Krankenkassenbeiträge steigen schon wieder
Lücke in der Kasse: "Außergewöhnliche Zeiten"
Vertreten werden die Krankenkassen auf Bundesebene vom GKV-Spitzenverband. Laut GKV erhöhen ab Juli 2025 mindestens sechs Kassen die Zusatzbeiträge. Schon in den Monaten zuvor hatte es Anhebungen gegeben.
Es ist sehr ungewöhnlich, dass Krankenkassen im Laufe des Jahres ihren Beitragssatz erhöhen. Das machen sie nur dann, wenn es wirklich nicht anders geht.
Der Sprecher vom Spitzenverband Florian Lanz nennt es "außergewöhnliche Zeiten": Die Kassen müssten mehr Geld ausgeben für Kliniken, Arzneimittel und Ärzte, als sie über die Beiträge der Versicherten einnehmen würden. Dazu habe die Politik sie gezwungen, ihre Rücklagen fast vollständig aufzulösen.
"Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gewachsen"
Die Kritik, dass Versicherte für immer höhere Beiträge immer weniger bekommen würden, kann der Pressesprecher nicht bestätigen. Er findet, dass das Gegenteil der Fall ist. Es würden mehr Leistungen angeboten.
Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen ist in den letzten 20 Jahren ausschließlich gewachsen. Es sind keinerlei Leistungen gestrichen worden, es sind im Gegenteil Leistungen hinzugekommen. Was wir aber sehen, sind - zum Beispiel - das Ärgernis von den Wartezeiten insbesondere bei niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten.
Betrachtet Florian Lanz die allgemeinen Beitragssätze und Zusatzbeiträge zusammen, würden gesetzlich Versicherte bundesweit im Schnitt 17,5 Prozent zahlen, bezogen auf ihr Bruttogehalt. Das sei ein Allzeithoch.
Sonderkündigungsrecht bei Erhöhung des Zusatzbeitrages
In Hessen würden die Beiträge beispielsweise zwischen 16 und 19 Prozent betragen, so Verbraucherschützerin Silke Möhring. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen in der Regel jeweils die Hälfte.
Wenn die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhöht, habe ich als Versicherte ein sogenanntes Sonderkündigungsrecht, das kann ich der Kasse gegenüber erklären, bis zum Ende des Monats, in dem der erhöhte Beitrag erstmals verlangt werden soll.“
Zwei Monate nach der Erhöhung könnten Betroffene die Kasse wechseln. So einen Wechsel sollten sich Verbraucher laut Silke Möhring gut überlegen. Neben den Beiträgen sollten die Versicherten dabei die Leistungen einer Kasse im Blick haben, denn auch da kann es große Unterschiede geben.
Ab Juli 2025 erhöhen folgende Versicherungen ihre Zusatzbeiträge:
- Securvita: Erhöht von 3,2 auf 3,9 Prozent
- BKK Technoform: Erhöht von 2,49 auf 3,49 Prozent
- BKK BMW: Erhöht von 2,9 auf 3,9 Prozent
- BKK PwC: Erhöht von 2,08 auf 2,4 Prozent
- Merck BKK: Erhöht von 3,2 auf 3,97 Prozent
- Karl Meyer BKK: Erhöht von 2,9 auf 3,39 Prozent
(Quelle: Finanztip)
Entlastung der Krankenversicherung
Die Bundesregierung will die Krankenversicherung laut dem Haushaltsentwurf vom Juni 2025 mit zinsfreien Krediten um 5,6 Milliarden Euro entlasten. Das wird aber noch nicht reichen, um weitere Erhöhungen Anfang 2026 zu vermeiden, meint das Gesundheitsministerium. Auch die Soziale Pflegeversicherung (kurz SPV) soll ein Darlehen bekommen.
Ich bin mir mit dem Bundesfinanzminister einig, dass wir Beitragserhöhungen verhindern müssen, um den Wirtschaftsaufschwung nicht zu gefährden. Mit den zugesagten Darlehen für die GKV und SPV wird das kaum gelingen. Außerdem werden mit Darlehen die Probleme von GKV und SPV nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.
Deshalb will die Bundesgesundheitsministerin die aktuellen Nothilfen mit Strukturreformen begleiten. Zwei Kommissionen sollen schnellstmöglich Ergebnisse vorlegen, um mittel- und langfristige Lösungen zu finden.