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Beruflicher Neustart: Vom Bosch-Ingenieur zum Alpaka-Farmer

Abfindungen in der Autobranche: Krise als Chance? Interview mit Karrierecoach Jochen Mai ++ So reagieren Unternehmen auf die sinkende Aufmerksamkeit der Generation TikTok ++ Frag die Arbeitsrechtlerin: Kündigung nach zwei Abmahnungen, geht das?

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Stand

Von Autor/in Geli Hensolt

Vom Bosch-Ingenieur zum Alpaka-Farmer - beruflichen Neustart wagen

„Einmal Bosch, immer Bosch“ – mit diesem Slogan hat der Stuttgarter Technologiekonzern bereits in den 1950er Jahre für seine Produkte geworben. Für die Beschäftigten gilt das schon länger nicht mehr.

Der Autozulieferer leidet unter der schwierigen Wirtschaftslage und unter der Krise in der Autoindustrie. Jetzt soll gespart werden: Insgesamt will Bosch rund 15.000 Stellen abbauen.

Abfindung von Bosch in Farm mit Alpakas investiert

Für Patrick Stellmach aus Vaihingen an der Enz ist das Kapitel Bosch abgeschlossen. Er hat ein Abfindungsangebot angenommen und sich damit den Traum von einer eigenen Alpaka-Farm erfüllt.

Auf der neu errichteten Weide für die Alpakas in Ensingen ist es wichtig, sich den Tieren nur langsam zu nähern. „Wenn Sie gucken, bleiben wir einen Moment stehen und gehen schrittweise ein bisschen ran. Hallo. Guck mal, da ist der Napoleon“, erklärt der Alpaka-Züchter.

Zwei weiße und zwei braune Alpaka-Wallache laufen langsam über die große Wiese mit Obstbäumen. Im März sind die vier hier eingezogen. Patrick Stellmach hat sie bei einem Züchter im Allgäu abgeholt.

Vom Entwicklungsingenieur bei Bosch zum Alpaka-Farmer

„Ich hatte schon immer eine Faszination für die Tiere. Weil ich finde, sie haben ein ultra-ruhiges Wesen, wenn man sie so von vorne sieht. Es sieht einfach immer aus wie ein freundliches Lächeln. Das fand ich an den Tieren beruhigend.“ Der Ingenieur schätzt das „als Ausgleich zu einem stressigen Alltag, immer mehr Arbeitsbelastung“.

Patrick Stellmach ist eigentlich Entwicklungsingenieur. 2007 beginnt er seine Ausbildung beim Technologiekonzern Bosch. Nach mehreren Stationen im Ausland hat er zuletzt im Boschwerk in Schwieberdingen gearbeitet.

Zweifel am Job - Sicherheit für die Familie: Abfindung finanziert Traum

Die ersten Zweifel, ob das die richtige Berufswahl war, kamen ihm bereits 2020. „Quasi mit der Coronakrise, da bin ich das erste Mal in so ein typisches Loch gefallen.“ Er fragt sich, ob er diese Arbeit wirklich noch 20, 30 Jahre machen will.

Aber Patrick Stellmach hat Familie. Einfach den Job hinwerfen, geht auch aus finanziellen Gründen nicht. Doch als Bosch 2024 ankündigt, mehrere tausend Arbeitsplätze abzubauen und Abfindungen für Freiwillige bietet, sieht der 37-Jährige seine Chance.

Er erklärt: „Im Prinzip war das das gute Lockmittel, um aus dem goldenen Käfig rauszukommen. Ohne diese finanzielle Sicherheit diesen Schritt zu machen, das, glaube ich, erfordert entweder gute finanzielle Rücklagen oder doch arg viel Vertrauen, ob es wirklich was wird.“

Neuer Lebensinhalt und wirtschaftlicher Erfolg mit Alpakafarm

Wie hoch seine Abfindung ausfällt, will der Ingenieur nicht sagen. Er investiert das Geld in den Traum von einer Farm mit Alpakas, organisiert jetzt Wanderungen, Kindergeburtstage und Ferienprogramme.

Inzwischen ist der Betrieb „tatsächlich schon so weit, dass wir mit einer schwarzen Null rauskommen. Ging jetzt relativ zügig.“ Die Entscheidung nach mehr als 15 Jahren bei Bosch beruflich etwas Neues zu wagen, hat der Tierfreund bisher nicht bereut.

Er sagt: „Ich bin da mit einem weinenden und einem lachenden Auge rausgegangen. Zum einen, weil ich wusste, ich habe einen tollen Plan, was ich machen möchte. Und auf der anderen Seite habe ich sehr gute Kollegen zurückgelassen, einen sehr guten Chef. Also manchmal vermisse ich es. Aber ich bin auch sehr froh, dass ich diesen Schritt gegangen bin und mir das getraut habe. Weil das vom Bosch zu Alpaka-Farmer ist halt schon eine 180 Grad-Wende.“

Weitere Themen der Sendung:

  • "Abfindungen in der Autobranche: Krise als Chance?" Interview mit Jochen Mai, Coach und Gründer der Internetplattform karrierebibel.de
  • "Geringere Aufmerksamkeit bei Azubis - so reagieren Unternehmen auf die Generation TikTok". Reportage aus Frankenthal von Wolfgang Brauer
  • "Kündigung nach zwei Abmahnungen: Geht das so einfach?" Antworten von Arbeitsrechtlerin Julia Englert
Erstmals publiziert am
Stand
Moderator/in
Alexander Winkler
SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler
Autor/in
Geli Hensolt
Geli Hensolt