"Man bereut immer nur das, was man nicht getan hat"

Judith Rakers: Jobwechsel von der Tagesschau zum Homefarming

Jahrelang war die Tagesschau für Judith Rakers "Plan A". 2024 wagte sie den Jobwechsel zu "Plan B" und startete mit Homefarming, Podcasts und Reisereportagen neu durch.

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Stand

Im SWR1 Interview erzählt die frühere Tagesschau-Sprecherin, wie ihr Jobwechsel für sie funktioniert hat. Außerdem gibt sie wertvolle Tipps für alle, die selbst über eine berufliche Neuorientierung nachdenken.

Judith Rakers geht in ihrem Plan B voll auf

SWR1: Wie geht es Ihnen heute mit dem Jobwechsel?

Judith Rakers: Mir geht es gut. Die Reisereportage hatte ich auch schon vorher gemacht, und die Talkshow "3 nach 9" ist in meinem Leben geblieben. Aber ich habe nach 19 Jahren mit der Tagesschau aufgehört, um mich mehr meinem Unternehmen und dem Homefarming zu widmen. [...]

SWR1: Sie gehen in diesem Plan B voll auf, oder?

Rakers: Total! Ich habe damals tatsächlich aus Zeitgründen gesagt: okay, jetzt Plan B, ich konzentriere mich voll auf meine Leidenschaft. Und das, obwohl ich eigentlich immer dachte, dass ich die Tagesschau bis an mein Lebensende machen würde, damit ich Zeit habe, mich um meine Leidenschaft zu kümmern und das Unternehmen aufzubauen. [...]

Ich habe Plan A nicht verlassen, weil er mir nicht mehr gefallen hätte, sondern ich wollte mich einfach kopfüber mit jeder Faser meines Körpers in Plan B stürzen können.

Ich habe Plan A nicht verlassen, weil er mir nicht mehr gefallen hätte. Ich wollte mich einfach kopfüber mit jeder Faser meines Körpers in Plan B stürzen können.

Für den Jobwechsel braucht es Mut und Leidenschaft

SWR1: Wem würden Sie raten, den eigenen Plan B auszuprobieren?

Rakers: Allen, die das Gefühl haben, da ist etwas in ihnen und sie müssen das machen. Plan A, Tagesschau, war ganz lange richtig in meinem Leben, und es hat sich auch alles ganz richtig angefühlt. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich gerne mehr Zeit gehabt hätte für Plan B und mich gerne auf mein Homefarming und mein Unternehmen konzentrieren wollte. Mir fehlte einfach die Zeit.

Ich glaube, dass es vielleicht anderen Menschen auch so geht, dass sie spüren, dass da etwas ist, das raus will. Wo ich mich gerne entfalten möchte und deen habe, die ich aber nicht umsetzen kann, weil Plan A mich fesselt – auch zeitlich – und weil es vielleicht auch ein toller Job ist.

Ich kann nur ermuntern, sich immer wieder zu fragen, ob es noch das ist, was ich will. Ich hatte irgendwann das Gefühl, ich platze, wenn ich es nicht mache und ich glaube, dann ist spätestens der Punkt, an dem man sagen sollte: okay, Plan B.

Ich kann nur ermuntern, sich immer wieder zu fragen: ist es noch das, was ich will?

SWR1: Hatten Sie zwischendurch Zweifel oder waren Sie sich im Prinzip die ganze Zeit sicher, auf dem richtigen Weg zu sein?

Rakers: Zweifel hatte ich gar nicht. Ich hab mich natürlich schon gefragt, ist das richtig? Ich habe in mich reingehört und habe über Konsequenzen nachgedacht. Ich bin eher jemand, der sehr rational an etwas rangeht und überlegt: Was ist die Konsequenz, wenn ich das mache?

Es ist dann natürlich wirtschaftlich unsicherer und ein gewisses Risiko. Es wäre sicherer für mich gewesen, in Plan A zu bleiben, denn der war absehbar für die nächsten 20 Jahre. Aber etwas, das absehbar ist, muss nicht gleichzeitig das sein, was einen auch glücklich macht. [...]

Judith Rakers' Tipps für einen gelungenen Jobwechsel

SWR1: Können Sie anderen einen Tipp geben, welche Fehler man beim eigenen Plan B vermeiden sollte?

Rakers: Ich glaube, der einzige Fehler ist, es nicht zu machen. Ich rede jetzt über den Wunsch nach einen Plan B, der so stark ist, dass es raus muss. Man muss es dann umsetzen, weil man sich sonst selber anlügt und nicht mehr authentisch mit sich und seinem Leben ist. Wenn dieser Punkt erreicht ist, gibt es gar keine Alternative, sonst wird man unglücklich.

Ich glaube man bereut am Ende immer nur das, was man nicht getan hat.

Wenn man sich dann 20 Jahre lang fragt, was wäre gewesen, wenn ich den Mut gehabt hätte, diesen Schritt zu gehen, kann einen das über die Jahre zermürben.

Es kann andere Dinge geben, die einen hindern. Wenn man zum Beispiel Angehörige pflegen muss oder schulpflichtige Kinder hat und nicht so flexibel ist – das verstehe ich. Es gibt Gründe, die gab es auch in meinem Leben, weshalb man dann eben nicht so kann, wie man will.

Aber wenn man an einem Punkt ist, an dem einen diese Dinge nicht von Plan B abhalten und der Wunsch so stark ist, dann kann ich wirklich nur dazu ermuntern, mutig zu sein. Ich glaube, man bereut am Ende immer nur das, was man nicht getan hat.

Das vollständige Interview könnt ihr im Audio oben im Artikel anhören.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Steffi Stronczyk
SWR1 RP Moderatorin Steffi Strinczyk
Interview mit
Judith Rakers
Onlinefassung
SWR1