Stille ist für mich Nahrung. Stille ist eine gestaltende Kraft des Lebens.
Darum müssen wir wieder mehr Stille erleben
Es sei unglaublich, was für eine Flut von Reizen wir unseren Sinnesorganen in unserer modernen Welt ständig zumuten, meint der Schweizer Wolfgang Fasser. Dabei würden wir erst durch Stille "etwas nüchtern und freier in unserem Denken". Es sei eine wertvolle Erfahrung, immer wieder in die Stille zu gehen.
Wir haben ganz viel Lärm in uns drin: All das, was wir denken, was wir tun sollten, nicht tun sollten, was uns gesagt wird usw. [...] Da ein bisschen ruhiger zu werden, vielleicht auch ein bisschen ärmer in den vielen Ansprüchen, sodass es auf ein menschliches Maß kommt und machbar wird, das gehört auch zur Stille.
Auch in Baden-Württemberg gibt es viele Projekte rund um Stille, wie beispielsweise die "Stille Stunde im Handel", bei der im Supermarkt keine Musik im Hintergrund läuft. Wolfgang Fasser sieht es als gesundes Zeichen, wenn wir als Gesellschaft spüren, dass wir weniger "Überreizung" brauchen.
Seine Blindheit hat Wolfgang Fasser nie ausgebremst
Wenn Wolfgang Fasser erzählt, bekommt man ein warmes Gefühl ums Herz. Sein wohlwollender Blick auf die Welt, auf andere Menschen und auf sich selbst berührt. Es sei ein Privileg, wenn man visuell nicht abgelenkt ist und die Ohren besser offen sein können, meint er.
Aufgrund einer erblich bedingten Krankheit konnte er in seiner Jugend immer weniger sehen, bis er schließlich erblindete. Damit habe er aber nie gehadert. Bereits als Kind habe er gemerkt, dass sein Leben anders sein werde, aber auch, dass das nicht "falsch" sei.
Ich hatte keine Notwendigkeit zu vergleichen oder zu denken, 'sehend' wäre besser. [...] Ich lehnte mich nicht an ein Maß an, was nicht mein eigenes war. Ich bin sehr erfüllt und angeregt, dieses Leben zu erkennen, zu leben, zu erforschen.
Wolfgang Fasser hilft Kindern mit gemeinnützigen Einrichtungen
Rund 20 Mal ist Wolfgang Fasser bereits nach Afrika gereist. Als gelernter Physiotherapeut hat er in Lesotho entscheidend mitgeholfen, dass in mehr Krankenhäusern Physiotherapie angeboten wird. Auch hat er zwei gemeinnützige Einrichtungen gegründet, die Menschen helfen sollen.
Es gibt so viele Andersartigkeiten in unserer Menschheitsfamilie, die halt existieren. Niemand ist schuld, niemand kann was machen. Es ist so. Also können wir es doch einfach bewundern und voll ausleben. [...] Es kann wirklich wertvoll sein, wenn wir Andersartigkeit als einen Reichtum ansehen.
Besonders Kinder liegen Wolfgang Fasser am Herzen. Mehrmals im Jahr kommt er ins Zentrum für interdisziplinäre Therapien in Herrenberg, um dort mit Kindern mit geistiger oder körperlicher Behinderung zu arbeiten.
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Warum reagieren wir so empfindlich, wenn Menschen anders sind als wir selbst? Sozialpsychologe Bertolt Meyer gibt Antworten auf diese Fragen.
Klangforscher: Das Leben mit den Ohren sehen
Er sei ein "phänomenologischer Klangforscher", sagt Wolfgang Fasser – also jemand, der Klänge erforscht, so wie sie erlebt werden. Beispielsweise mit Naturaufnahmen aus dem Wald, in denen sich immer wieder Neues entdecken lässt. Auch als Musiktherapeut setzt er Naturaufnahmen ein.
Man habe festgestellt, dass Kinder im Raum aufmerksamer sind, wenn leise ein Vogelkonzert zu hören ist. Dann würden die Kinder ihre Aufmerksamkeit besser auf die Lehrerin richten.
Es kommt ein heiteres Gefühl auf, wenn man ein Frühling-Morgenkonzert hört. Das positiviert die Stimmung, es ist antidepressiv.