Immer mehr Einsätze wegen Wespenstichen

Notfallsanitäter erklärt, was bei einem Wespenstich wichtig ist

Wespen treten dieses Jahr besonders aggressiv auf. Ein Notfallsanitäter erklärt, wann ein Wespenstich harmlos ist und wann ihr besser die 112 rufen solltet.

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Stand

Steffen Hübel ist Notfallsanitäter und leitet in Worms die Lehrrettungswache. Er hat schon viele Erfahrungen mit der Behandlung von Wespenstichen gesammelt.

Wespen sind durch Trockenheit gereizt

SWR1: Aus Ihrer Erfahrung mit Wespen gibt es mal Jahre mit vielen Stichen und Einsätzen, andere mit weniger. Wie ist es dieses Jahr?

Steffen Hübel: Dieses Jahr ist es tatsächlich deutlich mehr. Es ist immer ganz unterschiedlich. Es gibt Jahre, da sind die Wespen etwas aggressiver, wie in diesem Jahr. Und es gibt durchaus Jahre, da kann man sagen, es nimmt das Ganze etwas ab. In diesem Jahr kam es schon zu einigen sehr kritischen Einsätzen durch Wespenstiche.

SWR1: Woran liegt es? Ist es die Trockenheit?

Hübel: Ja, oft liegt es an Wetter und Temperatur. Man hat oft einen warmen, trockenen Frühling, was sehr günstig ist für den Nestbau und die Entwicklung der jungen Wespen. Man hat oft heiße Sommer, da gibt es mehr Nahrung, schnelleres Wachstum der Kolonien. Oder auch durchaus mildere Winter, was wir in der aktuellen Zeit haben, wo die Überlebensrate einfach höher ist von den Königinnen. Denn bei Wespen stechen im Prinzip nur die Weibchen.

Notfallsanitäter beobachtet mehr Einsätze wegen Wespenstichen

SWR1: Was haben Sie in der letzten Zeit mit Wespen erlebt?

Hübel: Zum einen kommt es natürlich zu relativ einfachen Patienten und Patientinnen, die gestochen werden. Wespenstiche können zwar äußerst schmerzhaft und unangenehm sein. In den meisten Fällen ist es allerdings so, dass das Ganze relativ harmlos ist und mit einfachen Erste-Hilfe-Maßnahmen sehr gut behandelbar.

Wenn es allerdings zu Stichen kommt im Mund-Rachen-Raum oder Hals-Bereich, und vielleicht der, der gestochen wird, sogar Allergiker ist, wird das Ganze durchaus auch lebensbedrohlich.

In diesem Jahr kam es schon zu einigen sehr kritischen Einsätzen durch Wespenstiche.

Gefährlich für Allergiker

SWR1: Was haben Sie bei Ihren Einsätzen erlebt?

Hübel: Also leider ist es tatsächlich so, dass Patienten, die tatsächlich eine Allergie haben, sehr schnell reagieren auf Wespenstiche. Das Ganze ist kein statischer Notfall, sondern ein sehr dynamischer für uns.

Das bedeutet, es gibt mehrere Stadien, die so ein Allergiker durchläuft. Und das kann leider Gottes tatsächlich auch dazu führen, dass die eine oder andere Person bis in den Herz-Kreislauf-Stillstand rutscht und reanimiert werden muss.

Erste-Hilfe bei einem Wespenstich: Wann sollte man die 112 alarmieren?

SWR1: Man sollte den Stich auch beobachten. Was mache ich, wenn der sich verändert?

Hübel: Ganz wichtig, was die Erste-Hilfe-Maßnahmen angeht, ist natürlich auch das Beobachten des Stiches. Wie verhält sich diese Entzündungsreaktion?

Ganz wichtig ist es allerdings, auf gefährliche Symptome zu achten, wie beispielsweise plötzlich auftretende Atemnot, Kreislaufprobleme, Schwindel, Ausschlag, der sich eventuell am ganzen Körper zeigen kann. Anschwellen von Lippen, Zunge, vielleicht sogar Augenlidern. Da sollte man auf jeden Fall nicht zögern, auch die 112 zu alarmieren.

SWR1: Man denkt vielleicht, ach war nur ein Stich. Wann ist denn der Punkt, wo ich ruhigen Gewissens die 112 rufen kann?

Hübel: Also auf jeden Fall, wenn ich eine Veränderung merke von meinem Zustand. Also, wenn ich wirklich merke, mir bleibt die Luft weg, ich habe Probleme mit dem Atmen, mir wird schwindelig. Bitte nicht zögern, die 112 zu alarmieren.

Wenn es nur eine lokal begrenzte Reaktion ist, das heißt, man merkt einen plötzlich einsetzenden, stechenden Schmerz, direkt gucken, wie reagiere ich, wie reagiert mein Körper? Ruhig bleiben, Ruhe bewahren, nicht hektisch werden. Aber auf jeden Fall schauen, wie geht es mir? Und nicht zögern, auch durchaus die 112 zu alarmieren.

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