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Taxi gegen Uber: Was Verbraucher in Zukunft nutzen

Uber macht sich in Deutschland breit, wirbt Taxibetriebe als Partner. Lukrative Chance oder tödliche Umarmung? Der Podcast Plusminus untersucht, wie Verbraucher in Zukunft fahren.

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Von Autor/in Petra Thiele

In mehreren deutschen Großstädten kommt es zu Protesten von Taxifahrern gegen die Vermittlungs-App Uber. Uber verbindet Menschen mit lokalen Chauffeuren in über 600 Städten und 77 Ländern auf der Welt. Meistens sind die Uber-Fahrten deutlich günstiger als die Taxianbieter. Das sorgt für Ärger. An manchen Orten sollen Mindestpreise das Überleben der Taxibranche sichern, an anderen Orten schließen sich Taxifahrende mit Uber zusammen. In der Plusminus-Folge "Taxi gegen Uber - Wer fährt uns in (die) Zukunft?" klären die Hosts Anna Planken und David Ahlf, welche Veränderungen die Branche durchmacht.

Proteste im Sommer: Taxikampf gegen Uber

In diesem Sommer hat das Taxi-Gewerbe bundesweit mit Autokorsos, Hupkonzerten und Demonstrationen protestiert. Die Taxifahrer fühlen sich durch den Preiskampf der wachsenden Konkurrenz immer mehr unter Druck gesetzt. Sie fordern Mindestpreise, um ihre Existenz zu sichern.

Verkehrsexperten gehen zwar davon aus, dass die Nachfrage nach privaten Fahrdiensten in Deutschland stark ansteigen wird. Der Umsatz von derzeit rund 4,8 Milliarden Euro könnte sich verzehnfachen, wenn die Leute vermehrt ihr Auto stehen lassen und Fahrdienste nutzen. Die Taxibranche hat aber ein Problem: Sie hat keine bekannte digitale Plattform. Und ohne bekannte App kommt man heutzutage kaum noch an die Kundschaft ran.

Brauchen wir noch Taxis?

180 Millionen Menschen weltweit nutzen mit steigender Tendenz die App von Uber. Auch andere private Anbieter ziehen nach. Bolt hat ähnlich viele Kunden und ist bereits in vielen deutschen Städten aktiv. Trotzdem liegt Uber bei der Personenbeförderung noch vorne. Die App des Fahrdienst-Vermittlers stellt Transparenz her. Sie zeigt die Fahrpreise von verschiedenen Angeboten an. Außerdem nutzt sie "Dynamic Pricing", das bedeutet, je mehr Leute gerade nach einer bestimmten Fahrt suchen, desto teurer wird sie.

Der Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. In der Taxibranche läuft das meistens anders: Da gibt es zwar Tarife mit Grundgebühr und Kilometerpreisen, aber sobald das Taxi langsamer fährt, wird es teurer. Der Betrag wird per Taxameter ermittelt und wenn das Fahrzeug langsamer als die Minimalgeschwindigkeit fährt, wird die verstrichene Zeit berechnet. Was man genau bezahlen muss, weiß man erst am Ende.

Meistens ist das Angebot von Uber günstiger als eine Taxifahrt. Wenn es wie an Silvester oder bei großen Konzerten zu einer kurzfristig hohen Nachfrage kommt, kann eine Uber-Fahrt aber auch mal teurer sein, als ein Taxi.

Die Taxifahrt bietet aber auch einige Vorteile gegenüber einer Fahrt mit Uber. Beispielsweise müssen die Fahrerinnen und Fahrer eine IHK-Prüfung ablegen und damit mehr Kompetenzen nachweisen. Außerdem dürfen Taxis die Busspur benutzen und keine Kunden ablehnen, da sie eine Beförderungspflicht haben.

Das beste aus der Taxi- und Uber-Welt

Das traditionelle deutsche Taxigewerbe ist durch ausländische Apps zum Umdenken und Handeln gezwungen worden. Die Taxi-Branche versucht immer öfter auch Festpreise anzubieten. Teilweise gibt es dieses Modell in Städten wie Köln, München, Berlin oder Chemnitz bereits. Allerdings bekommt man den festen Preis nur über eine Bestellung innerhalb der Uber-App. Die Konkurrenten arbeiten also mittlerweile schon zusammen. Uber nimmt von den Taxianbietern eine geringere Vermittlungsgebühr als für andere Fahrer.

Uber-Sprecher Klaus Gorny hat im Plusminus-Podcast stolz berichtet: "Wir zählen mittlerweile rund 10.000 Taxifahrerinnen und Taxifahrer in Deutschland, die die Uber App nutzen und das tun sie eben erfolgreich, um neue Zielgruppen zu erreichen oder vielleicht Zeiten, wo eine geringe Nachfrage sonst herrscht, auszugleichen."

Ich glaube, das ist auf jeden Fall auch ein Beitrag, den wir leisten, um das Gewerbe zu unterstützen.

Der Chef des Bundesverband Taxi und Mietwagen Michael Oppermann sieht die neuen Kooperationen mit Uber kritisch.

Richtig daran ist, dass das nur so halbfreiwillig für die Taxiunternehmer ist. Die kommen einfach nicht mehr über die Runden und Uber bringt eben auch Aufträge rein. Ich würde es deswegen nur eingeschränkt machen.

Werden uns bald Roboter chauffieren?

Ein Blick in die USA kann einem das Gefühl geben, dass es bald in Taxis oder bei Uber gar keine Fahrer mehr braucht. Robotaxis werden inzwischen in den USA schon in drei Städten im ganz normalen Straßenverkehr eingesetzt. Auch in Peking und Shanghai sind bereits fahrerlose Robotaxis unterwegs.

Im kommenden Jahr testen Uber und der chinesische Software-Entwickler Momenta autonome Robotaxi-Fahrten in München. Vorerst wird dort aber immer noch ein Mensch mit dabei sitzen. Uber plant bis zu 20.000 selbstfahrende Wagen mit einem Elektroauto-Hersteller zu bauen. Damit würde er auf seiner Plattform den eigenen Fahrern Konkurrenz machen. Auch der Fahrdienstvermittler Lyft will nächstes Jahr chinesische Robotertaxis in Deutschland und Großbritannien einsetzen.

Bis fahrerlose Robotaxis in deutschen Städten unterwegs sind und Verbraucher für sie einfach auf die Uber-App klicken muss, wird aber noch viel Zeit vergehen.

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