In der Erkältungszeit müssen viele Arbeitgeber mit zahlreichen Krankmeldungen rechnen. Einige schaffen Anreize, um die Zahl der Krankschreibungen möglichst gering zu halten.
Der Unternehmer Manuel Einhaus führt zwei Lackierereien, vor allem für Autoteile in Bingen und Monzingen, in denen er 160 Menschen beschäftigt. Wir haben ihn gefragt, wie sein Bonussystem für Mitarbeiter funktioniert.
Wertschätzende Arbeitgeber punkten mit Bonussystem – weniger Krankschreibungen
SWR1: Sie haben ein Bonussystem gegen zu viele Krankschreibungen. Wer sich nicht krankmeldet und zur Arbeit kommt, erhält Geld auf eine Sachwertkarte, mit der man shoppen kann. Funktioniert dieser Anreiz?
Manuel Einhaus: Aus unserer Sicht, ja. Wir können wirklich feststellen, dass über die letzten Jahre die Krankheitsquote im Verhältnis auch zum Bundesschnitt wesentlich besser ist. Und das, obwohl wir in dem Industriebereich arbeiten, der normalerweise etwas schlechter als der generelle Bundesschnitt ist.
SWR1: Die zweite Möglichkeit ist, dass man das Gehalt aufbessern kann. Wie funktioniert das?
Einhaus: Wir wertschätzen Anwesenheit. Das heißt, wenn ein Mitarbeiter den ganzen Monat auch anwesend war, dann bekommt er je nach Gehaltsstufe für seine gesamten geleisteten Stunden pro Monat entweder einen Euro oder zwei Euro als Bonus dazu.
Unternehmer Einhaus über Wertschätzung der Mitarbeiter
SWR1: Da staunen wir tatsächlich ein bisschen. Es melden sich bei Ihnen weniger Leute krank als bei anderen Arbeitgebern?
Einhaus: Absolut. Zumindest der Durchschnitt 2025 lag bei 4,1 Prozent. Ich glaube, der Bundesschnitt war bei 5,9 Prozent. Wir sind dort erheblich besser. Am Ende des Tages ist das nur ein kleiner Baustein. Wesentlich ist die gesamte Wertschätzungslage und wie wir unsere Unternehmen führen. Ich glaube, das ist entscheidend.
SWR1: Warum haben Sie diese zwei Methoden eingeführt? Weil es früher auch in Ihrem Betrieb zu viele Krankschreibungen gab?
Einhaus: Nein, ich sehe es tatsächlich mehr in die Richtung des wertschätzenden Charakters. Wir haben es mit Erwachsenen zu tun. Und Erwachsene können darüber urteilen, ob sie krank sind oder zu Hause bleiben müssen oder ob sie eben auch vielleicht mit einem Schnupfen zur Arbeit gehen können. Und genau diese Einstellung wollen wir an dieser Stelle fördern.
Wir haben es mit Erwachsenen zu tun. Und Erwachsene können darüber urteilen, ob sie krank sind oder zu Hause bleiben müssen.
SWR1: Haben Sie keine Sorge, dass die Leute dann zur Arbeit kommen und andere anstecken?
Einhaus: Ich muss es immer vorsichtig sagen, aber wir für uns können das nicht feststellen. Natürlich ist die Frage, wo die Mitarbeiter sich ansonsten dann auch anstecken können. Wenn die Arbeit tatsächlich der einzige Aspekt wäre, bei dem man sozusagen die alten Corona-Regeln wieder hervorzieht, wäre das aus meiner Sicht zu kurz gedacht.
Bonussystem stärkt Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitern
SWR1: Lohnt sich das unter dem Strich betriebswirtschaftlich für Sie? Bonuszahlungen, Wertkarten – das kostet Sie ja auch etwas.
Einhaus: Das stimmt, aber wir pflegen damit einen guten Schnitt für uns und können damit wirtschaftlich gut umgehen. Für die Mitarbeiter ist es natürlich auch ein Ansporn, der auch entsprechend wirkt.
Wir müssen schauen, wie wir Anreize setzen, die uns vielleicht von größeren Unternehmen unterscheidet.
SWR1: Und vielleicht auch ein Ansporn, bei Ihnen im Unternehmen zu bleiben? Hat das auch Auswirkungen auf die Fluktuation?
Einhaus: Wir geben uns damit schon auch Mühe, etwas über dem Gehaltsdurchschnitt zu bleiben, den die Mitarbeiter vielleicht woanders verdienen würden. Natürlich haben wir es auch als Familienunternehmen schwer, gegen große Player zu agieren. Aber wir müssen gucken, wie wir Anreize setzen, die uns vielleicht von größeren Unternehmen unterscheiden.
(Schriftliche Fassung des Audios)