"Der rote Hahn muss bleiben" und "ESG ist Heimat" steht auf den Plakaten der rund 300 Demonstranten in Bonn. Darunter ist auch die Medizinstudentin Leni Nießen. Die 21-Jährige lebt in einem Wohnheim der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) und ist gegen die Sparpläne der Rheinischen Landeskirche.
Rheinische Landeskirche will Zuschüsse stark kürzen
Über die Sparpläne wird die Synode der Rheinischen Landeskirche an diesem Wochenende in Bonn abstimmen. Das Ziel der Studierenden ist, dass die Synode ihre Entscheidung vertagt, um drastische Sparpläne bei ihren Evangelischen Hochschulgemeinden zu vermeiden.
"Die ESG hat ein 70 Jahre altes Konzept, das bewiesenerweise dafür sorgt, dass Menschen in der Kirche bleiben - gerade junge Leute. Und das aufzugeben, bedeutet für mich, dass man unterschreibt, dass man die Jugend nicht mehr erreicht", sagt Leni Nießen. So berät die Evangelische Hochschulgemeinde internationale Studierende, bietet günstige Studierendenzimmer und interessante Veranstaltungen an - von Selbsthilfegruppen gegen Depression bis zum theologischen Fachvortrag.
Petition mit 5.800 Unterschriften gegen Sparpläne
Zusammen mit etwa 5.800 Menschen hat Nießen eine Petition gegen die Sparpläne unterschrieben und sie am Freitag dem Vorsitzenden der Rheinischen Landeskirche übergeben.
Ich hab hier das erste Mal gemerkt, dass die jungen Leute Kirche und Glaube ganz anders leben.
Sorge, dass Angebote für Studierende wegfallen
Die Rheinische Landeskirche will die Zuschüsse um 75 Prozent kürzen und die Arbeit der Evangelischen Hochschulgemeinden auf die Kirchenkreise vor Ort verlagern. Das geht aus einem internen Schreiben der evangelischen Studierendenpfarrer hervor.
Die Sorge ist groß, dass die Gemeinden die zusätzliche Arbeit nicht leisten können, beispielsweise Veranstaltungen für junge Erwachsene anbieten. Davon betroffen wären alle neun ESGn im Rheinland, darunter auch die Standorte in Koblenz und Trier.
ESG soll für alle jungen Erwachsenen geöffnet werden
Auch Anastasia Miller ist bei der Demo in Bonn dabei. Auf ihrem Plakat steht "Chöre und Theater bereichern die Kultur". Die 25-Jährige ist zwar aus der Kirche ausgetreten, hat im Chor der ESG aber eine Art zuhause gefunden: "Ich hab hier das erste Mal gemerkt, dass die jungen Leute Kirche und Glaube ganz anders leben und mich aufnehmen, so wie ich bin."
Dass ihr Wohnheim oder der Chor geschlossen werden, es keine ESG mehr gibt - für die 21-jährige Leni Nießen wäre das keine Antwort auf die notwendigen Sparmaßnahmen in der Evangelischen Kirche. Leni, Anastasia und die anderen wollen mitreden. Dass die ESG in Zukunft bestehen bleibt, aber als Angebot für alle jungen Erwachsenen in der Kirche, nicht nur für Studierende.
Auch katholische Hochschulgemeinde betroffen
Unter den ersten Unterzeichnern der Petition war auch Oliver Wolff. Er ist Pastoralreferent im Bistum Trier und verantwortlich für die Katholische Hochschulgemeinde in Koblenz. Wenn die ESG wegfällt, könne er weniger Veranstaltungen für Studierende anbieten, sagt Wolff.
Denn die Katholische und die Evangelische Hochschulgemeinde arbeiten in Koblenz eng zusammen und teilen sich die Arbeit auf. So beraten sie beispielsweise internationale Studierende, organisieren Kochabende oder Fahrten nach Luxemburg.