Internist und Alkoholforscher Prof. Helmut K. Seitz

Dry January und Fastenzeit: Wie gefährlich ist Alkohol und was bringt kurzzeitige Abstinenz?

Seit rund 50 Jahren forscht Prof. Helmut K. Seitz zu Alkohol und dessen Auswirkungen. Er verrät, was Alkoholfasten bringt und wer beim Alkoholkonsum besonders vorsichtig sein sollte.

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Was bringt ein zeitweiser Verzicht auf Alkohol?

Das Erste, was man beim Alkoholverzicht spürt, ist, dass man besser schlafen kann, sagt Prof. Helmut K. Seitz. Man wache erholter auf, könne den Tag besser bewältigen und fühle sich wohler.

Wer auf Alkohol verzichtet, könne zudem auch abnehmen, denn Alkohol hat viele Kalorien. Zusätzlich werde das Immunsystem unterstützt, da Alkohol die Immunantwort unterdrücke. Wer Bluthochdruck hat, brauche oft weniger Medikamente, um den Blutdruck zu regulieren.

Wenn Sie zehn Tage lang keinen Alkohol trinken, entfettet die Leber. Das Fett geht zu 30 Prozent aus der Leber raus. So regeneriert sie sich und die Leber fühlt sich wohl. Das ist etwas, was Sie nicht spüren, aber was sehr wichtig ist.

Darüber hinaus kann der Verzicht auf Alkohol ein guter Selbsttest für eine Alkoholabhängigkeit sein. Wer sich entscheidet, keinen Alkohol zu trinken, und nach 2-3 Tagen einen hohen Druck verspüre und wieder Alkohol trinken muss, habe vermutlich ein Alkoholabhängigkeitsproblem. In diesem Fall sollte man sich Hilfe suchen, rät Seitz.

So beurteilst du deine individuellen Alkohol-Risikofaktoren

Wie gut man Alkohol verträgt, ist sehr unterschiedlich. Wer bestimmte Risikofaktoren hat, sollte vorsichtiger sein als andere, die diese Faktoren nicht haben.

Risikogruppen, die mit Alkohol vorsichtig sein sollten

  • Frauen sind gefährdeter als Männer
  • Menschen mit familiärer Krebsbelastung. Helmut K. Seitz konnte belegen, dass Alkohol ein Risikofaktor für Dickdarmkrebs ist.
  • Übergewichtige
  • Raucher
  • Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Bauchspeicheldrüsen-Entzündung
  • Die individuelle Genetik hat Einfluss darauf, wie groß Schäden durch Alkohol sind

Während einer Schwangerschaft sollte grundsätzlich kein Alkohol getrunken werden. Der Alkohol werde in der Gebärmutter nicht adäquat abgebaut, so dass der Fötus über lange Zeit quasi darin bade und geschädigt wird. Es gebe dadurch viele Erkrankungen, die auch erst später zum Ausbruch kommen können.

Helmut K. Seitz betont, dass er niemanden missionieren wolle. Es gehe ihm und seinen Kolleg:innen darum, Fakten darzulegen. Damit könne in unserer freien Gesellschaft jeder machen, was er möchte.

'Weniger ist mehr'. Aber wenn Sie in der Woche ein, zwei Gläser Wein trinken oder am Wochenende mal zwei Gläser Wein trinken, wird die Welt nicht untergehen, wenn Sie nicht zu den Hochrisiko-Menschen gehören.

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Welche Wirkung hat Alkohol auf das Herz-Kreislauf-System?

Alkohol erhöht bereits in kleinen Mengen den Blutdruck. Zusätzlich hat er einen Effekt auf den Herzrhythmus. Durch Alkohol wird Vorhofflimmern (unrhythmische Schlagfolge des Herzens) gefördert, wodurch das Risiko für einen Schlaganfall erhöht wird. Helmut K. Seitz rät daher Menschen, die Vorhofflimmern oder Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge) haben, Alkohol zu meiden. Der Mythos der "gesunden 0,1 Liter Rotwein am Tag" sei wissenschaftlich längst widerlegt.

'Die Großmutter, die jeden Tag ein Glas Rotwein trinkt, ist 92 geworden.' – Die ist nicht wegen des Rotweins, sondern trotz des Rotweins 92 geworden.

Alkoholkonsum: Junge Menschen trinken weniger Alkohol

Alkohol ist ein Kulturgut. Bereits 1.500 Jahre v. Chr. wurde in Ägypten Bier gebraut. In der Generation seiner Eltern sei noch wesentlich mehr Alkohol in mittleren sozialen Schichten getrunken worden, meint Helmut K. Seitz. Das habe einfach dazugehört und man habe sich keine Gedanken über die schädigende Wirkung gemacht.

Die Alkoholindustrie übt einen hohen Druck aus, dass Alkohol weiter getrunken wird.

Heute sind auch nicht-alkoholische Getränke beim gesellschaftlichen Zusammenkommen selbstverständlich. Es gebe viele junge Leute, die sehr körper- und gesundheitsbewusst sind, viel Sport treiben und wissen, dass sie Alkohol meiden sollten. Viele würden gar keinen Alkohol trinken. Viele Winzer hätten bereits darauf reagiert, indem sie auf alkoholarme Weine umstellen.

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