Behandlungen in sogenannten Kryokammern gehören zu den eher exotischen Gesundheitsangeboten. Werbeversprechen gibt es viele: Kältetherapie soll gegen Müdigkeit, Erschöpfung, Depressionen, beginnende Demenz und schwindende Libido helfen, beim Abnehmen unterstützen, das Immunsystem stärken, die Haut straffen und sogar die Leistung von Sportlerinnen und Sportlern steigern.
Doch die wissenschaftliche Studienlage zur Ganzkörperkältetherapie ist deutlich zurückhaltender.
- Was ist eine Kryokammer?
- Was passiert in der Kryokammer im Körper?
- Wie gut ist die Studienlage zur Kältetherapie?
- Wann kann eine Kryokammer sinnvoll sein?
Was ist eine Kryokammer?
Bei der Kryokammer geht es um Ganzkörperkältetherapie. Es gibt beispielsweise Kammern für eine Person, die aussehen wie ein Fass, aus dem oben der Kopf herausschaut. Andere Kältekammern erinnern eher an eine Sauna - nur eben mit extrem niedrigen Temperaturen.
In der Regel verbringen Nutzerinnen und Nutzer etwa zwei bis vier Minuten in der Kammer, meist in Badekleidung. Manche Anbieter arbeiten mit Vorkammern bei minus 10 und minus 60 Grad, um den Körper stufenweise an die Kälte zu gewöhnen. In der eigentlichen Kryokammer herrschen dann typischerweise minus 110 bis minus 160 Grad.
So extrem diese Temperaturen klingen: Weil die Luftfeuchtigkeit in der Kryokammer nahezu bei null Prozent liegt, wird die Kälte oft nicht als so extrem empfunden. Ein Bad im kalten Tauchbecken nach der Sauna kann sich im Vergleich kälter anfühlen.
Was passiert in der Kryokammer im Körper?
Drei Minuten bei minus 110 Grad sind ein sehr starker Reiz für den Körper. Einige Wirkungen lassen sich daher auch physikalisch gut erklären. Vor allem verringert sich die Durchblutung in der Körperperipherie, also in den äußeren Bereichen des Körpers. Die Kälte bewirkt, dass sich dort die Blutgefäße zusammenziehen.
Zugleich aktiviert Kälte das vegetative Nervensystem über Rezeptoren in der Haut. Der Körper kann dadurch in eine Art Kampf-oder-Flucht-Modus geraten. Kälte wirkt hier als Stressreiz: Stresshormone werden ausgeschüttet, Herzfrequenz und Blutdruck können vorübergehend ansteigen.
Das kann kurzfristig ein Gefühl von Wachheit und geistiger Frische auslösen. Darin liegt vermutlich ein Grund, warum manche Menschen die Kryotherapie als positiv empfinden. In einigen Studien wurde außerdem beobachtet, dass entzündungshemmende Substanzen ausgeschüttet werden.
Wie gut ist die Studienlage zur Kältetherapie?
Bei langfristigen Effekten und der medizinischen Wirksamkeit der Kältetherapie ist die Studienlage dünn. Viele Studien haben nur wenige Teilnehmende und sind deshalb statistisch kaum aussagekräftig. In anderen Untersuchungen wurden zusätzlich Physiotherapie oder weitere Behandlungen parallel zur Kryokammer eingesetzt. Dadurch lässt sich nicht eindeutig sagen, ob ein Effekt tatsächlich auf die Kältetherapie zurückgeht.
Für eine hochwertige Studie bräuchte es neben den behandelten Patientinnen und Patienten eigentlich eine Kontrollgruppe mit Placebo-Behandlung. Das ist eine “Scheinbehandlung”: Man bekommt etwas, das wie eine echte Therapie aussieht, aber keine direkte medizinische Wirkung hat. Das könnte etwa eine Zuckerpille statt eines Medikaments sein.
Genau das ist bei Kryokammern aber schwierig: Wie soll eine Kältekammer vorgetäuscht werden? Belastbare Beweise für einen anhaltenden medizinischen Effekt der Ganzkörperkältetherapie gibt es daher bisher nicht.
Wann kann eine Kryokammer sinnvoll sein?
Viele Lifestyle- und Fitness-Versprechen rund um Kryokammern stehen also wissenschaftlich auf sehr wackeligen Füßen. Das gilt auch für angebliche Hilfe bei psychischen Problemen.
Anders sieht es bei Rheuma und anderen entzündlichen Erkrankungen aus. Dort gibt es Hinweise, dass Patientinnen und Patienten von der Kältetherapie profitieren können - auch in der Schmerzbehandlung. Selbst wenn ein Teil der Wirkung auf einem Placebo-Effekt beruhen sollte, kann sie Betroffenen spürbar helfen.
Bei einigen Anwendungen, so etwa bei Rheuma, übernehmen Krankenkassen deshalb unter Umständen einen Zuschuss zur Therapie. Das muss aber im Einzelfall mit der jeweiligen Krankenkasse geklärt werden.