Internationaler Tag der Katastrophenvorsorge

Neuer offizieller Ratgeber: So sorgen Sie für Krisen und Katastrophen vor (FAQ)

Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt. Trotzdem können Extremwetter oder Stromausfälle unseren Alltag stören. Wie Sie sich und ihre Familie vorbereiten.

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Von Autor/in Jutta Kaiser

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat seinen Ratgeber "Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" grundlegend überarbeitetet. Er gibt Informationen darüber, wie sich jeder und jede zu Hause in einfachen Schritten auf mögliche Unterbrechungen des Alltags oder Krisen vorbereiten kann. 

Um welche Krisenfälle geht es konkret?

Das Bundesamt nennt unter anderem Extremwetter wie schwere Stürme und Überschwemmungen, die auch Gebäude und Straßen beschädigen oder für Stromausfälle sorgen können. Auch Leitungen für Wasser, Gas oder Mobilfunk können beschädigt werden. Denkbar sind außerdem Cyberattacken, gezielte Sabotage oder Angriffe auf Infrastrukturen.

Selbst ein Krieg scheint nicht mehr ausgeschlossen zu sein. Aber so dramatisch muss es nicht kommen: Auch im Fall einer schweren Erkältung oder eines gebrochenen Beins können Vorräte entlasten.

Gibt es eine Pflicht, Vorräte anzulegen?

Nein, es handelt sich um Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) - und keine verbindlichen Vorgaben. Notfallvorsorge ist immer individuell. Man sollte sich aber bewusst sein, dass auch vermeintlich kleine Störungen viele Menschen betreffen können. Es kann dauern, bis alle Betroffenen Hilfe bekommen.

Für welchen Zeitraum sollte ich vorsorgen?

Das BBK empfiehlt, sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können. Aber auch ein Vorrat für zumindest drei Tage hilft bereits. Der Vorrat kann schrittweise aufgebaut werden. Es ist besser, überhaupt anzufangen, als gar nichts zu tun, nur weil man nicht auf Anhieb alle Empfehlungen erfüllen kann.

Gelten für alle Menschen dieselben Empfehlungen?

Grundsätzlich schon, und trotzdem gibt es Unterschiede: Zum Beispiel wird jeder Haushalt für sich selbst die ideale Zusammensetzung seines Vorrats finden müssen - aufgrund von individuellen Vorlieben und Abneigungen oder zum Beispiel wegen Allergien, Lebensmittelunverträglichkeiten oder durch die Lagerungsmöglichkeiten vor Ort. Außerdem spielt es eine Rolle, ob auch Kinder oder Haustiere versorgt werden müssen.

Auch für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es einiges zu beachten: Sie brauchen unter Umständen einen Vorrat an Medikamenten, einen Rollator oder Krücken, um das Haus verlassen zu können. Außerdem sind sie möglicherweise besonders auf Hilfsmittel wie eine Brille oder ein Hörgerät und die passenden Ersatz-Batterien oder Ladegeräte angewiesen. Auch eine Liste mit Notfallkontakten kann hilfreich sein.

Welche Vorräte brauche ich für Essen und Trinken?

Am wichtigsten ist ein Wasservorrat - für den Fall, dass kein Wasser mehr aus der Leitung kommt oder das Leitungswasser verschmutzt ist. Das BBK empfiehlt zwei Liter pro Person und Tag - davon sind 0,5 Liter zum Kochen gedacht. Bei einem Drei-Personen-Haushalt sind das 18 Liter für drei Tage, 30 Liter für fünf Tage und 60 Liter für zehn Tage.

Für den Fall eines Stromausfalls sollte man Essen daheim haben, das nicht gekühlt und nicht gekocht werden muss. Auch Essen, das mit wenig Energie gekocht werden kann, ist hilfreich, um Energie zu sparen.

Wie koche ich ohne Strom?

Ein Stövchen mit Teelicht kann Essen wie zum Beispiel eine Fertigsuppe aus der Dose aufwärmen. Auch ein Fondue-Set mit Brennpaste kann Essen in kleinen Mengen zum Kochen bringen. Ein Gaskocher kann zum Kochen genutzt werden, wenn er für die Nutzung in Innenräumen zugelassen ist. Achtung: Mit einem Camping-Kocher mit Gaskartusche oder einem Gas- oder Holzkohle-Grill nur draußen Kochen! Eine Kohlenmonoxidvergiftung ist lebensgefährlich.

Was tun, wenn die Heizung ausfällt?

