Winzer Christian Karl

Rätsel um Traubendiebstahl bei Winzern in Rheinhessen

Die Zahl der Traubendiebstähle im rheinhessischen Kreis Alzey-Worms ist hoch wie nie. Wir haben mit dem Winzer Christian Karl über mögliche Gründe und Ursachen gesprochen.

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Stand

Der Polizei Worms liegen mehrere Anzeigen wegen Traubendiebstahls vor. In allen Fällen soll ein sogenannter Vollernter zum Einsatz gekommen sein – eine große laute Maschine, die nicht gerade unauffällig ist.

Christian Karl ist Vorsitzender der Winzergenossenschaft Weinmanu eG in Mainz-Ebersheim, selbst Winzer und sehr gefragt: Er hat nämlich einen Vollernter und erntet im Auftrag anderer Winzer.

SWR1: Nicht, dass der falsche Eindruck entsteht. Sie haben nicht illegal Weintrauben gelesen?

Christian Karl: Nein, auf keinen Fall. Allerdings kann man direkt sagen: es passieren auch Fehler in den Weinbergen. Wir fahren rund um die Uhr und bei heutiger Technik bekommt man aufs Handy nur noch Koordinaten geschickt.

Ruckzuck ist es passiert, dass man zwei Reihen zu viel gelesen hat.

Dann liest man einen Weinberg und ruckzuck ist es passiert, dass man zwei Reihen zu viel gelesen hat oder vielleicht auch mal den falschen Weinberg angefangen hat. […]

Das wird auf jeden Fall immer gleich bekannt gemacht und untereinander geregelt, damit es finanziell ausgeglichen wird oder der betroffene Winzer dann von dem, der den die Fehler verursacht hat, selbst noch was erntet.

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SWR1: Sie und Ihre Kollegen waren in den letzten drei Wochen wirklich Tag und Nacht in den Weinbergen unterwegs. Da würde es doch gar nicht auffallen, wenn ein Vollernter nachts irgendwo absichtlich illegal erntet, oder?

Karl: Das geht auch mittlerweile rasant schnell. Also wir brauchen mit so einem Vollernter […] ca. zwei Stunden pro Hektar. Wenn mitten in der Nacht um 3 Uhr irgendwo ein Vollernter fährt, dann ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass irgendjemand bemerkt, dass der vielleicht 100 Meter weg von seinem eigenen Wingert [Weinberg, Anm. d. Red.] irgendeinen anderen Wingert liest.

Traubendiebstahl in Rheinhessen: Winzer mit dem Rücken an der Wand

SWR1: Im Kreis Alzey/Worms gibt es jetzt inzwischen acht Fälle, bei denen war es offensichtlich kein Versehen und man fragt sich schon: Wer macht sowas und warum?

Karl: Auf jeden Fall sind das alles Mutmaßungen. Wissen tue ich das natürlich auch nicht. Ich kann nicht in die Köpfe der Leute reingucken. Schwarze Schafe gibt es in allen Bereichen und allen Branchen. Ich denke aber, dass es bei vielen auch ganz massiv aus der Not herauskommt, denn im Fassweinbereich, wo ja die meisten Winzer auch massiv tätig sind, da ist der Preis völlig im Eimer.

Im Fassweinbereich [...] ist der Preis völlig im Eimer.

Die Kosten steigen, Mindestlohn und alles Mögliche. Das heißt, wir ernten dieses Jahr auch vom Ertrag nicht unbedingt die zulässige Menge, also der Weinbau ist ja pro Hektar kontingentiert. Und jetzt ist der Ertrag ca. ein Drittel weniger, das heißt es ist mit Ansage so, dass wir in diesem Jahr drauflegen und es gibt viele Winzer, die stehen mit dem Rücken an der Wand.

Ich denke, da wird aus der Not heraus irgendwelcher Opportunismus genutzt und vielleicht da die Kriminalität ausgelebt.

SWR1: Das sind also finanzielle Zwänge, und dann traut sich jemand nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen oder auch vielleicht im Kollegenkreis zu fragen, zu sagen, Leute, ich habe hier gerade ein Problem. Sondern er macht es dann verbotenerweise illegal.

Karl: Richtig. Ich sage mal, ein Stück weit in der Öffentlichkeit ist man. Man hört es ja in der Presse, dass auch die Landesregierung versucht, irgendwelche Märkte oder Winzerbetriebe zu retten. Aber es ist tatsächlich momentan am Markt äußerst schwierig.

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