Fehler gehören zu Erfolgen

Umgang mit Niederlagen: Was wir von Spitzensportlern lernen können

Verpasste Chancen, Rückschläge im Job oder persönliche Niederlagen – Scheitern trifft uns alle. Spitzensportler erleben es ständig und haben gelernt, damit umzugehen. Welche mentalen Strategien helfen ihnen und wie können wir das in unser Privatleben übertragen?

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Von Autor/in Rebecca Aimée Fehlen

Warum Niederlagen wichtig für den Erfolg sind

Im Sport ist es ganz normal, dass nicht jedes Spiel oder jeder Wettkampf gewonnen wird. Niederlagen gehören dazu. Ohne sie wäre es schwer, sich weiterzuentwickeln. Spitzensportler wie Basketballer Dirk Nowitzki, Bobfahrerin Debora Levi oder Leichtathlet Leo Neugebauer betonen immer wieder, dass ihre größten Erfolge ohne die vorherigen Rückschläge nicht möglich gewesen wären.

Leo Neugebauer bei der Weltmeisterschaft im Zehnkampf

So ein Rückschlag, der bedeutet für einen Profi nicht, ich kann es nicht, sondern der sagt: "Ich hatte heute keinen guten Tag, deswegen hat es einen schlechten Lauf gegeben". Die ärgern sich dann auch, aber die gucken dann gleich, was ist gut gelaufen, was ist schlecht gelaufen, was kann ich beim nächsten Mal besser machen?

Auch im Alltag sollten wir erkennen, dass Fehler oder Misserfolge kein Zeichen von Schwäche sind. Stattdessen sind sie eine Gelegenheit, innezuhalten, zu reflektieren und es beim nächsten Mal besser zu machen. Niemand erwartet Perfektion – weder im Sport noch im Leben. Der Schlüssel ist, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Warum wollen wir keine Fehler machen?

Niemand macht gern Fehler – und genau das erschwert den Lernprozess. Die US-Forscherinnen Lauren Eskreis-Winkler und Ayelet Fishbach zeigen in einer Studie von 2022, dass uns beim Lernen aus Fehlern vor allem Emotionen und Denkmuster im Weg stehen: Wir erleben Fehler als Bedrohung für unser Ego und haben kognitive Schwierigkeiten, sie klar zu erkennen.

Zudem fürchten viele, dass andere ihre Fehler gegen sie verwenden könnten. Das hemmt offene Kommunikation, Verbesserungen und die Bereitschaft, künftig Risiken einzugehen.

Die Top-Leute, die können ruhig bleiben, wenn es eng wird. Das heißt, die lassen sich nicht von Angst oder so Überlegungen wie "was wäre, wenn" aus der Ruhe bringen.

Mentale Stärke: Wie gehe ich mit Niederlagen um?

Älterer Mann, der den Kopf auf die Arme stützt und mit distanziertem Blick in die Ferne schaut

Ein wichtiger Faktor im Umgang mit Niederlagen ist die mentale Stärke. Spitzensportler und Spitzensportlerinnen investieren viel Zeit in ihr mentales Training, um in schwierigen Momenten nicht den Mut zu verlieren. Dabei wenden sie Strategien an, die auch uns im Alltag helfen können:

  • Positive Selbstgespräche: Wenn Sie eine Niederlage erleben, erinnern Sie sich daran, was Sie bereits alles gemeistert und erreicht haben.
  • Fokus auf das Hier und Jetzt: Besonders im Wettkampf zählt nur der Moment. Auch im Alltag hilft es, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren, anstatt zu lange über vergangene Fehler nachzudenken.
  • Mentales Kontrastieren: Nicht nur vom Erfolg träumen, sondern sich zugleich die größten Hürden vor Augen führen. Wer sich Erfolg vorstellt und gleichzeitig die eigenen Stolpersteine ehrlich reflektiert, aktiviert Motivation statt Selbsttäuschung.

Fehler als Chance: Lernen wie die Profis

Im Sport wird jede Niederlage analysiert: Was ist schiefgelaufen? Was kann verbessert werden? Dieses Prinzip können wir uns auch für den Alltag zunutze machen. Anstatt uns zu lange über Misserfolge zu ärgern, sollten wir sie als Chancen betrachten.

Fehler sind keine Sackgasse, sondern ein Wegweiser. Fragen Sie sich nach einem Misserfolg: Was kann ich daraus lernen? Welche neuen Möglichkeiten eröffnen sich vielleicht sogar?

Zudem verläuft das Leben, wie auch das Training bei Sportlerinnen, nicht immer gradlinig.

Und sich auch tatsächlich von diesem Perfektionismus zu verabschieden, zu sagen, ich muss an jedem Tag gleich gut sein. Nein, das verläuft im Zickzack und das ist vollkommen normal.

Petra Marcinko und Tatjana Maria geben sich bei den Australian Open die Hand.

Im Sport ist ein starkes Team oft der Schlüssel zum Erfolg. Hinter jeder Spitzensportlerin steht ein Netzwerk aus Trainerinnen, Physiotherapeuten und Mentorinnen, die helfen, nach Niederlagen wieder aufzustehen. Auch wir sollten uns bewusst machen, dass wir nicht alles allein bewältigen müssen.

Sei es ein Gespräch mit Freunden, der Austausch mit Kollegen oder professionelle Unterstützung – Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen von Stärke.

Praktische Tipps: So setzen Sie die Strategien im Alltag um

Die Strategien der Spitzensportler oder -sportlerinnen lassen sich auch in den Alltag integrieren. Hier sind einige konkrete Tipps:

  1. Setzen Sie sich realistische Ziele: Überfordern Sie sich nicht mit zu großen Erwartungen. Kleine Etappen führen langfristig zum Erfolg.
  2. Feiern Sie kleine Erfolge: Jeder Fortschritt zählt – auch wenn er noch so klein ist. Das motiviert und gibt Selbstvertrauen.
  3. Bleiben Sie geduldig: Erfolg braucht Zeit. Lassen Sie sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Auch im Sport erreichen die Menschen ihre Ziele erst durch diszipliniertes Training.
  4. Visualisieren Sie Ihre Ziele: Wenn wir uns eine Handlung lebhaft vorstellen, bereitet unser Gehirn den Körper bereits darauf vor. Mentale Bilder aktivieren ähnliche neuronale Prozesse wie echtes Tun. Wer sich also gedanklich beim souveränen Präsentieren, beim schwierigen Gespräch oder beim Erreichen eines sportlichen Ziels erlebt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, im entscheidenden Moment tatsächlich sicherer und handlungsfähiger zu sein.
  5. Bleiben Sie in Bewegung: Sportler und Sportlerinnen wissen, dass Bewegung hilft, den Kopf frei zu bekommen. Ein Spaziergang, eine Runde Joggen oder eine Einheit Kraftsport kann Wunder wirken, wenn Sie frustriert sind. Übrigens macht auch Schaukeln nachgewiesener Maßen glücklich.

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Rebecca Aimée Fehlen
Redakteurin Rebecca Fehlen