Weltvegetariertag am 1. Oktober

Klimaschutz egal? Warum gerade wieder öfter Fleisch auf den Teller kommt

Jahrelang sank der Fleischkonsum in Deutschland, jetzt steigt er wieder etwas. Wie klimafreundlich essen Vegetarier und Veganer? Und was bringt Flexitarismus?

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Von Autor/in Sabine Schütze

Fleischverzicht und Klimaschutz: Wie viel CO2 können wir einsparen?

Nach Jahren des Rückgangs steigt der Fleischkonsum in Deutschland wieder leicht an. Doch was bedeutet das für den Klimaschutz? Die Produktion tierischer Lebensmittel ist bekanntlich ein großer Treiber von Treibhausgasen. Vegetarische und vegane Ernährungsweisen gelten als klimafreundlich - aber wie groß ist der Unterschied wirklich? Und warum greifen wieder mehr Menschen zu Steak und Wurst?

Vegetarisch lebende Menschen können ihren Klimafußabdruck bei der Ernährung um fast 50 Prozent reduzieren. Vegan lebende Menschen sparen sogar noch mehr Treibhausgase. Der Grund: Die Produktion pflanzlicher Lebensmittel verursacht nur rund 30 Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zu tierischen Produkten. Besonders die Viehwirtschaft ist ein Problem, da sie riesige Flächen für den Anbau von Futtermitteln benötigt und rund ein Fünftel unserer CO2-Emissionen verursacht.

Warum Käse und Milchprodukte nicht unschuldig sind

Nicht nur Fleisch, sondern auch Milchprodukte wie Käse belasten das Klima stark. Die Herstellung von Käse verursacht ähnlich viel Treibhausgas wie Schweinefleisch. Gerade bei Vegetariern, die oft auf Käse und Eier zurückgreifen, bleibt die Klimabilanz daher hinter der veganen Ernährung zurück. Dennoch sparen Vegetarier und Veganer in Deutschland jedes Jahr mindestens 6,5 Millionen Tonnen CO2 im Vergleich zu Mischköstlern.

Darum steigt der Fleischkonsum wieder

Nach einer Phase, in der Fleischverzicht als "revolutionär" galt, scheint sich eine gewisse Normalität eingestellt zu haben. Kein Fleisch zu essen ist kein Aufreger mehr. Essen ist ein emotionales Thema, geprägt von Vorlieben und Traditionen. Dazu kommt, dass Klimaschutz derzeit politisch nicht das populärste Thema ist.

Wir sind beim pflanzenbasierten Ernährungsstil gerade wieder auf dem Boden der Realität gelandet. Und das, obwohl Fleischverzehr neben dem Einfluss auf unser Klima auch noch den ethischen Aspekt der Massentierhaltung und des Tierleids hat. - Trotzdem ist so eine Delle zunächst völlig normal und kein Indiz dafür, dass wir jetzt alle wieder mehr Fleisch essen. Vielmehr stagniert der Trend, und der Wandel hin zu weniger Fleischkonsum wird langsamer.

Weniger Fleisch: Flexitarismus als realistische Lösung

Muss man also komplett auf Fleisch verzichten, um das Klima zu schützen? Nicht unbedingt. Schon eine flexitarische Ernährung - also den Fleischkonsum auf ein bis zwei Mahlzeiten pro Woche zu reduzieren - hätte enorme Effekte. So könnten in Deutschland fast 25 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Schon kleine Veränderungen im Alltag machen einen Unterschied: Wer einmal einen Hamburger durch ein Linsencurry oder Spaghetti mit Tomatensauce ersetze, spart fast 1,5 Kilo CO2, so der WWF in seiner Studie "Das große Fressen". Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt das bei einer Mahlzeit pro Woche bereits 73 Kilo weniger CO2.

Fazit Fleischverzicht: Kleine Schritte, große Wirkung

Auch wenn der Fleischkonsum in Deutschland derzeit wieder leicht steigt, das bedeutet nicht, dass der Trend zu mehr Klimabewusstsein vorbei ist. Flexitarismus, Vegetarismus und Veganismus bieten alle Potenzial, den CO2-Ausstoß zu reduzieren - und das ohne radikale Umstellungen. Jeder kleine Schritt zählt, sei es durch bewusste Entscheidungen beim Einkaufen oder durch den Austausch von Fleischgerichten gegen pflanzliche Alternativen.

Fleisch essen – ja oder nein?

Worauf achten Vegetarier beim Einkauf im Supermarkt? Wir fragen Leute auf der Straße nach ihrem Essverhalten. Film für Deutsch als Fremdsprache.

Planet Schule: Aha! - Fleisch essen: Ja oder nein? WDR Fernsehen