Er unterrichtet seit 25 Jahren

Lehrer über Gewalt an Schulen: "Bedrohungen haben zugenommen"

Lehrer Heiko Mewes erzählt von seinem Alltag in der Schule. Neben Gewalt und Aggression ist noch ein neues Phänomen dazugekommen, sagt er.

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Stand

Seit Wochen kocht die Debatte um die Lage an rheinland-pfälzischen Schulen hoch. Gewalt, Drohungen, Angstsituationen an Schulen sind keine Ausnahmefälle mehr. Das belastet Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrkräfte. Darüber haben wir mit Heiko Mewes aus Mainz gesprochen. Er ist seit 25 Jahren Lehrer an einer Gesamtschule.

SWR1: Sie stehen seit einem Vierteljahrhundert im Klassenzimmer. Wenn Sie zurückschauen und das mit heute vergleichen, wie hat sich der Schulalltag verändert? 

Heiko Mewes: Es ist schon so, dass ich des Öfteren nicht mehr ganz so entspannt in die Schule gehe, weil Schülerinnen und Schüler auch gewaltbereiter geworden sind. Aber ein neues Phänomen ist hinzugekommen, das ist die Elternarbeit.

Es kommt häufiger vor, dass zum Beispiel Eltern unangekündigt in der Schule auftauchen, tatsächlich auch im Klassenraum stehen und Dinge sofort klären wollen. Und das auf ihre Art und Weise. Ich hatte gerade in der letzten Zeit ein paar Vorfälle, wo ich dachte, das ist schon ein Unterschied zu dem, was ich früher erlebt habe. 

Gewalt an Schulen: Dieser Fall beschäftigt Lehrer Mewes besonders

SWR1: Spüren Sie persönlich generell mehr Unruhe, mehr Druck von Eltern oder auch von Schülern? 

Mewes: Ich erlebe ja auch tatsächlich bedrohliche Situationen. Das ist natürlich unschön. Und das sind auch Ängste, die vorhanden sind. Und mit diesen Ängsten muss man auch irgendwie umgehen.

Es gibt einen Fall, der liegt so ein bisschen zurück. Das war ein befreundeter Lehrer an einer anderen Schule. Da ist ein Schüler in die Schule gekommen, der hat dort Feuerwerkskörper gezündet. Er ist raus, um nachzuschauen. Und in dem Moment ist ihm auch schon eine Holzlatte ins Gesicht und aufs Ohr geschlagen worden.

Und das ist auch ein Fall, der beschäftigt mich eigentlich heute immer noch. Denn ich nehme das auch selbst wahr, dass die Bedrohungen zugenommen haben in der Schule. 

Ich glaube, dass den Kindern von zu Hause da weniger mitgegeben wird. Wir sollen das hier ausbaden.

SWR1: Können Sie sich erklären, woran das liegt? Ist das einfach mangelnder Respekt Lehrern gegenüber?

Mewes: Ich glaube, dass den Kindern von zu Hause da weniger mitgegeben wird. Wir sollen das hier ausbaden. Ja, ich würde sagen, das ist ein respektloseres Verhalten uns gegenüber, wie wir es gewohnt waren. 

Nur leider sind das die fünf Prozent, die so einen Laden auch auseinandernehmen können.

SWR1: Was würden Sie sich für eine Lösung wünschen? 

Mewes: Die meisten Kinder, die wir haben, die sind auch wirklich in Ordnung. Bei 100 Kindern sind es fünf Schülerinnen und Schüler, die so ein aggressives oder bedrohliches Verhalten zeigen. Das heißt, beim Rest ist ja alles in Ordnung. Nur leider sind das die fünf Prozent, die so einen Laden auch auseinandernehmen und den Unterricht massiv stören können.

Und da wünsche ich mir schon natürlich eine Handhabe, dass man erst mal die anderen in Ruhe unterrichten kann. Da wünsche ich mir wirklich, dass jedes Kind in der Schule gesehen wird, dass es gehört wird, dass wir den Unterricht verändern, dass wir in AGs und Projekte investieren.

Wenn man es schafft, dass die Schüler gemeinsam so eine Schule mit aufbauen und entwickeln, passieren solche Dinge auch nicht mehr. 

(Textversion des Audios)

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Steffi Stronczyk
SWR1 RP Moderatorin Steffi Strinczyk
Interview mit
Heiko Mewes
Onlinefassung
SWR1