Trick 1: Ein Doppelgänger schreibt die Prüfung
Der Inhaber einer Fahrschule in Heilbronn soll für seine Fahrschülerinnen und Fahrschüler systematisch Doppelgänger zu den Führerscheinprüfungen geschickt haben, um die Theorieprüfung zu bestehen. Die täuschend echten Stellvertreter waren ausgestattet mit den echten Ausweispapieren der Prüflinge.
Der Angeklagte steht laut Ermittlungen im Mittelpunkt eines bundesweit agierenden Betrügernetzwerks und soll mit den Täuschungen viel Geld verdient haben. Laut Polizei bezahlten die Prüflinge teils bis zu 5.000 Euro für den bestandenen Test.
Nach Razzia gegen organisierten Führerschein-Betrug in Heilbronn Schummeln beim Führerschein: Betrüger werden laut TÜV SÜD "immer raffinierter"
Für einen der "größeren Fälle" hält der TÜV SÜD das Betrüger-Netzwerk, bei dem auch eine Heilbronner Fahrschule beteiligt war. Die Betrugsversuche würden stets aufwändiger.
Ein Einzelfall? Leider nicht, sagt ein Sprecher des TÜV Süd gegenüber dem SWR. Die Masche, falsche Prüflinge unter falschem Namen antreten zu lassen, ist nicht neu. Immer raffinierter und immer aufwändiger würden die Betrugsversuche, die bei der theoretischen Führerscheinprüfung auffliegen.
Trick 2: Eine Stimme im Ohr flüstert die Antworten
Das Maß an krimineller Energie habe zugenommen, sagt der TüV-Verband. Auch technisch würde immer mehr getrickst. Die Prüflinge seien mit Mini-Kamerasystemen und winzigem Knopf im Ohr verkabelt und bekämen die richtigen Antworten vorgesagt.
Eine solches Täuschungsmanöver lässt sich allein kaum umsetzen. Deswegen vermutet der TüV-Verband professionell agierende Organisationen im Hintergrund.
Die Dunkelziffer liegt vermutlich hoch. Ein aufsehen erregender Fall erreignete sich in Lörrach. Hier musste ein Fahrschüler ins Krankenhaus, weil er seinen In-Ear-Kopfhörer zu tief ins Ohr gesteckt hatte, um sich die richtigen Antworten "einflüstern" zu lassen. Die Polizei stellte fest, dass der 22-Jährige komplett verkabelt war.
Trick 3: Mitarbeiter verkaufen den Führerschein - ganz ohne Prüfung
Was, wenn nicht die theoretische Prüfung das Problem ist, sondern die praktische? Auch hier finden Betrüger Wege: Ein Mitarbeiter einer Fahrerlaubnisstelle in Kassel soll Führerscheine illegal gegen Geld ausgestellt haben - ohne jede Führerscheinprüfung.
Seit Mittwoch muss sich der 26-Jährige vor dem Kasseler Landgericht wegen des Verdachts der besonders schweren Bestechlichkeit verantworten. Über 100 Personen sollen über ihn illegal an einen Führerschein gekommen sein.
Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass noch weitere Personen an dem Geschäftsmodell beteiligt gewesen seien und die Betrüger ein regelrechtes Vertriebsnetz geschaffen hätten. Zwischen 500 und 5000 Euro sollen sie pro ausgestellten Führerschein kassiert haben.
Trick 4: Es gibt ihn noch: den klassischen Spickzettel
Heimliches Googlen gehört nicht zu den zielführenden Betrugsmaschen bei der Theorieprüfung. Handys sind im Prüfungsraum verboten. Oft gibt es ohnehin keinen Empfang. Da kommt der altbekannte Spickzettel wieder ins Spiel – obwohl er in der Führerscheinprüfung kaum hilfreich ist. Der Stoff in der schriftlichen Fahrprüfung ist zu umfangreich, als dass er sich auf einem kleinen Zettel unterbringen ließe.
An der Theorie hapert es besonders Nicht bestanden: Woran viele Fahrschüler beim Führerschein scheitern
Rund 44 Prozent sind im vergangenen Jahr in Baden Württemberg durch die theoretische Fahrprüfung gefallen. Auch in der Region ist die Zahl der nicht bestandenen Prüfungen hoch.
Dennoch bleibt der Spickzettel bei Prüfungsangst für viele die vermeintliche Notlösung. Der Fragenkatalog ist umfangreicher geworden.
Die Folge: Laut Kraftfahrtbundesamt sind in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Jahr 2023 rund 43 Prozent durch die theoretische, rund 27 beziehungsweise 29 Prozent durch die praktische Prüfung gefallen.
Ein Risiko für die Verkehrssicherheit
Das steigert offensichtlich auch die Bereitschaft zu schummeln. Im Jahr 2024 stellte der TÜV bundesweit 4.198 Fälle von Betrug beim Führerscheinerwerb fest. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
„Ergaunern sich die Fahrschüler ihren Prüfungserfolg und verfügen nicht über die entsprechenden Kenntnisse im Straßenverkehr, birgt das ein erhebliches Risiko für die Sicherheit anderer“, so der Verband, der hinter mehr als der Hälfte der Fälle professionelle Kriminalität vermutet.