Forschende der Universitätsmedizin Mainz haben untersucht, wie der Körper unmittelbar auf nächtlichen Lärm reagiert. Dafür wurden in den Schlafzimmern der Teilnehmenden Geräusche mit durchschnittlich 41 bis 44 Dezibel über Lautsprecher abgespielt. Das ist ungefähr so laut wie ein neuer Geschirrspüler oder der Geräuschpegel einer ruhigen Wohnstraße.
Folgen von Straßenlärm bei Nacht getestet
Simuliert wurden unterschiedliche Belastungsgrade: Eine Nacht ohne zusätzlichen Lärm sowie jeweils eine Nacht mit 30 beziehungsweise 60 Lärmereignissen. Die Geräusche wurden durchschnittlich alle zehn Minuten eingespielt und dauerten konkret jeweils 1:15 Minuten an.
Da es sich um eine kontrollierte randomisierte doppelblinde Studie handelte, wussten weder die Teilnehmenden noch die Forschenden genau, ob es eine Nacht ganz ohne Geräusche war oder eine mit selteneren oder häufigeren Geräuschen.
Auswirkungen auf den Körper wurden untersucht
Gemessen wurden Herz-Kreislauf-Daten und Blutwerte. Die Schläferinnen und Schläfer waren dafür über Nacht unter anderem mit einem EKG verbunden. Am Morgen nahmen die Forschenden Blut ab und analysierten darin Proteine, die an Entzündungsprozessen sowie an Immun- und Stresssignalwegen beteiligt sind. Außerdem wurde die Elastizität der Blutgefäße untersucht.
Das Ergebnis: Schon nach einer einzigen Nacht ließen sich Veränderungen feststellen. Nach einzelnen Lärmereignissen stieg die Herzfrequenz an. Im Blut zeigten sich Veränderungen in den immun- und entzündungsassoziierten Proteinen, und Ultraschallmessungen belegten eine verminderte Elastizität der Blutgefäße. Die Teilnehmenden berichteten zudem von einer schlechteren Schlafqualität.
Die Mainzer Forschenden sehen in ihren Daten experimentelle Hinweise auf biologische Mechanismen, die den Zusammenhang zwischen Straßenverkehrslärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erklären könnten. Langjährige Beobachtungsstudien zeigen laut Universitätsmedizin Mainz, dass dauerhafte Lärmbelastung mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist.
Was lässt sich gegen Straßenlärm tun?
Die Forschenden plädieren für konsequente Lärmschutzmaßnahmen, etwa Tempo 30 innerorts und mehr Grünflächen als natürlichen Schallschutzpuffer. Jede Dezibel-Reduktion bedeute weniger Stress für Gefäße, niedrigere Entzündungswerte im Blut und langfristig weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle. Um besser zu verstehen, wie die Ergebnisse der Kurzzeitstudie mit dem langfristigen Risiko zusammenhängen, seien jedoch weitere Untersuchungen erforderlich.