So bringt die Kamera im Auto mehr Sicherheit
SWR1: Eine Kamera, die den Innenraum des Fahrzeuges und damit die Fahrtüchtigkeit überwachen soll. Das klingt nach totaler Überwachung.
Bettina Wettstein: Ganz so dramatisch würde ich es nicht formulieren. Es handelt sich meist um eine Infrarotkamera im Innenraum. Die versteckt sich je nach Modell zum Beispiel vorne in der A-Säule oder beim Innenspiegel. Sie beobachtet einfach, wohin der Blick des Fahrers geht.
Gesetzlich ist dabei vorgeschrieben, dass die Kamerabilder nicht aufgezeichnet werden, das Auto nicht verlassen dürfen und dass es keine individuelle Gesichtserkennung gibt. Das heißt, die Auswertung läuft lokal im Steuergerät meines Fahrzeugs.
Kameraüberwachung im Auto: Das sagen die Datenschützer
SWR1: Was sagen die Datenschützer dazu?
Wettstein: Datenschützer schlagen trotzdem Alarm. Zum einen wäre es so ziemlich das erste System, das nicht irgendwann mal gehackt und mit dessen Daten "Schindluder" getrieben würde. Zum anderen ist unklar, wer die Nutzung dieser Kamerabilder überhaupt kontrolliert. Konkrete Sanktionen bei Verstößen sieht die EU-Verordnung bisher nicht vor.
Kamera im Auto zur Überwachung: So arbeitet das System
SWR1: Bislang gab es im Display eine Nachricht "Bitte Pause machen". Warum jetzt plötzlich auch noch eine Kamera?
Wettstein: Unfälle durch menschliche Fehler sollen reduziert werden. Müdigkeit und Unaufmerksamkeit stehen leider ganz oben auf der Liste für schwere Verletzungen und Todesfälle im Straßenverkehr. Genau deshalb gehört dieser Aufmerksamkeitswarner ab sofort zur gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsausstattung.
Das System arbeitet übrigens bei Tag und Nacht, und auch, wenn die Augen schlecht sichtbar sind. Eine Sonnenbrille bringt das System nicht aus dem Konzept. In diesem Fall wird dann die Kopfhaltung genauer analysiert.
Das System reagiert dann in zwei Stufen. Bis Tempo 50 darf ich bis zu sechs Sekunden von der Straße wegschauen. Bei mehr als 50 Kilometern pro Stunde sind es nur noch dreieinhalb Sekunden, weil ja auch der Bremsweg bei höherem Tempo deutlich länger wird.
Registriert das System eine Abweichung, dann ertönt ein Warnton, das Display leuchtet und das Lenkrad vibriert. Aber das kann ich auch ganz einfach mit einem Tastendruck am Lenkrad abstellen.
Wichtig zu wissen: Das System selbst bremst nicht und es greift auch nicht in die Lenkung ein.
Kommt die Kamera im Auto auch für alte Fahrzeuge?
Wettstein: Das neue Assistenzsystem ist nur bei Neuwagen Pflicht. Fahrzeuge, die vor dem 7. Juli 2026 zugelassen wurden, müssen nicht nachgerüstet werden. Wer aufmerksam fährt, wird das System auch im Neuwagen wahrscheinlich erst dann bemerken, wenn die Konzentration nachlässt. Und genau dafür ist es gedacht.