"Mr. Tagesthemen", diesen Titel trägt Journalist Ulrich Wickert auch fast 20 Jahre nach seinem Ausscheiden. 15 Jahre lang prägte er mit seinem unverwechselbaren Stil die Nachrichtensendung der ARD. Bereits vorher war er eine der bekanntesten journalistischen Stimmen Deutschlands: Als Korrespondent berichtete Wickert aus Paris, New York und Washington.
Tagesthemen statt Diplomatie
Geboren wurde Wickert in Tokio als Sohn eines Diplomaten, wollte erst selbst Diplomat werden. Während des Jurastudiums in den USA entschied er sich um: In den 1960er Jahren landete er durch Zufall beim Fernsehen. Heidelberg, einer Station seines Lebens, fühlt er sich noch heute verbunden.
Ich war da sehr, sehr gerne und für mich ist Heidelberg immer noch ein Stück Heimat.
Seit nun 30 Jahren lebt Ulrich Wickert in Hamburg. Den Tagesthemen bleibt er nach wie vor treu.
Tagesthemen: "Ich wünsche eine geruhsame Nacht"
Wie kam es zu dem legendären Tagesthemen-Abschiedsgruß: "Ich wünsche eine geruhsame Nacht"? Durch Zufall: Nachdem die ARD die Nachtlücke gefüllt hatte, erhielt Wickert einen Brief, in dem ein Zuschauer bedauerte, dass nun niemand dem Publikum eine gute Nacht wünsche. Das wollte Wickert ändern – tat sich mit der Formulierung "gute Nacht" nach der Nachrichtensendung aber schwer.
Das heißt ja, all die Gruseligkeiten, die wir gerade gesendet haben, nicht so ernst nehmen. Dann hab ich lange gesucht in Wörterbüchern [...] und da fand ich dieses Wort aus der Postkutschenzeit: "geruhsam". Das passt, weil die Leute sollen jetzt Ruhe finden.
Legendär ist auch sein Video auf dem Place de la Concorde: Ulrich Wickert überquert todesmutig die Straße durch den dichten Verkehr.
Wahrheit und Glaubwürdigkeit: Das sind die Aufgaben des Journalismus
Nach vielen Jahrzehnten als Journalist beschreibt Ulrich Wickert die Grundaufgabe des Journalismus so: Die Aufgabe des Journalisten ist es, aufzuklären. Keine Meinung vermitteln, sondern das Geschehen so darzustellen, dass es die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Vernunft selbst einordnen können. Dazu gehöre auch, neutral zu sprechen und nicht die eigenen Emotionen einfließen zu lassen.
Ich vermittle eine Nachricht, ohne sie zu beurteilen. Das würde ich als Neutralität bezeichnen.
Sind Journalisten heute nicht mehr neutral, berichten sie tendenziös? In den Augen von Ulrich Wickert ist das nicht der Fall. Gleichzeitig habe es schon zu seiner aktiven Zeit Protest gegen seine Berichterstattung gegeben. Das müsse man aushalten, so Wickert. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk solle Vertrauen bei den Zuschauer:innen schaffen, indem er vertrauenswürdiges Programm mache.
Neuer Krimi: Jacques Ricou ermittelt in "Der Raub im Tunnel"
Seit seinem Abschied aus dem Fernsehen ist Ulrich Wickert vor allem als Buchautor in der Öffentlichkeit sichtbar, 28 Bücher hat er veröffentlicht – vom politischen Sachbuch bis zu den Krimis seiner Jaques-Ricou-Reihe. Die zu schreiben, macht ihm besondere Freude. Dabei ist ihm Authentizität besonders wichtig: Wickert möchte, dass der Leser neben der Handlung auch etwas über die Gesellschaft erfährt, in der der Krimi spielt.
Es sind immer Geschichten, die aus der Gesellschaft herauskommen, es sind Gesellschaftsporträts, die gleichzeitig in dem Krimi funktionieren. Deswegen kommen natürlich auch Leute wie Sarkozy in diesem Krimi vor.
Um das zu erreichen, geht Wickert immer selbst zu den Handlungsorten seines Romans. Ziel ist es, dass Leser:innen Restaurants und andere Örtlichkeiten wiedererkennen können.