Marktcheck checkt Bauhaus

Bauhaus: Wie gut ist der Baumarkt wirklich?

In diesem Jahr feiert Bauhaus 65. Geburtstag. Wir schauen: Wie gut ist Bauhaus im Vergleich zu anderen Baumärkten bei einigen Produkten - und beim Service?

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Von Autor/in Anne-Kristiane-Jensen, Malte Wilms, Carmen Brehme / Marktcheck checkt... MDR

Der Baumarktriese Bauhaus wirbt mit dem Slogan "Wenn´s gut werden muss". Inzwischen ist Bauhaus dem Umsatz nach tatsächlich die größte Baumarktkette in Deutschland, Mitbewerber Obi steht seit dem Jahr 2023 nur noch auf Platz zwei.

Aber wie schneidet Bauhaus in punkto Preis und Qualität im Vergleich zu anderen Baumärkten bei Produkten wie Blumenerde, Fassadenfarbe oder Schwerlastregalen ab? Marktcheck checkt Bauhaus:

1. Check: Schwerlastregale im Vergleich

Wir prüfen als erstes, ob Schwerlastregale tragen, was die Baumärkte versprechen. Wir nehmen baugleiche Modelle von Obi, Hornbach, Toom und Bauhaus. Die Maße sind gleich und jedes soll mit 1.000 Kilogramm, gleichmäßig verteilt auf vier Regalböden, beladen werden können.

Wir bestellen die Produkte online: Bauhaus liefert am schnellsten. Nach drei Tagen ist das Paket da. Abzug gibt es für den Preis:

  • Das Bauhaus-Regal der Eigenmarke „Regalux“ ist mit 104,85 Euro (davon 29,90 Euro Lieferkosten) am teuersten.
  • Bei Obi und Toom bezahlen wir insgesamt jeweils 94,94 Euro (29,95 Euro Lieferkosten bei Obi, 19,95 Euro bei Toom).
  • Hornbach ist mit rund 74,95 Euro bei unserem Test deutlich am günstigsten. Dort fallen wegen eines Sonderangebotes aber auch keine Lieferkosten an.

Platz 1 geht klar an Hornbach - und damit das einzige Regal im Check, das nicht zusammenbricht. Platz zwei belegt Toom, da ist bei 900 Kilogramm Schluss. Das Modell von Obi gibt bei 700 Kilogramm auf und Bauhaus bei 500 Kilogramm. Drei Regale haben die versprochene Last also nicht tragen können.

"Regalux"-Schwerlastregal von Bauhaus durchgefallen: Was sagen die Hersteller?

Ein zusammenbrechendes Regal stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Nutzer dar. Wir haben die Hersteller damit konfrontiert. Bauhaus verweist auf einen Bericht der unabhängigen Prüfstelle FCBA, einem französischen Institut. Dort sei das Regal sogar mit 1,2 Tonnen belastet worden. Bauhaus überprüft das Regal aber im eigenen Testlabor selbst noch einmal.

„Sicherheit geht vor“, betont Robert Köhler, Leiter der Marketingkommunikation bei Bauhaus, gegenüber Marktcheck checkt. Den nochmaligen Labortest hat das Regal demnach bestanden. Da wurde es aber an der Wand fixiert. Das steht in der Bedienungsanleitung jedoch nicht als Muss, sondern nur als Empfehlung. Material zur Wandbefestigung liegt auch nicht bei. „Das können wir ohne Probleme verbessern - im Sicherheitsdatenblatt und vielleicht mit einem expliziten wörtlichen Hinweis auf der Installationsanleitung“, verspricht Köhler.

Bauhaus-Filiale mit großem Bauhaus-Schriftzug in rot von außen. Wie gut ist der Baumarkt Bauhaus?
Das Bauhaus- Regal „Regalux“ (Bauhaus) ist bei 50 Prozent (500 kg) der angegebenen Höchstlast (4 Böden x 250 kg) eingestürzt. Um die Belastungsgrenze zu ermitteln, wurden die Regalböden mit 25-Kilogramm-Salzsäcken beladen.

