Hoch oben in den Weinbergen über Piesport thront der Schriftzug "Piesporter Goldtröpfchen". Für manche ist es sowas wie das Hollywood-Zeichen des Moselorts. Denn die Weinlage hat den Ort in der ganzen Welt bekannt gemacht, sagt der Winzer Johannes Haart: "Wir verkaufen den Wein seit 150 Jahren. Piesport und Goldtröpfchen, das gehört einfach zusammen. Das ist eine Marke."
Gefühlt gehören die ganzen steilen Hänge, die sich wie ein Amphitheater um den Fluss spannen, zu Piesport. Offiziell liegt ein Teil der Weinlage "Goldtröpfchen" aber im Nachbarort Neumagen-Dhron. Auch durch die Weinberge von Johannes Haart, oberhalb des Ortsteils Ferres, verläuft die unsichtbare Grenze. Zweieinhalb Hektar seiner Rebstöcke stehen in Piesport, ein Hektar in Neumagen-Dhron.
EU regelt, wie Wein künftig heißen soll
Lange spielte es keine Rolle für Johannes Haart und seine Kollegen, ob ihre Reben in Piesport oder Neumagen-Dhron wachsen. Sie druckten ohnehin den Namen "Piesporter Goldtröpfchen" aufs Etikett. Denn bislang war das erlaubt. Doch für den nächsten Jahrgang, der gerade heranwächst, gelten neue Regeln.
Die Europäische Union (EU) verlangt, dass Winzer künftig genau kenntlich machen, wo ihre Rebstöcke stehen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen die Herkunft des Weins besser nachvollziehen können. Das heißt: Die Ortsgemeinde muss künftig auf das Etikett. Die Folge wäre, dass aus so manchem "Piesporter Goldtröpfchen" ein "Dhroner Goldtröpfchen" werden würde.
Gesetz sorgt auch bei anderen Winzern für Ärger
Johannes Haart sagt, er und rund zehn weitere Betroffenen könnten ein "Dhroner Goldtröpfchen" aber kaum vermarkten. Deshalb ist er froh, dass sich die Gemeinden Piesport und Neumagen-Dhron einen Kniff überlegt haben, um die Weinmarke zu retten.
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Wie die Sache ausgeht, dürfte auch andere Winzer in der Region interessieren. Denn das neue Weinbezeichnungsrecht sorgt nicht nur in Piesport für Handlungsbedarf. Auch Teile der berühmten "Brauneberger Juffer" liegen im Nachbarort Maring-Noviand, der "Ockfener Geisberg" an der Saar ragt nach Schoden. So manche Weinflasche bräuchte also bald ein neues Etikett. Alles bürokratischer Irrsinn?
Winzer spricht von "maximaler Verwirrung"
Johannes Haart aus Piesport sieht das anders. Grundsätzlich kann er verstehen, worum es der Europäischen Union beim Weinbezeichnungsrecht geht: "Irgendwo ist der Gedanke ja schon richtig." Das Terroir bestimme schließlich über den Geschmack des Weins.
Bei Großlagen, die sich über mehrere Orte erstrecken, könne niemand mehr nachvollziehen, wo der Wein gewachsen ist. Beim "Goldtröpfchen" allerdings sei das anders, findet der Winzer. "Im Piesporter Moselbogen haben wir eine Südlage und ein warmes Klima. Gegenüber im Dhrontal ist es kühler und die Weine dort schmecken frischer und duftiger."
Wenn es also künftig ein "Dhroner-" und ein "Piesporter Goldtröpfchen" gäbe, wäre das für Kundinnen und Kunden eher irreführend, meint Haart: "Es würde maximale Verwirrung stiften, weil die Weine ja gar nicht unterschiedlich schmecken würden. Sie kommen beide aus dieser sonnenverwöhnten Südlage und eben nicht von der kühleren anderen Moselseite."
Gemeinden planen Flächentausch
Für ihn ist klar: Der Moselbogen und das "Goldtröpfchen" gehören auf eine Piesporter Gemarkung. "Wir haben es aber verschlafen, diese historisch gewachsenen Grenzen zu verschieben", sagt Haart. Doch noch ist es nicht zu spät. Und die beiden parteilosen Ortsbürgermeister Ewald Meuren und Dieter Heintz haben die Winzer auf ihrer Seite.
Was die beiden planen, ist ein Flächentausch. Die Gemeinde Neumagen-Dhron soll die Weinberge im Moselbogen an Piesport abtreten. Dafür würde sie einige Hektar am "Dhroner Hofberger" bekommen, einer Weinlage, die zum Teil in Piesport liegt.
Gemeinden könnten Flächen tauschen
Ewald Meuren, der Ortsbürgermeister von Piesport, spricht von einer "Win-Win-Situation". Doch er stellt auch Bedingungen: "Wenn wir die Weinberge übernehmen sollen, müssen die Winzer sie vorher in Ordnung bringen." Das heiße zum Beispiel, die Trockenmauern ausbessern und den Efeu beseitigen.
Für die Gemeinde Neumagen-Dhron gibt es noch einen anderen Knackpunkt, sagt Ortsbürgermeister Dieter Heintz: "Es ist kein Eins-zu-Eins-Tausch. Wir würden ein paar Hektar mehr geben als wir kriegen."
Trotzdem wünschen sich beide Ortsbürgermeister, dass die Gemeinderäte dem Plan zustimmen. Noch bevor im Herbst die Trauben an der Mosel gelesen werden und ein "Dhroner Goldtröpfchen" auf den Markt kommen würde.