnose und Überwachung von Tumoren anhand der sehr seltenen Tumorzellen, die im Blut der Patienten zirkulieren, möglich.
Andreas Schneeweiß, Leiter der gynäkologischen Krebsmedizin am DKFZ, gehört zum Team, dem dieser Fortschritt in der Tumordiagnostik gelungen ist:
"Wir können im Blut nachschauen, welcher Teil der Tumorerkrankung gerade aktiv ist, und zwar anhand von zirkulierenden Tumorzellen, die wir im Blut finden, und dem Erbgut des Tumors. Und auf diesen zirkulierenden Tumorzellen haben wir eine Eiweißstruktur gefunden, die wir attackieren können."
Aufspüren von Tumorzellen in Blutproben
Unter anderem mit Hilfe von Laserlicht gelingt es, die sehr seltenen Tumorzellen in der Blutprobe aufzuspüren. Sie werden ausgefiltert und in einem Nährmedium zu Minitumoren herangezogen, die dieselben Eigenschaften wie der Tumor der Patientinnen haben.
Mit keinem anderen Ansatz lässt sich bisher die Entwicklung der Tumoren so engmaschig überwachen. Das Verfahren bietet auch die Möglichkeit, an dutzenden Minitumoren zu testen, welche Medikamente den Krebs zerstören.
Neue Strategie gegen Brustkrebs noch nicht allgemein anwendbar
Andreas Trumpp, Direktor des Stammzell-Labors am DKFZ und Leiter des Forschungsprojekts, sieht in der Flüssig-Biopsie großes Potenzial für Grundlagenforschung und Therapie:
"Mit der Liquid Biopsy können wir jetzt erstmals Tumormaterial regelmäßig von den Patienten isolieren und zur Evolution des Tumors nahe verfolgen und Möglichkeiten finden, auch therapieresistente Zellen effizient zu eliminieren."
Für Eva Schumacher-Wulf ist es ein Privileg, bei diesem Forschungsprojekt dabei zu sein: "Ich muss ehrlich sagen ich bin hier wirklich sehr gerne Versuchskaninchen, weil durch die ganzen neuen Methoden, die angewandt werden und ausprobiert werden, gewinne ich einfach Lebenszeit."
In der breiten Masse ist die Anwendung der aufwändigen Technik noch nicht abzusehen.