Für den Innenraum zugelassene Gasheizer, Ethanol-Kamine oder Petroleumöfen funktionieren ohne Strom und können in Innenräumen sicher genutzt werden. Ein Zeit lang kann man einen Heizungsausfall mit warmer Kleidung, Decken und Schlafsäcken überbrücken. Man sollte dann Fenster und Türen geschlossen halten, um ein Auskühlen der Räume zu vermeiden. Trotzdem gilt: Regelmäßiges Stoßlüften für wenige Minuten ist sinnvoll, um die Luftqualität zu verbessern.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, Vorräte für Krisen anzulegen.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, Vorräte für Krisen anzulegen.

Wie kommuniziere ich bei einem Stromausfall?

Eine geladene sogenannte Powerbank kann helfen, bei einem Stromausfall das Smartphone oder einen Laptop zu laden. Es ist außerdem ratsam, eine ausgedruckte oder handschriftliche Liste mit wichtigen Telefonnummern zu haben, falls man nicht mehr auf digital gespeicherte Kontakte zugreifen kann.

Wenn Mobilfunknetz und Internet nicht mehr funktionieren, fallen auch Warn-Apps oder Handy-Warnungen aus. Radiosender funktionieren aber auch dann. Daher ist ein Radio in Notfällen und Krisen wichtig: entweder ein Auto- oder Kurbelradio sowie batteriebetriebene Radios kommen infrage.

Das BBK warnt auch vor Falschinformationen und Gerüchten, die sich in unklaren Situationen schnell verbreiten können. Dieser Effekt kann von Dritten genutzt werden, um absichtlich falsche Informationen zu streuen, die Menschen verunsichern können.

Bevor man Informationen teilt, sollte man prüfen, ob sie aus einer seriösen Quelle stammen. Die Angabe eines Klarnamens kann ein Indiz für die Echtheit eines Profils sein.

Bei Internetseiten sollte im Impressum die Person angegeben sein, die für die Inhalte der Webseite verantwortlich ist. Gibt es Zweifel an einer Nachricht, sollte man nachschauen, ob sich im Internet weitere Berichte dazu aus einer vertrauenswürdigen Quelle finden.

Was tun bei einem medizinischen Notfall?

Sollte der letzte Erste-Hilfe-Kurs bereits einige Zeit her sein, ist es sinnvoll, die eigenen Kenntnisse aufzufrischen, zum Beispiel mit einem Kurs. Dort lernt man unter anderem, stark blutende Wunden zu verbinden oder eine Wiederbelebung durch Herzdruckmassage. Einfache Anleitungen gibt es in Kursen unter anderem von Rettungsdiensten oder beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).

Neben einem Vorrat an persönlichen Medikamenten empfiehlt das BBK eine Hausapotheke unter anderem mit Schmerzmitteln, Brand-, Wund-, Heilsalbe, Fieberthermometer und Fiebersenkern. Sinnvoll sind auch Mittel gegen Durchfall, Erbrechen und Übelkeit, sowie Elektrolyte zum Ausgleich von Flüssigkeitsverlust. Wichtig sind außerdem Haut- und Wunddesinfektionsmittel, Pflaster und Verbandsmaterial, Einmalhandschuhe, eine Pinzette und eine Schere.

Wie gehe ich mit Angst und Sorgen um?

In einer Extremsituation ist es normal, sich hilflos zu fühlen oder unsicher zu sein. Es kann helfen, Kontakt zu Familie, Freunden und Bekannten zu halten, um sich gegenseitig auszutauschen. Auch die Telefonseelsorge bietet rund um die Uhr Unterstützung und Beratung - kostenlos und auf Wunsch anonym.

Es ist außerdem ratsam, tägliche Routinen beizubehalten und sich einen Plan für den Tag zu machen. Auch Sport, Bewegung im Freien oder Entspannungstechniken können helfen. Wenn möglich, sollte man ausreichend schlafen, genug trinken und regelmäßig essen. Außerdem nur so viele Nachrichten konsumieren wie nötig, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wie gehe ich mit Kindern in Krisensituationen um?

Oft stellen Kinder von selbst Fragen, wenn sie etwas beschäftigt: Antworten Sie offen und ehrlich und versuchen Sie dabei so sachlich, einfach und klar wie möglich zu sprechen. Drängen Sie Ihrem Kind aber keine Gespräche über Krisen auf, wenn es nicht darüber sprechen möchte.

Wichtig: Wenn Sie selbst ein Ereignis belastet, sollte Ihr Kind Ihr Verhalten verstehen können. Erklären Sie, warum Sie besorgt oder traurig sind. Vermitteln Sie gleichzeitig, dass Sie auf Ihr Kind aufpassen. Es sollte spüren, dass es sicher ist und aufgefangen wird.

Mehr Informationen zum Ratgeber "Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) oder die Broschüre inklusive Checklisten zum Download finden Sie hier.

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