Bei einem Herzinfarkt spüren Männer einen Schmerz in der Brust, der zum linken Arm hin ausstrahlt – Frauen hingegen haben starke Rücken- oder Kieferschmerzen, Übelkeit und Brechreiz. Bei einer Depression fühlen sich Frauen antriebs- und freudlos – Männer dagegen werden aggressiv oder zeigen ein verändertes Risiko- oder Suchtverhalten. Nur zwei Beispiele, die zeigen, dass Männer und Frauen in der Medizin unterschiedlich betrachtet werden müssen.
In der Symptomatik, der Diagnose und später auch in der Behandlung. Damit beschäftigt sich die sogenannte Gender- oder geschlechtsspezifische Medizin. Bislang orientierte sich die Medizin an einem Durchschnittsmann, beispielsweise 1,77 m groß, 75 Kilo schwer und 40 Jahre alt. Dies ist historisch, aber auch biologisch bedingt. Um genaue Aussagen über Frauen treffen zu können, müsste man ihren Körper in 4 Lebensabschnitten erforschen. Denn Hormone spielen dabei eine sehr große Rolle. Veränderungen gibt es in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft, vor und nach der Menopause. Gerade was Hormone betrifft, unterscheiden sich Männer und Frauen erheblich.
Das Ziel von Forschenden ist es daher auch, mehr Frauen für wissenschaftliche Studien zu motivieren. Denn auch hier sind Männer bislang stark überrepräsentiert. Dies betrifft alle Bereiche in der Medizin, aber auch die Entwicklung von Medikamenten.