An allen zehn Messstationen in Rheinland-Pfalz lag die Feinstaubbelastung im Jahr 2025 unter dem derzeit geltenden Grenzwert. Die Werte stiegen jedoch leicht an. Zudem wurden die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Richtwerte vergangenes Jahr an allen Messtationen im Land überschritten. Auch die ab 2030 geltenden Werte wurden vielerorts verfehlt. Das zeigen Daten des Umweltbundesamts, die das SWR Data Lab gemeinsam mit SWR-Recherche-Unit ausgewertet hat.
Während die Luft in Rheinland-Pfalz im globalen Vergleich gut ist und den derzeit geltenden Anforderungen entspricht, ist die Belastung mit Feinstaub weiter schädlich für Menschen, Tiere und Natur. In großen Bereichen des Landes führt Feinstaub immer noch zu Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes und vorzeitigen Todesfällen. Laut Europäischer Umweltagentur starben in Deutschland im Jahr 2022 rund 32.000 Menschen vorzeitig durch die Luftverschmutzung mit Feinstaub.
"Völlig veraltete Grenzwerte"
Um Menschen vor den Gesundheitsgefahren zu schützen, hat die Europäische Union (EU) Obergrenzen für die Feinstaubbelastung eingeführt. Diese seien aber inzwischen "völlig veraltet und in keiner Weise den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend", sagt Barbara Hoffmann. Sie ist Umweltepidemiologin an der Universität Düsseldorf und forscht zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen. Dass die aktuellen Jahresgrenzwerte eingehalten werden, ist laut ihr noch kein Erfolg.
Der Grenzwert für Feinstaub der Kategorie PM2,5 wurde im Jahr 2008 auf 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel gesetzt. 2021 veröffentlichte die WHO neue Empfehlungen auf Basis der aktuellen Studienlage. Bereits ab 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sei mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen zu rechnen, so die WHO.
Feinstaubbelastung 2025 gestiegen
Die EU überarbeitete daraufhin ihre Grenzwerte. Die Verhandlungen der Mitgliedstaaten kamen Ende 2024 zu einem Kompromiss, der für Feinstaub ab 2030 einen Grenzwert von 10 Mikrogramm je Kubikmeter vorschreibt - also das doppelte der WHO-Empfehlung.
Deutschlandweit lagen vergangenes Jahr 18 Prozent der Messstationen über dem Grenzwert von 10 Mikrogramm - in Rheinland-Pfalz waren es sogar 80 Prozent der Stationen. In Ludwigshafen-Mundenheim wurde mit 14 Mikrogramm je Kubikmeter sogar die bundesweit höchste Feinstaubkonzentration gemessen.
Von den Messstationen in Rheinland-Pfalz hielten lediglich jene in Koblenz und Westerwald-Neuhäusel die ab 2030 geltenden EU-Grenzwerte ein. Auch dort lagen die Feinstaubwerte jedoch über dem von der WHO empfohlenen Richtwert von 5 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Die Schadstoffbelastung schwankt je nach Wetterlage. Grund für die gestiegenen Werte vergangenes Jahr waren unter anderem Perioden im Februar und März, in denen sich sehr viel Feinstaub in den bodennahen Luftschichten anreichern konnte.
Abgesehen von solchen Wettereinflüssen, hat sich die Belastung in den letzten Jahren flächendeckend verringert. Dazu beigetragen haben die Auflagen der EU, bessere Schadstofffilter und der Umstieg auf Elektromobilität. Weitere Einsparungen könnten durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, höhere Standards für Baufahrzeuge oder den Umstieg von Holzöfen auf Wärmepumpen erreicht werden.
Bundesweit höchste Feinstaubwerte in Ludwigshafen-Mundenheim
Mit der neuen EU-Richtlinie werden ab 2030 auch Tagesgrenzwerte für Feinstaub eingeführt. Diese dürfen nicht öfter als 18-mal pro Jahr überschritten werden. Im Jahr 2025 rissen sieben Stationen diesen Wert. Auch hier verzeichnete die Station Ludwigshafen-Mundenheim bundesweit die höchsten Überschreitungen. An 34 Tagen lag hier die Belastung über dem Tagesgrenzwert. Die WHO-Empfehlung für tagesweise Überschreitungen wurde 2025 an allen Stationen in Rheinland-Pfalz verfehlt.
Stundenweise stieg die Feinstaubbelastung sogar immer wieder auf über 200 Mikrogramm, beispielsweise Ende Mai in Ludwigshafen und Ende April in Trier. "Solche Kurzzeitpeaks können vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich werden", so die Umweltepidemiologin Hoffmann.
Messwerte 2026 zählen
Damit die ab 2030 geltenden Grenzwerte in Rheinland-Pfalz überall eingehalten werden, müsste also nachgebessert werden. Die EU schreibt vor, dass auf Basis der Luftmessdaten für 2026 Prognosen erstellt werden müssen. Sie sollen eine Abschätzung erlauben: Werden die Grenzwerte ohne weitere Maßnahmenim Jahr 2030 eingehalten? Ist das nicht der Fall, müssen schon vor 2030 zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden.
Allerdings ist es auch möglich, eine Fristverlängerung zu beantragen, sodass die neuen Grenzwerte erst 2035 eingehalten werden müssen. Dem SWR liegen Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass sich Deutschland bei den Verhandlungen auf EU-Ebene für diese Ausnahmeregelung stark gemacht hat.
Auf Anfrage schreibt das Umweltministerium in Rheinland-Pfalz, dass derzeit noch nicht absehbar sei, "ob Fristverlängerungen erforderlich sein werden". Anders sieht das die Umweltorganisation Deutsche Umwelthilfe. Die Maßnahmen, um die Luftqualität zu verbessern, lägen auf dem Tisch. "Den politischen Willen vorausgesetzt, gibt es keine Hindernisse, die neuen Grenzwerte tatsächlich einzuhalten", so die DUH.