Grüner Tee gilt als wahres Wundermittel: Er soll Energie liefern und Krankheiten wie Herzinfarkt oder Krebs vorbeugen. Matcha-Bars und Grünteeextrakt als Nahrungsergänzungsmittel boomen. Was ist dran an den Versprechen rund um grünen Tee?
Grüner Tee, Matcha – was ist der Unterschied?
Als grüner Tee wird der Aufguss der Blätter der Teepflanze Camellia sinensis, eine Kamelienart, bezeichnet.
Grüner Tee gilt als die älteste bekannte Teesorte. Schon vor etwa 5.000 Jahren soll er in China entdeckt und wegen seiner belebenden Wirkung als Heilmittel genutzt worden sein.
Buddhistische Mönche setzten den Tee später auch als Medizin zur Entgiftung ein. Sie waren es, die den Tee nach Japan brachten. Aus der japanischen Teekultur ist er nicht mehr wegzudenken.
Während beim grünen Tee der Aufguss der Blätter getrunken wird, verwendet man bei Matcha das gesamte pulverisierte Blatt.
Um den Chlorophyllgehalt der Blätter zu erhöhen, werden die Pflanzen drei bis vier Wochen vor der Ernte beschattet. Die Ernte erfolgt von Hand, danach werden die Blätter bedampft und zu Pulver gemahlen. Dieses grüne Pulver wird dann für den Matcha-Teegenuss direkt in Flüssigkeit aufgelöst.
Grüner Tee und Matcha: die Inhaltsstoffe
Grüner Tee enthält Koffein. Darüber hinaus Kohlenhydrate, Vitamine, Antioxidantien und Mineralstoffe und Spurenelemente wie:
- Calcium,
- Kalium,
- Zink und
- Fluor.
Ihre Mengen können je nach Herkunft und Zubereitung des Tees variieren.
Zudem enthält Grüner Tee L-Theanin – eine Aminosäure, die beruhigend wirken kann.
Darüber hinaus enthält grüner Tee Polyphenole und Catechine – sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung. Vor allem dem Catechin Epigallocatechingallat (EGCG) werden gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben: Es kann Zellen schützen, indem es Radikale bindet.
Da grüner Tee nur die wasserlöslichen Bestandteile der Blätter enthält, ist der Nährstoffgehalt insgesamt geringer als beim Matcha, bei dem die Blätter pulverisiert verzehrt werden.
Grüner Tee und Matcha: Wieviel Koffein ist enthalten und wie wirkt es?
In einer Tasse Matcha-Tee ist ungefähr so viel Koffein enthalten wie in einem Espresso (ca. 30-90 mg Koffein pro Tasse). Allerdings wird es langsamer freigesetzt als in einer Tasse Kaffee. Denn es ist an andere Naturstoffe gebunden.
- Matcha enthält deutlich mehr Koffein als grüner Tee in Form eines Aufgusses – bis zu viermal so viel.
- Kaffee sorgt für den schnellsten Energieschub – der oft schon nach ein bis zwei Stunden wieder nachlässt.
- Schwarzer Tee wirkt gleichmäßiger und hält länger an.
- Am ausdauerndsten ist grüner Tee: Er macht weniger stark wach, wirkt dafür aber über mehrere Stunden. Viele empfinden diese Wirkung als angenehmer – sie ist individuell allerdings verschieden.
Grüner Tee und Matcha: Heilwirkung
Grünem Tee werden zahlreiche positive Eigenschaften zugeschrieben – etwa für die Herzgesundheit, das ganze Herz-Kreislauf-System, für die Gewichtsabnahme oder sogar zur Krebsvorbeugung soll er gut sein – eindeutig belegt ist das allerdings nicht.
Tee hat ungefähr 4.000 verschiedene Chemikalien in nennenswerten Mengen. Und wir kennen davon vielleicht eine Handvoll, von denen wir wissen, was machen die in bestimmten Situationen. Von den wenigsten wissen wir wirklich, was positive und was negative Wirkungen sind.
Catechine in grünem Tee: Positive Wirkung?
In Zellkulturexperimenten konnte gezeigt werden, dass die in grünem Tee enthaltenen Catechine eine antioxidative Wirkung haben, das heißt, sie könnten verhindern, dass wir Alterungsprozessen so stark ausgesetzt sind.
Vielen Dingen, die antioxidativ wirken, werden positive Wirkungen auf diverse Erkrankungen nachgesagt, weil in vielen Schädigungen und Krankheiten Sauerstoff eine Rolle spielt – dabei geht es vor allem um Sauerstoffradikale, sozusagen ein Rosten innerhalb des Körpers – was durch die Catechine beeinflusst werden soll.
Dass tatsächlich Krebs und anderes dadurch positiv beeinflusst werden kann, dafür gebe es leider bislang nur wenig Belege, meint Prof. Thomas Hartung, Toxikologe und Pharmakologe an der Johns-Hopkins-Universität Baltimore. Im Gegenteil: ein Zuviel könnte gesundheitsschädlich wirken.
Wie gesund ist Grüntee in Kapseln
Denn die Leber reagiere sehr empfindlich, wenn die eigene Verarbeitung von Stoffen wie den Catechinen behindert werde, so Hartung. Große Mengen könnten die Leber schädigen.
Problematisch könnten vor diesem Hintergrund hochdosierte Grüntee-Extrakte in Kapseln sein, die für viele als Wundermittel gelten.
Bis ungefähr 800 Milligramm am Tag sei das nicht zu erwarten. Das entspricht etwa drei bis fünf Tassen grünem Tee. Wichtig zu wissen: Matcha ist ungefähr doppelt so stark. In Kapselform ist die Menge unter Umständen noch höher.
Grüner Tee: Die richtige Dosierung und Zubereitung
Wie bei vielem kommt es also auf die richtige Menge an. Die richtige Dosierung von grünem Tee: etwa einen Teelöffel Tee auf 200-250ml Wasser.
Grünen Tee nicht mit kochendem Wasser übergießen, das kann ihn bitter machen. Die richtige Wassertemperatur ist hier wichtig: 70 bis 80 Grad genügen.
Die richtige Ziehzeit beträgt ein bis drei Minuten, nicht länger, weil sonst der grüne Tee bitter wird.