Obi betont, dass das Schwerlastregal über ein gültiges TÜV-Zertifikat verfügt, das Sicherheit und Eigenschaften des Regals bestätigt und weist auch auf eine Wandmontage hin. Diese wird in der Montageanleitung aber auch nicht vorgeschrieben. Toom hat sein Regal aus dem Sortiment genommen, „vorsorglich“ wie das Unternehmen gegenüber „Marktcheck checkt“ betont. „Um den Sachverhalt genau zu prüfen“, so das Unternehmen.

2. Check: Pflanzenerde: Bauhaus-Marke "Gardol" vorne mit dabei

Eine gute Blumenerde ist so wichtig wie ein grüner Daumen. Neben der Bauhaus-Eigenmarke „Gardol“ schauen wir uns mit Diplomgartenbau-Ingenieur Martin Krumbein noch vier weitere Produkte im 20-Liter-Beutel genauer an:

  • „Grow“ von Obi, „Floraself“ von Hornbach,
  • das Markenprodukt „Compo Sana“ und
  • die Bio-Erde „NeudoHum BlumenErde“ von Neudorff.

Die günstigste Erde im Check ist die von Hornbach für 5,99 Euro, dicht gefolgt von Obi mit 6,19 Euro und Bauhaus mit 6,49 Euro. Dann folgt Compo Sana für 8,99 Euro und weit abgeschlagen die Neudorff-Bio-Erde mit 14,99 Euro.

Ein Blick auf die Struktur der Erde zeigt Unterschiede. Aber der Experte ist mit der Beschaffenheit aller Kandidaten zufrieden. Doch wie gedeihen Pflanzen darin? Das testen wir acht Wochen lang mit Kohlrabi und Salat unter gleichen Bedingungen - bei Temperatur, Licht und Wasser. Es geht alles auf. Doch beim Wuchs gibt es deutliche Unterschiede.

Blumenerde unterscheidet sich bei den Nährstoffen

„Die Ursache sind Unterschiede in der Zusammensetzung der Substrate und die Inhaltsstoffe, also die Nährstoffe“, sagt Pflanzenexperte Krumbein. Er hat von allen fünf Erden auch Stichproben ins Labor gegeben. „Das Gravierendste war, dass die Nährstoffwerte sehr unterschiedlich waren. Insbesondere spielte da der Stickstoff eine große Rolle und der Mangel an Stickstoff war Hauptursache für das schwache Wachstum in den Substraten, die eben dieses Ergebnis gebracht haben.

Bauhaus erreicht in unserem Praxistest Platz drei, Compo Sana hat die Nase vorn und Floraself von Hornbach schafft es auf die zwei. Wobei die ersten drei Plätze sehr dicht beieinander liegen.

Die Erden von Obi und Neudorff landen auf den zwei letzten Plätzen. Sie enthalten auch weniger oder keinen Torf. Das ist umweltbewusst, aber man muss mehr und frühzeitig nachdüngen, rät der Experte. Dann können die Pflanzen genauso schnell wachsen. Das erklären auch die beiden Unternehmen auf „Marktcheck checkt“-Anfrage.

Wie gut ist die Blumenerde von Bauhaus? Marktcheck checkt den Baumarkt.
In welcher Erde wachsen die Pflanzen am besten? In unserem Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede.

3. Check: Fassadenfarbe „Swingcolor“ von Bauhaus überzeugt am meisten

Was hält die Fassadenfarbe von Bauhaus aus? Hier lassen wir eine Malermeisterin mit drüberschauen. Wir vergleichen die 10-Liter-Eimer

  • von Hornbachs universeller Fassadenfarbe (39,95 Euro),
  • Obi Fassadenweiß (42,99 Euro),
  • Swingcolor Fassadenfarbe von Bauhaus (43,95 Euro)
  • und Alpina Fassadenfarbe (54,99 Euro).

Beim Auftragen fällt der Expertin auf, dass die Bauhaus-Farbe etwas dünner ist, daher mehr tropft und beim Streichen kleine Spritzer auf dem Arm erzeugt.

