Alle unter 500 Euro

Günstige Siebträger-Maschinen im Test: Welche macht den besten Kaffee?

Für viele überzeugte Kaffee-Fans gibt es nur die Siebträger-Maschine - manche kosten sogar mehrere Tausend Euro. Machen auch Einsteiger-Modelle unter 500 Euro einen guten Espresso?

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Von Autor/in Michaela Krause

Für die einen tut’s die gute alte Filter-Kaffeemaschine, die anderen schwören auf den schnellen Kaffee aus dem Vollautomaten. Und dann gibt es noch die anspruchsvollen Genießer – für die geht nichts über eine Siebträger-Kaffeemaschine mit wenig Schnickschnack.

Schnell, unkompliziert, leicht bedienbar – all das sind Siebträgermaschinen nicht. Dafür sollen sie konkurrenzlos guten Kaffee liefern, haben allerdings auch ihren Preis.

Inzwischen gibt es aber Einsteigermodelle unter 500 Euro. Erfüllen auch sie die Erwartungen im Praxistest und im Labor?

Siebträger-Kaffeemaschinen: Macht die teure auch den besten Espresso?

Für echte Fans gehören zur Siebträger-Maschine die richtigen Bohnen, der richtige Mahlgrad, die richtige Menge - richtig festgedrückt mit dem Tamper. Daraus entsteht mit der richtigen Temperatur und dem richtigen Druck der Maschine ein richtig guter Espresso.

Fünf Siebträger-Maschinen ohne integriertes Mahlwerk stehen im Test der ARD-Verbraucher-Redaktion. Am wichtigsten ist der Geschmack des Kaffees, den sie produzieren. Aber auch Leistung und Sicherheit wurden im Labor untersucht.

Diese Siebträger-Maschinen treten gegeneinander an:

  • De'Longhi "Dedica Style" - für 129 Euro
  • Tchibo "LaPressa" - für 179 Euro
  • WMF "Lumero" - für 220 Euro
  • Solis "Barista Perfetta Plus" - für 365 Euro  
  • Sage "the Bambino Plus" - für 463 Euro

Die Technik der Einsteigermodelle im Vergleich

Die fünf Geräte können alle 15 Bar Druck erzeugen. Die Tanks fassen zwischen knapp einem und knapp zwei Liter Wasser.

Die australische Maschine von Sage hat ein andersartiges Heizsystem als die anderen Produkte. Sie braucht deshalb auch nur drei Sekunden zum Vorwärmen - statt 40 oder wie die LaPressa von Tchibo sogar 90 Sekunden.

Milchschaum können alle, die Sage sogar automatisch. Das Zubehör reicht von vielen Extras bei der Sage bis zu ganz wenigen bei De'Longhi. Alles eine Frage des Preises.

Sicherheits und Qualitäts-Check im Labor

Im Labor hat Simona Schmidt, Projektmanagerin für Haushaltsgeräte, bereits Hunderte Kaffeemaschinen unter die Lupe genommen, deren Funktionen gemessen und überprüft. 


Die optimale Temperatur für Espresso ist zwischen 68 und 72 Grad Celsius.

Günstige Kaffee-Maschinen im Test: Welche macht den besten Espresso?
Simona Schmidt, Projektmanagerin für Haushaltsgeräte, nimmt Kaffeemaschinen unter die Lupe.

Die Expertin misst zuerst die Temperatur - in je zwei Messreihen mit jeweils fünf Espressi. Nach dem Test ist klar: Drei Geräte haben diese Temperatur nicht erreicht. Und zwar die Maschinen von Sage, Solis und DeLonghi.

Die Hersteller empfehlen, neben den Tassen auch die Maschine und den Siebträger durch einen Leerbezug - ein Durchlauf ohne Kaffeepulver - vorzuwärmen. Außerdem ließe sich die Brühtemperatur manuell erhöhen.

Alle Maschinen wurden im Test in den Werkseinstellungen verwendet - bei den meisten gibt es aber Einstellmöglichkeiten.

Menge und Stärke im Produktvergleich

In den nächsten Testreihen wurden die Flüssigkeitsmenge und die Stärke der Kaffees ermittelt. Das Urteil von Expertin Simona Schmidt bezüglich der Menge: "Die zwei Geräte, die Sage und de'Longhi, haben etwas schlechter abgeschnitten."

Denn, so Schmidt, es gebe einen großen Unterschied zwischen der ersten Tasse und den restlichen Tassen, die sie zubereiten würden. Für den Verbraucher sei es wichtig, dass er immer die gleiche Menge in der Tasse bekomme und nicht immer etwas Unterschiedliches.

Sage äußert sich auf Nachfrage: "Wenn die Shot-Zeit im normalen Espresso-Bereich liegt und das System korrekt vorgewärmt wurde, sind wir zuversichtlich, dass die Bambino Plus wie vorgesehen funktioniert."

