Internationaler Tag der Milch am 1.6.

Fünf Milch-Mythen: Ist Milch gesund oder gefährlich? Was stimmt wirklich?

Milch ist ein Grundnahrungsmittel. Aber wie viel Milch ist gesund? Kann Milch auch krank machen? Zum Weltmilchtag am 1. Juni klären wir die Verunsicherung auf.

Teilen

Stand

Von Autor/in Sabine Schütze, Dominik Bartoschek

Milch und Milchprodukte sind weltweit beliebt. Milch lässt sich vielfältig in der Küche einsetzen. Sie enthält von Natur aus viele und gute Nährstoffe.

Aber Schlagzeilen im Internet verunsichern: "Die Milch-Lüge" oder "Die unterschätzte Gefahr in deinem Kühlschrank". Zum Internationalen Tag der Milch am 1. Juni räumen mit den folgenden Milch-Mythen auf:

Milch ist ungesund
Milch verschleimt
Milch macht starke Knochen
Kuhmilch ist für Kälber, nicht für Menschen
Milch ist ein Grundnahrungsmittel

Milch ist ungesund?

Ja, aber nicht für alle. Menschen mit einer Laktoseintoleranz oder Kuhmilch-Allergie sollten keine Milch trinken. Auch wer an entzündlichen Erkrankungen oder Akne leidet, ist ohne Milch oft besser dran. Und Männer, die täglich viel Milch trinken, also mehr als einen Liter, die haben ein höheres Risiko an Prostatakrebs zu erkranken. Bleiben wir aber bei maximal drei Portionen Milch oder Milchprodukte am Tag, dann profitieren wir von den gesunden Inhaltsstoffen der Milch wie Proteine und Calcium.

Milch verschleimt?

Nein, das ist ein Gerücht und wissenschaftlich widerlegt. Allerdings konnte eine australische Studie zeigen, dass Menschen die verschleimende Wirkung von Milch spüren, wenn sie daran glauben. Und zwar egal, ob sie Kuhmilch oder Sojadrink getrunken hatten. 

Milch macht starke Knochen?

Bei Kindern ja, bei Erwachsenen nein. Kinder und Jugendliche, die täglich Milch trinken, haben eine höhere Mineraldichte in den Knochen als solche, die ohne Milch groß werden. Bei Erwachsenen konnten Studien allerdings keine positiven Auswirkungen von Milch auf die Knochen finden. Immerhin trägt ihr Proteingehalt dazu bei, die Muskeln zu erhalten. Und ausreichend Muskeln helfen, Stürze vorzubeugen. Das ist im Alter wichtig.

Kuhmilch ist für Kälber, nicht für Menschen?

Mit diesem Argument kommen Milchhasser gern um die Ecke - und haben eigentlich recht. Schließlich sind wir Menschen die einzigen Säugetiere, die Milch auch noch nach dem Säuglingsalter konsumieren. Denn etwa 1.000 vor Christi hat eine Mutation dafür gesorgt, dass einige Menschen auch als Erwachsene Milchzucker vertragen. Und das hat in Hungersnöten und kalten Wintern ihr Überleben gesichert.

Milch ist ein Grundnahrungsmittel?

Hier in Deutschland stimmt das - noch. Denn etwa drei Viertel der Weltbevölkerung sind laktoseintolerant und zeigen, dass wir Menschen uns auch anders ernähren können. Milch gehört aber seit Jahrtausenden zu unserer Esskultur und stellt seitdem unsere Grundversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen sicher: unter anderem mit Calcium, Eiweiß, B-Vitaminen und Jod. Und doch müssen wir längst nicht mehr Milch trinken, um uns ausgewogen zu ernähren. Unser Milchkonsum nimmt bereits seit Jahren leicht ab.

Die Kritik an der Milchproduktion

Die meiste Milch stammt von Hochleistungskühen. Ihre Produktion beeinflusst die Umwelt, weil sie viel Wasser verbraucht, viel Land beansprucht und hohe Treibhausgasemissionen verursacht.

Die Verbraucherorganisation foodwatch fordert eine Halbierung der Milchvieh-Haltung in Deutschland. Im sogenannten "Milchmärchen"-Report kritisiert foodwatch irreführende Klimawerbung der Milchindustrie.

"Durch Umstieg auf pflanzliche Milch-Alternativen und Renaturierung von Futter- und Weideflächen könnten Emissionen in der Größenordnung von mehr als 10 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen reduziert werden", so foodwatch.

So geht es den Milchbauern in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Im Moment ist bei den Milchbauern weder Krisenstimmung, noch Jubellaune angesagt, sondern irgendwas dazwischen. Der Landesbauernverband Baden-Württemberg bezeichnet die Lage als "relativ zufriedenstellend". Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau teilte auf Anfrage mit, die wirtschaftliche Situation sei "soweit in Ordnung".

Die Landwirte können mit dem aktuellen Milchpreis von derzeit um die 50 Cent pro Liter ganz gut leben. Die Einnahmeseite stimmt also. Allerdings haben sie auf der andern Seite derzeit auch hohe Ausgaben. Zum Beispiel weil die Energiekosten so hoch sind. Und das ergibt dann ein Ergebnis, bei dem sich positive und negative Effekte ganz gut ausgleichen.

Bedeutung der Milchviehwirtschaft im Südwesten

In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr 2024 rund 300.000 Milchkühe in den Ställen oder auf den Weiden gezählt. Damit liegt das Land auf Platz fünf aller deutschen Bundesländer. Allerdings geht die Zahl der Tiere seit Jahren zurück. Und auch die Höfe, die noch Milchkühe halten, werden immer weniger. Ihre Zahl ist in den letzten 15 Jahren um über die Hälfte gesunken. Allerdings werden die Höfe, die übrig bleiben, immer größer und halten immer mehr Tiere.

In Rheinland-Pfalz spielt die Milchviehhaltung keine große Rolle. Bei der Anzahl der Milchkühe liegt man im Vergleich aller 16 Bundesländer im letzten Drittel. Etwa 90.000 Tiere waren im vergangenen Jahr 2024 in den Ställen oder auf den Weiden, vor allem im Hunsrück, Taunus, Eifel und Westerwald.

Der Internationale Tag der Milch

Ins Leben gerufen wurde der Weltmilchtag von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Internationalen Milchwirtschaftsverband (IDF). Schon 1958 entstand der Beschluss der Milch einen Ehrentag zu widmen, aber erst 2001 einigten sich die zuständigen Organisationen auf einen festen Tag.

Schon zuvor haben viele Länder im Juni den Welttag der Milch gefeiert, deshalb fiel die Entscheidung letztendlich auf den 1. Juni. Mittlerweile finden Veranstaltungen in über 40 Ländern weltweit statt.

Medizin Neue Studie: Schadet Milch unserem Herzen?

Ein hoher Milchkonsum kann bei bestimmten Personengruppen die Entwicklung von Herzkrankheiten begünstigen. Zu diesem überraschenden Ergebnis kam eine große schwedische Studie.

Impuls SWR Kultur

Bestand in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz geht zurück Foodwatch: Anzahl der Milchkühe halbieren für den Klimaschutz

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert, die Anzahl der Milchkühe in Deutschland zu halbieren. Nur so könnten die Klimaziele erreicht werden.

SWR Aktuell am Mittag SWR Aktuell