Naomi ist unsere Testerin und möchte ein polizeiliches Führungszeugnis beantragen – nicht vor Ort, sondern online. Dafür braucht sie ein Bund-ID-Konto. Was genau das ist, findet sie zunächst über ein Erklärvideo heraus. Klar wird: Hinter der digitalen Identität steckt mehr, als man auf den ersten Blick denkt.
Was ist die Bund ID eigentlich?
Kurz gesagt: ein zentrales Nutzerkonto für digitale Verwaltungsleistungen. Je nach Sicherheitsstufe kann man sich mit dem Online-Ausweis, einer EU-Identität, dem Elster-Zertifikat oder einfach per Benutzername und Passwort anmelden. Klingt erstmal praktisch – aber auch ein bisschen kompliziert. Denn nicht jede Anwendung braucht das gleiche Sicherheitslevel: Die Regeln für einen Elterngeldantrag sind zum Beispiel nicht so streng wie für ein polizeiliches Führungszeugnis.
Die Bund ID in Zahlen
- Im Januar 2025 waren rund 5,3 Millionen Nutzerinnen und Nutzer bei der Bund ID registriert
- Die Bund ID ist bereits in über 1.200 Online-Dienste und Portale integriert
Der User Experience Test: Überzeugt die Oberfläche?
Naomi probiert es aus – doch schon nach dem Erklärvideo ist klar: Die Benutzerfreundlichkeit lässt zu wünschen übrig.
„Wenn man ein Erklärvideo braucht, ist die Anwendung eigentlich durchgefallen.“
Der Knackpunkt: Zwischen Fachsprache der Verwaltung und technischer Umsetzung fehlt oft die verständliche Gestaltung für Nutzerinnen und Nutzer. Das führt dazu, dass sich viele erstmal lange orientieren müssen, bevor sie verstehen, wie alles funktioniert.
Naomis Fazit: Einmal durchkämpfen, dann wird’s einfacher
Der Weg zum Führungszeugnis war für Naomi nicht gerade selbsterklärend: Die Registrierung dauerte, und es gab viele kleine Hürden. Schon das Einrichten der Ausweis-App war nicht ganz ohne. Nachdem Naomie sie auf dem Handy installiert hat, stellt sich heraus: Für den Antrag braucht sie die App zusätzlich auch auf dem Computer. Weiter geht’s zur Website des Bürgeramts – dort will sie das Führungszeugnis beantragen, wird aber auf die Seite des Bundesamts für Justiz weitergeleitet. Dort angekommen, muss sie sich erneut ausweisen, bevor der Antrag endlich abgeschickt ist.
Aber: Wer die Einrichtung einmal hinter sich hat, kann künftige Anträge deutlich schneller erledigen. Vor allem der Komfort, nicht mehr persönlich zur Behörde zu müssen, überzeugt. Alles in allem eine sinnvolle, wenn auch anfangs etwas sperrige Lösung.
Digital heißt nicht nur bequem, sondern oft auch günstiger
Ein weiterer Vorteil der Bund-ID: Sie spart nicht nur Zeit, sondern manchmal auch Geld. Ein Beispiel aus einer Kommune: Eine klassische KfZ-Abmeldung kostet 16,50 Euro – digital nur 2,70 Euro. Wer den Online-Weg geht, kann also auch finanziell profitieren.
Aber wie sicher ist das alles?
IT-Sicherheitsexperte Daniel Leisegang warnt allerdings vor potenziellen Schwachstellen – besonders, wenn jede Kommune ihre eigene digitale Lösung an die Bund-ID koppelt: “Entsprechend groß ist das Potenzial, dass es dort Lücken gibt, Sicherheitslücken gibt, auf die dann Cyberkriminelle, Dritte, die dort andere Absichten haben, zugreifen können und dann eben Daten herausfischen können."
Ein zentrales Postfach-System mit sensiblen Daten wird schnell zum attraktiven Ziel für Hacker. Und 100 Prozent Sicherheit? Gibt es leider nicht.
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Bund ID wird künftig zur Deutschland ID
Der Bund will die Digitalisierung von Verwaltungsakten schneller und stärker durchsetzen. Darum erhält die Bund ID bald ein Upgrade: Die Deutschland ID. Technisch setzt man dabei nicht auf komplett neue Lösungen, sondern nutzt Altbewährtes. Ein großer Pluspunkt soll das digitale Postfach sein: Darüber sollen Bescheide sicher zugestellt und Nachrichten direkt zwischen Bürgern und Behörden hin und her geschickt werden können. Bei der Bund ID funktioniert der Austausch bislang einseitig. Heißt: Die Behörde kann den Bürgerinnen Schreiben ans digitale Postfach schicken, aber die können nicht direkt über das System antworten. Genau das soll sich mit der Deutschland ID ändern. Und auch beim Datenschutz legt man nach – mit der Standardisierung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sollen sensible Daten noch zuverlässiger geschützt werden. Wann genau die Bund-ID zur Deutschland ID wird, steht allerdings noch nicht fest.
Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung
An der Bund-ID führt wohl kein Weg vorbei, wenn der Staat digitaler werden soll. Noch ist nicht alles perfekt – besonders bei der Nutzerfreundlichkeit gibt es noch Nachholbedarf. Aber: Wer erstmal sein Konto hat, kann damit Zeit und Geld sparen.