Wir hatten 95 Werke, Einreichungen aus 31 Ländern und es war jeder Kontinent vertreten
Nicolai: "Wir hatten 95 Werke, Einreichungen aus 31 Ländern und es war jeder Kontinent vertreten, also von Asien, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Neuseeland. Also die Reichweite ist schon sehr weit. Und das Stück von Leona Jones hat die Jury, ich kann sagen, begeistert, weil es eine sehr polyphonische und auch unglaublich subtil gearbeitete Klangerfahrung ist. Und ich kann nur raten, wenn man das Stück dann hören kann, sich dem ruhig häufiger hinzugeben."
Radiokunst ist sehr vielfältig
Nicolai: "Also Radiokunst ist sehr vielfältig. Sie können sehr, sehr ruhige, subtile Stücke haben, wo Sie die Unterschiede im ersten Moment gar nicht hören und die Sie eher an Ambient Music erinnern. Sie können aber auch Stücke haben, die unglaublich komplex komponiert sind, wo Sie im ersten Moment eher einen sehr chaotischen Eindruck haben und sich erst mal selbst positionieren müssen in Ihrer Hörerfahrung. Das ist ja das Faszinierende, dass es dieses ganze Spektrum von Erfahrungen gibt.
Bestimmte Tendenzen in diesem Jahr
Aber was man auch sagen muss, wir haben in den letzten Jahren gemerkt, dass es bestimmte Tendenzen gibt. Also dass es bestimmte Erfahrungen gibt, die im Hörbereich sich verändern - hörbar werden lassen. Und das ist auch dieses Jahr so. Und bei dem Stück, über das wir jetzt gerade sprechen, spielt zum Beispiel der Ozean eine sehr große Rolle und die menschliche Stimme. Und das sind ja eigentlich sehr polare Klangerlebnisse. Die Natur und das sehr persönliche Menschliche. Und trotzdem werden die in einer Weise miteinander verwoben, wo wir merken, dass dort sich neue Verhältnisse bilden. Eine Sensibilität für das Unmittelbare, das scheinbar Authentische, gepaart mit einer hohen Künstlichkeit - weil das sind ja alles mediale Aufnahmetechniken - verschränkt. Und das ist eine sehr zeitgenössische Erfahrung, die jeder eigentlich auch in seinem alltäglichen Leben hat. Dass das Authentische, die eigene Stimme als Erfahrung permanent in einer Welt medialer Vermittlung erscheint. Also sie hören sich permanent, sie hören permanent andere Stimmen, aber sie müssen diese Stimmen irgendwie einordnen und auch wieder auf sich beziehen können. Und das ist etwas, was wir in den ganzen Stücken sehr häufig gehört und erfahren haben, dass dieses Feld des Übergangs, was man mit digital und analog beschreibt, in der Hörerfahrung extrem thematisiert wird."
Wenn man sich darauf einlässt, ist das etwas, was einen nicht wieder loslässt
Nicolai: "Also da können Sie bei mir so eine kleine offene Tür einrennen, weil meine eigene Freejazz-Erfahrung war die, wo ich einmal mit 16 Jahren zu einem Freejazz-Open-Air-Festival gekommen bin und ich wusste nicht, was Freejazz ist. Ich habe fünf Minuten zugehört und habe erst gedacht, Wahnsinn, das weiß ich nicht, ob ich das durchhalte. Ich bin nach zwei Tagen abgefahren und wollte nichts anderes mehr hören. Also das Faszinierende und auch das Tolle an den Stücken, die im Sczukapreis vorgestellt werden, ist, wenn man sich darauf einlässt, ist das etwas, was einen nicht wieder loslässt."
Jurybegründung zum Karl-Sczuka-Preis 2025:
Förderpreis
Die Jury gab für ihre Entscheidung folgende Begründung:
Recherchestipendium in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut
Die Jury gab für ihre Entscheidung folgende Begründung:
„Mit dem von Goethe-Institut und SWR gemeinsam vergebenen Karl-Sczuka-Recherchestipendium wird die in Paris lebende britische Soundkünstlerin Dinah Bird ausgezeichnet. In ihrem Hörstück „Surface Bruit“ erkundet Bird das sonische und klangskulpturale Potenzial von Schellack-Platten und wirft zugleich einen Blick auf die Rolle von Frauen in der internationalen Schallplattenindustrie.“
95 Einreichungen aus 31 Ländern
Der international renommierte Karl-Sczuka-Preis wird jährlich an die „beste Produktion eines Hörwerks, das in akustischen Spielformen musikalische Materialien und Strukturen benutzt“, verliehen. In diesem Jahr wurden 95 Wettbewerbsbeiträge aus 31 Ländern eingereicht.
Über die Preisträgerinnen hat vom 23. bis 26.6.2025 in Baden-Baden eine unabhängige Jury unter Vorsitz des bildenden Künstlers Olaf Nicolai entschieden. Weitere Jurymitglieder waren Inke Arns, Julia Cloot, Michael Grote und Thomas Meinecke.
Der Karl-Sczuka-Preis ist nach dem Hauskomponisten der SWF-Gründerjahre benannt und wurde erstmals 1955 vergeben.