DeLonghi verweist auf das Kaffeepulver: "Die Maschine liefert genau das Ergebnis, mit dem man sie ‚füttert‘. Werden Menge und Mahlgrad gleichgehalten, ist auch die Espressomenge in der Tasse präzise."

Allerdings nicht in diesem Test nach DIN-Norm. Trotz Mengenunterschieden war aber die Extraktion, also die Stärke der Espressi, bei allen Maschinen in Ordnung.

Sicherheit beim Kaffee brühen

Expertin Sabina Schmidt bestätigt, dass alle Maschinen sicher sind und selbst verschlafene Kaffeeenthusiasten am Morgen sich weder verbrennen noch an der Kaffeemaschine verletzten könnten.

Fazit: Im Labor gab es keinen eindeutigen Sieger oder Verlierer. Alle Geräte hatten Stärken und Schwächen.

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Von der Bohne zum Kaffee: der Geschmackstest

Für einen guten Kaffee brauche es die richtige Menge an Bohnen, den richtigen Mahlgrad und die richtige Maschine. Da sind sich die Tester des Kaffeegeschmacks einig. Gefragt haben wir:

  • Kaffee-Sommelière Katharina Schroer: Mit Kursen und Anleitungsbüchern hilft sie Siebträger-Neulingen auf die Sprünge
  • Stefan Dachale: Barista mit eigener Rösterei, mehreren Cafés und Barista-Schulungen
  • Alexander Willrich: Coffee-Lover und Ansprechpartner für Familie und Freunde zum Thema Kaffee.

Außerdem müsse ein echter Barista die richtige Technik beherrschen. Es brauche also für Anfänger etwas Zeit, um mit einer Siebträgermaschine einen guten Kaffee machen zu können - nicht einfach nur Knopf drücken und fertig.

Günstige Kaffee-Maschinen im Test: Welche macht den besten Espresso?
Drei Kaffeeexperten beim Verkosten.

So lief der Geschmacks-Test der Kaffee-Profis

Für Chancengleichheit wurden alle Kaffeemaschinen im Test von Barista Harald Schemiger bedient. An einem normalen Arbeitstag brüht er schon mal gute 250 Tassen.

Harald Schemiger erklärt für die Testbedingungen: „Es ist wichtig: Wir verwenden immer den gleichen Kaffee, wir verwenden die gleiche Brew-Ratio. Also wichtig ist, wie viel Gramm Kaffeemehl auf wie viel Wasser in der Tasse landet.“

Günstige Kaffee-Maschinen im Test: Welche macht den besten Espresso?
Barista Harald lebt und arbeitet für guten Kaffee.

Blindverkostung mit Kaffee

Die Tester wissen nicht, aus welcher Maschine der Espresso kommt, den sie gerade trinken. Enttäuscht sind die Geschmacks-Tester von Tchibo "Lapressa" und der De'Longhi "Dedica Style". Die Tassen seien sehr unterschiedlich und geschmacklich nie richtig gut gewesen, so heißt es von den Testern.

Auf Platz drei liege die Solis "Barista Perfetta Plus". Die Silbermedaille hat sich die "Lumero" von WMF geholt. Bleibt noch die Maschine, die geschmacklich allen "wirklich gut" gefallen hat: Es ist die Sage "the Bambino Plus".

Testergebnis: Siebträger-Kaffeemaschinen für Einsteiger

Damit landet im Check der ARD Verbraucher-Redaktion die Maschine von De Longhi auf dem letzten Platz, weil sie auch im Labor leichte Schwächen hatte. Knapp davor liegt die Siebträgermaschine von Tchibo – unaufällig im Labor. Aber der Kaffee hat den Testern nicht geschmeckt.

Besser fanden sie den Espresso aus der Maschine von Solis. Und noch etwas geschmackvoller den Espresso aus der WMF-Maschine. Beide mit kleinen Beanstandungen im Labor.

Der Favorit in diesem Test war die Maschine von Sage. Stefan Dachale erklärt: "Maschine Nummer vier hat uns wirklich gut gefallen. War einfach die, die über alle Tassen hinweg die schönste Balance hatte. Vielleicht nicht wahnsinnig viel Crema, aber wirklich eine klare Tasse, geschmacklich gut."

Die Siebträger-Maschine von Sage überzeugt also trotz Kritikpunkten im Labor mit dem besten Aroma.

Mensch und Maschine

Allerdings weisen die drei Kaffee-Experten noch auf einen wichtigen Faktor für den Geschmack hin und der steht vor der Maschine: der Mensch.

Es liegt immer an der Person, die die Maschine bedient. [...] Beschäftigen, auseinandersetzen, lernen - das ist ganz wichtig für so eine Siebträgermaschine, egal in welchem Preissegment.

Leckerer Kaffee aus einer Siebträgermaschine ist eben echtes Handwerk.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Michaela Krause
Onlinefassung
Felix Wnuck