Mentale Gesundheit

Wie Hoffnung uns hilft, Krisen zu meistern

Wie sehr uns Hoffnung in Krisenzeiten helfen kann, zeigt eine neue Studie. Tipps für einen hoffnungsvolleren Alltag finden Sie hier.

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Von Autor/in Sabeth Kalthoff

"Die Hoffnung stirbt zuletzt" - und doch hat die Wissenschaft sie lange unterschätzt. Eine Studie aus den USA und China hat nun gezeigt: Hoffnung ist zentral für unser Wohlbefinden. Sie trägt dazu bei, dass wir in unserem Leben Sinn empfinden. Und wer Sinn im eigenen Leben sieht, ist bekanntlich mental stabiler, gesünder – und kommt besser durch schwierige Zeiten. 

Hoffnung wichtig für Lebenssinn und Meisterung von Krisen

In der Studie wurde an rund 2.300 Teilnehmenden untersucht, wie sich Hoffnung im Vergleich zu anderen Emotionen auf den gefühlten Lebenssinn auswirkt. Das Ergebnis: Hoffnung erwies sich als der wichtigste Faktor für das Empfinden von Lebenssinn.  

Wieso das so ist, weiß Andreas Krafft. Er ist Professor für Positive Psychologie an der Hochschule St. Gallen und erforscht, wie sich Hoffnung und Zuversicht auf das Leben von Menschen auswirken:

"Es sind unsere Wünsche und Vorstellungen und Erwartungen an die Zukunft, die uns nach vorne ziehen. Also es hat einen stärkeren Einfluss dessen, was wir uns für unsere Zukunft vornehmen, als das, was wir in der Vergangenheit erlebt haben." 

Mann sitzt glücklich im Lotussitz auf dem Rasen. Hoffnung ist laut einer neuen Studie der wichtigste Faktor für das Empfinden von Lebenssinn.
Hoffnung ist laut einer neuen Studie der wichtigste Faktor für das Empfinden von Lebenssinn.

Dankbarkeit verschafft mehr Hoffnung bei Krisen

Doch wie gelingt es, im Alltag hoffnungsvoll zu bleiben – trotz all der Krisen?  

Für den Hoffnungsforscher Andreas Krafft beginnt das mit einer inneren Haltung – genauer gesagt mit Dankbarkeit:  

"Und darum sage ich, seien wir uns dessen bewusst, dass es auch viele gute Dinge gibt in unserem Alltag und werden achtsamer für die guten Dinge. Sei es persönliche Begegnungen, sei es persönliche Erlebnisse oder was man auch selber erschaffen hat."

Blick in die Vergangenheit kann helfen, wieder Hoffnung zu bekommen

Dafür kann der Blick in die Vergangenheit manchmal auch helfen: vor allem dann, wenn wir uns bewusst machen, welche guten Dinge uns bereits widerfahren sind. 

"Aus diesem Fokus oder aus diesem Bewusstsein heraus fällt es leichter, dann positiver in die Zukunft zu schauen", so Krafft.

Das Zentrum für Integrative positive Psychologie in Innsbruck empfiehlt außerdem zwei Dinge:

  1. Erkenntnis sei der erste Schritt zur Besserung. Wir müssten unsere Schwächen und Unvollkommenheiten akzeptieren, damit wir uns verändern können.
  2. Wir sollten uns bewusst mit Menschen umgeben, die uns gut tun

Gemeinsames Handeln erzeugt kollektive Hoffnung

Und wenn wir mit diesen Menschen gemeinsam handeln, um aktuellen Krisen und Problemen entgegenzuwirken – dann entsteht kollektive Hoffnung. Und mit ihr das Gefühl, den großen Problemen der Welt nicht machtlos gegenüberzustehen, so Andreas Krafft: 

"Und das führt dann dazu, dass eben NGOs entstehen oder Vereine oder Institutionen, Hilfswerke entstehen, wo Menschen gemeinsam ein Ziel haben, eine Hoffnung haben, etwas verändern zu wollen und zu können." 

Denn, anders als die individuelle Hoffnung, greift kollektive Hoffnung noch viel tiefer: 

"Und dort eben dieses Phänomen des Vertrauens und des Glaubens noch stärker ausgeprägt sein muss und auf einer anderen Ebene wirkt, als nur auf der Ebene meiner persönlichen Wünsche und individuellen Hoffnungen." 

Denn kollektive Hoffnung schafft Handlungsspielräume – und kann helfen, dem ein oder anderen Problem etwas entgegenzusetzen. 

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Sabeth Kalthoff
Onlinefassung
Ralf Kölbel
Ralf Kölbel, Online-Redakteur bei SWR Wissen aktuell sowie Redakteur bei Redakteur bei SWR Kultur DAS Wissen.