Immer mehr Pflegeheime müssen schließen, obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich steigt. Das zeigt die SWR Doku "Mangelware Pflegeplatz". Über die Gründe haben wir mit der Autorin Stephanie Krüger gesprochen.
SWR Doku: Einen Platz im Pflegeheim kann sich kaum einer mehr leisten
SWR1: Wer kann sich eine Zuzahlung von über 3.200 Euro im Monat fürs Pflegeheim leisten?
Stephanie Krüger: Kaum ein Mensch. Wenn man sich vorstellt, dass die Durchschnittsrente etwa bei 1.600 Euro liegt, dann sind 3.245 Euro für kaum jemanden machbar.
SWR1: Da muss eigentlich zugeschossen werden, oder?
Krüger: Richtig. Die Menschen, die auf Hilfe zur Pflege angewiesen werden, steigen kontinuierlich. Es gibt Pflegeheime, da sind es schon über 90 Prozent der Menschen.
SWR Doku: Pflegeheime warten teilweise lange auf ihr Geld
SWR1: Wir reden von Menschen, die finanziell unterstützt werden?
Krüger: Genau, von den Kommunen. Das treibt ganz viele Kommunen und die Pflegeheime inzwischen an ihre Grenzen. Denn teilweise dauert die Bearbeitung des Antrages bis maximal zwei Jahre, in denen die Pflegeheime kein Geld bekommen, aber die Menschen schon dort sind.
Wir haben in einem Pflegeheim in Heidelberg gedreht. Das schließt, weil die Fenster fünf Zentimeter zu klein sind. Das ist doch absurd.
SWR1: Das ist der finanzielle Aspekt. Obendrauf kommt dann wahrscheinlich noch der Fachkräftemangel bzw. das Personalproblem?
Krüger: Ja, richtig. Es gibt Bundesländer wie Bayern, die haben diese Quote inzwischen ausgesetzt. In Rheinland-Pfalz nennt man es zwar nicht mehr "Fachkraftquote", aber man hält nach wie vor streng daran fest. Das zeigt auch das Beispiel, das wir in unserer Doku haben:
In Sinzig - wo die Johanniter die einzigen sind, die ein Heim betreiben, aber wegen dieser Quote komplett an ihre Grenzen kommen.
Doku zeigt teils absurde Auflagen in Pflegeheimen
SWR1: Wo müsste nach deinen Recherchen in Pflegeheimen angesetzt werden? Was sagen Heimleiterinnen und Heimleiter?
Krüger: Die meisten, mit denen wir gesprochen haben, sagen, dass wir ihnen mehr vertrauen sollen. "Vertraut uns doch einfach mehr, dass wir wissen, was wir machen, dass es uns leichter gemacht wird, Fachkräfte aus dem Ausland zu engagieren, dass die Verordnungen nicht so streng sind."
Wir haben in einem Pflegeheim in Heidelberg gedreht. Das schließt, weil die Fenster fünf Zentimeter zu klein sind. Das ist doch absurd. Die Menschen wollen dort bleiben. Die sind dort glücklich, aber das Heim muss zumachen. Wenn neu gebaut wird, kostet jeder Platz 900 Euro mehr.
Der Bedarf ist gigantisch und der Bedarf wird noch viel größer werden. Wir werden alle älter. Man erwartet zum Beispiel, dass bis 2030 40 Prozent der jetzigen Pflegekräfte in Rente gehen werden.
Alle warten verzweifelt auf das neue Pflegegesetz von Ministerin Warken, aber bislang ist außer einer Kommission und einem Vorschlag nichts passiert.
SWR1: Und dann ist richtig Alarm.
Krüger: Wir haben zwar letztes Jahr zum ersten Mal einen Zuwachs bei den Auszubildenden in der Pflege verzeichnet, aber das reicht natürlich vorne und hinten nicht aus.
Wir müssen entbürokratisieren oder alle warten verzweifelt auf das neue Pflegegesetz von Ministerin Warken, aber bislang ist außer einer Kommission und einem Vorschlag nichts passiert.