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Darmkrebs entsteht meist aus Wucherungen der Darmschleimhaut, den Darmpolypen. Diese Polypen entstehen durch übermäßiges Zellwachstum. Sie sind zunächst harmlos und wachsen meist langsam. Doch über einen Zeitraum von mehreren Jahren können sie sich durch genetische Veränderungen zu bösartigen Tumoren und somit zu Darmkrebs entwickeln.
Solange ein Polyp gutartig ist, bleibt er auf die Darmschleimhaut begrenzt und dringt nicht in umliegendes Gewebe ein. Kommt es jedoch zu Mutationen, wachsen die Zellen invasiv in das Darmgewebe ein und können Metastasen bilden, also Tochtergeschwülste. Häufig passiert das in Leber und Lunge.
Wann sollte man zur Darmspiegelung?
Darmspiegelungen werden generell für Männer und Frauen ab 50 Jahren empfohlen. Ab diesem Alter hat man auch Anspruch darauf, die gesetzlichen Krankenkassen versenden inzwischen sogar Einladungen für das Screening. Hat beziehungsweise hatte ein Angehöriger Krebs, besteht also ein erhöhtes familiäres Risiko, empfiehlt es sich, bereits früher einen Vorsorgetermin wahrzunehmen. In der Regel wird das Screening – sofern verschrieben – in diesen Fällen auch von den Kassen übernommen.
Nur ein Bruchteil derjenigen, die ein Anrecht auf eine Vorsorgeuntersuchung haben, nehmen das Angebot überhaupt wahr. Dabei kann man Darmkrebs verhindern, wenn die Vorstufen früh entfernt werden.
Auch wenn eine Darmspiegelung für Menschen ab 50 Jahren empfohlen wird, bedeutet es nicht, dass man nicht auch früher an Darmkrebs erkranken kann. Viele Risikofaktoren können dies begünstigen:
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Ballaststoffarme Ernährung mit hohem Anteil an rotem und verarbeitetem Fleisch
- Hoher Alkoholkonsum
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn
Ist eine Darmspiegelung sinnvoll oder reicht eine Stuhlprobe aus?
Es gibt zwei Untersuchungsmöglichkeiten in der Vorsorge, um Darmkrebs festzustellen: Stuhlgang-Proben und die Darmspiegelung (Koloskopie).
Beim immunologischen Stuhltest (iFOBT) wird der Stuhl auf nicht sichtbares (okkultes) Blut untersucht – ein möglicher Hinweis auf Darmkrebs oder Krebsvorstufen. Die Probe kann zu Hause entnommen und per Post ins Labor geschickt werden. Alternativ erfolgt die Abgabe direkt in der Arztpraxis. In beiden Fällen ist der Ablauf einfach: Eine kleine Menge Stuhl wird in ein spezielles Proberöhrchen gefüllt und analysiert. Das Ergebnis liegt meist nach wenigen Tagen vor.
Das Pro ist, dass es nicht invasiv ist. Also man muss nichts einführen, man muss nichts vorbereiten, man kann es sofort machen.
Das Problem: Fällt der Test negativ aus, kann eine Darmerkrankung dennoch nicht ausgeschlossen werden. Es können sich trotzdem Polypen und Adenome, eine Krebsvorstufe, im Darm befinden. "Man muss wissen: Dieser Test untersucht nur, ob Blut im Stuhlgang ist. Er findet nur blutende Veränderungen, aber Adenome bluten nicht immer. Die entgehen uns mit dem Test", erläutert Dr. Martin Teuscher, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie am Marienhospital Stuttgart.
Darmspiegelungen nicht erst bei Symptomen
Um eine sichere Diagnose zu erhalten, ist eine Darmspiegelung die beste Methode – mit hoher Aussagekraft und geringem Risiko. Nur selten kommt es bei der Entfernung von Polypen zu Blutungen.
Trotzdem haben viele Menschen Angst vor einer Darmspiegelung. Die Aufklärung sei, sagt Teuscher, deshalb ein zentraler Bestandteil der Vorsorge.
Wichtig sei auch die Vorbereitung des Darms: Dafür gibt es heute schonende Verfahren.
Darmspiegelung vorbereiten durch Lösung zum Einnehmen
Vor der Darmspiegelung muss eine salzhaltige Lösung zum Reinigen des Darms eingenommen werden. Mittlerweile würde die Lösung zweimal ein halber Liter zeitversetzt eingenommen, so Dr. Martin Teuscher. Wichtig sei es, ganz normale Flüssigkeit wie ungesüßten und hellen Tee oder Wasser dazu zu trinken, sodass der Darm besser durchspült wird.
Die Untersuchung selbst findet im sogenannten Dämmerschlaf statt – keine Vollnarkose, aber tief genug, dass Patienten nichts mitbekommen. "Also es ist tatsächlich so: Die Patienten schlafen, und wenn sie die Untersuchung hinter sich haben, wachen viele auf und fragen: Wann geht es eigentlich los?", sagt Dr. Martin Teuscher.
Wird während der Darmspiegelung ein Polyp entdeckt, so wird dieser direkt operativ entfernt. Anschließend wird eine Probe des Polypen ins Labor gesendet und überprüft, ob es sich um gutartiges oder bösartiges Gewebe handelt.
Darmkrebs vorbeugen: Bewegung senkt das Risiko
Was kann man tun, um Darmkrebs zu verhindern? Eine große Rolle dabei spielen Ernährung und Bewegung. So kann Sport dabei helfen, das Risiko für eine solche Krebserkrankung zu senken – auch dann, wenn man bereits einmal an Darmkrebs erkrankt war.
Dies wird auch in einer im Juni 2025 erschienenen Studie deutlich, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Für diese Studie wurden 889 Patienten nach einer Darmkrebs-Behandlung zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe absolvierte drei Jahre lang ein strukturiertes Bewegungsprogramm, die Kontrollgruppe erhielt lediglich Informationsmaterial.
Fünf Jahre später waren die Patienten mit Sportprogramm signifikant länger krankheitsfrei geblieben, hatten also ein deutlich geringeres Risiko für eine erneute Krebserkrankung. Nach acht Jahren war die Überlebensrate mit etwa 90 Prozent in der Bewegungsgruppe deutlich höher als in der Kontrollgruppe mit 83,2 Prozent.
Sport ist demnach nicht nur wichtig, um Darmkrebs vorzubeugen, sondern auch in der Nachsorge für Krebspatienten. Das Training hilft etwa auch bei der Rückbildung der Muskulatur nach einer Operation und Chemotherapie - und stärkt auch das Immunsystem.