An Montag, den 1. April spazierten Benni und seine Freundin Nadina einfach mittags um 14 Uhr aus ihrer Wohnung - und begannen damit ihre Weltreise. So erzählen sie es ein Jahr später. Über zehn Monate lang trampten sie um die Welt. Das einzige Ziel: "Wir wollten nach Alaska, bevor der Winter kommt", erzählt Benni. Sie wollten reisen, neue Menschen und Kulturen kennen lernen, neue Erfahrungen machen.
Wir waren beide ganz zufrieden mit unserem Leben, wir sind nicht geflohen - es war einfach schön, mal die Welt zu erkunden.
Zu Trampen, war eine bewusste Entscheidung. So waren sie umweltfreundlicher unterwegs - und lernten Leute kennen. Die hätten ihnen auch die schönsten Orte empfohlen. In Kanada etwa trafen sie auf einem Campingplatz auf einen Reisenden, der ihnen von der Wanderung vorschwärmte, die er an dem Tag unternommen hatte. Am nächsten Morgen fuhr er sie extra eine halbe Stunde lang zum Einstieg, erzählt Benni. "Und es war wirklich wunderschön, da hat man bis zum Denali, dem höchsten Berg Alaskas gesehen. Das war wirklich einzigartig."
Verschiedene Motive für die Auszeit
Die Motive für eine Auszeit sind vielfältig, sagt Alexandra Freund, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Zürich. Die einen wünschen sich Erholung und Entspannung, die anderen neue Eindrücke und wieder andere wollen der Familie oder Freunden mehr Zeit widmen. "Auf jeden Fall geht es bei einer Auszeit vom Beruf immer darum, die Seite von Freizeit, Wohlergehen und Selbstentwicklung zu stärken", sagt Freund.
Die Kosten der Auszeit
Die Auszeit müsse wohlüberlegt sein, rät die Professorin. Neben den finanziellen Rücklagen, die es für eine solche Entscheidung braucht, müsse man sich dessen bewusst sein, dass man mit einer Auszeit mögliche Karriereeinschnitte hinnimmt. Das betreffe vor allem junge Menschen, die sich am Anfang ihrer Karriere befinden.
"Schon allein die Frage nach einer Auszeit kann kosten."
Bereits die Ankündigung, im Job kürzer treten zu wollen, könne bei Arbeitgebern, Kollegen und Kolleginnen dazu führen, dass man als weniger ehrgeizig oder engagiert wahrgenommen werde.
Den beiden Weltreisenden die ihre Entscheidung leicht gefallen: Benni hatte sich im Betrieb für ein Jahr freistellen lassen. Nadina hatte kurz zuvor ihre Prüfung zur Steuerberaterin abgeschlossen und den Job als Steuerberaterin gekündigt. Nun hat sie nach ihrer Rückkehr wieder in derselben Kanzlei eine Stelle bekommen.
Lange oder kurze Pausen?
Ein ganzes Jahr freizunehmen habe den beiden ermöglicht, weit weg zu reisen ohne viel zu fliegen, erzählt Nadina. Darauf habe sie wert gelegt. Zwei Flüge haben sie dennoch gemacht: Aus Singapur nach Vancouver und aus Sao Paolo nach Lissabon.
Aber es muss nicht immer eine lange Auszeit sein, sagt Professorin Alexandra Freund von der Universität Zürich. Wenn es nur um die Erholung gehe, dann seien viele kleine Pausen in der Regel viel erholsamer, so die Psychologin. Dafür brauche es nicht einmal einen Urlaub, wenige Tage seien meistens ausreichend. auch wer neben dem Arbeitsalltag noch Zeit und Energie findet, um Dinge zu unternehmen, die von der Arbeit ablenken, sei erholter.
Alltag ändern nach der Auszeit?
Wer sich schlapp fühle und auch nach ein paar Tagen Auszeit nicht erholt sei, für den könne hingegen eine lange Auszeit sinnvoll sein, sagt Freund. Dann wäre genug Zeit, um über die Arbeit nachzudenken und entweder die Ansprüche und die Perspektive darauf zu ändern - oder die Arbeitsstelle.
Nadina und Benni sind einfach in ihr altes Leben zurückgekehrt. Geändert hätten sie seit der Rückkehr nichts. Benni habe auf Reisen sein Motorrad vermisst und darauf hingefiebert, zuhause daran rumschrauben zu können.Nadina habe die Familie gefehlt, das Bett, den Kühlschrank. Sie sagt: "Jetzt haben wir uns schnell wieder zuhause eingelebt."