Wie gut ist der Baumarkt Bauhaus?
Malermeisterin Maren Kogge hat die Fassadenfarbe unter gleichen Bedingungen getestet.

Welche Farbe deckt und hält am besten?

Um die Deckkraft zu testen, wird eine schwarze Platte mit weißer Farbe übermalert. Hier ist Bauhaus deutlicher Testsieger. Bei allen anderen drei sieht die Expertin gravierende Mängel bei Deckkraft und im nicht erreichten Weißgrad.

Beim Wetter-Härtetest rücken Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr für uns an - und halten mit dem Schlauch drauf, um Starkregen zu simulieren: 230 Liter prasseln in der Minute auf die Fassade. Alle Farben überstehen diesen Test unbeschadet. Dann wird hochgedreht und durch den Wasserdruck Unwetter nachgestellt. Auch das halten die Farben aus, ohne blass zu werden.

Feherwehrleute spritzen mit einem Feuerwehrschlauch auf eine weiß angestrichene Fläche. Wie gut ist die Fassadenfarbe vom Baumarkt Bauhaus?
Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr haben den Schlauch angeworfen für die Starkregen-Simulation.

4. Check: Wie gut ist die Kundenbetreuung?

Ein Produkt in den Regalen im Baumarkt zu suchen, kann schon etwas Nervenaufreibend sein. Bauhaus hat eine App für seine Kunden parat, die zeigt, wo die Produkte zu finden sind. Diese wird nach Bauhaus-Angaben auch von mehr als 400.000 Kunden monatlich genutzt.

Das hilft nicht nur vor Ort, sondern trägt auch zur Kundenbindung bei, wie Alexander Hennig, Professor für Volkswirtschaftslehre in Mannheim erklärt: „Das Smartphone ist die Möglichkeit, über die der Kunde und die Kundin häufig auf die Angebote im Internet zugreift. Das heißt, die Verbindung des stationären Einzelhandels mit Angeboten im Internet und über die App, ist ganz elementar, damit man den Kunden gewinnen und binden kann.“

Wir testen die App - und finden so fünf von uns dafür ausgewählte Produkte. Was sich aber auch gezeigt hat: Beim Service-Personal nach den Produkten fragen, kann eben doch noch schneller zum Ziel führen. Kompetent wurden uns auch die Fragen beim Farb-Anmisch-Service beantwortet – und genau der Farbton präsentiert, den wir auch haben wollten.

Preise im Baumarkt unterscheiden sich je nach Jahreszeit

Noch ein Service-Tipp zum Schluss: Wie immer lohnt sich, neben Sonderaktionen auch Preise zu vergleichen – auch innerhalb eines Marktes. Das Preisvergleichsportal billiger.de hat 700 Shops mit über 500.000 Produkten seit 2019 bis heute im Blick. Für Marktcheck checkt haben sie sich mehr als 50 Produkt-Kategorien genauer angeschaut, die man in Baumärkten wie Bauhaus kaufen kann.

Gartenmöbel, Grills und Pools zum Beispiel sind von Mai bis Juni teurer und von September bis Dezember wesentlich günstiger. „Der beste Monat ist tatsächlich der September“, rät Thilo Gans, der Geschäftsführer von billiger.de.

Baumärkte im Vergleich: Bauhaus war 2024 Marktführer

Bauhaus hatte 2024 mit einem Jahresumsatz von 4,4 Milliarden Euro unter den Baumarkt-Riesen die Nase vorn - und damit erstmals Obi als Marktführer von Bau- und Heimwerkermärkten in Deutschland abgelöst. Rund 160.000 Produkte werden den Kunden im Sortiment angeboten.

Bauhaus betreibt derzeit den größten Baumarkt Europas mit etwa 30.000 Quadratmetern in Frechen. Der Milliardenkonzern ist nicht nur die umsatzstärkste Do-it-Yourself-Marke, sondern auch die älteste. Und dieses Jahr feiert Bauhaus seinen 65. Geburtstag.

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