Neurowissenschaftlerin Michaela Brohm-Badry gibt Tipps

Warum uns Freundschaften glücklich machen

"Du bist mein Freund!" Das sagen wir Menschen, die uns wichtig sind. Warum tun uns Freundschaften gut? Das erklärt Neurowissenschaftlerin Michaela Brohm-Badry im SWR1 Interview.

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SWR1: Bei richtig guten Freunden ist das ja so: Man trifft sich nach Jahren wieder und alles ist so vertraut wie früher. Woran liegt das?

Michaela Brohm-Badry:Das liegt daran, dass wir mit Freunden bewegende Erlebnisse verbinden. Wenn wir langjährige Freunde haben, haben wir schon viel zusammen erlebt und das hinterlässt im Gehirn sehr tiefe Spuren. Wenn wir die Freunde dann wieder sehen, wird das alles wieder aktiviert.

Reicht ein "bester" Freund?

SWR1: Reicht denn ein bester Freund, eine beste Freundin, damit wir uns glücklich fühlen oder sollten es schon ein paar mehr sein?

Brohm-Badry: Nach den Forschungsergebnissen ist es so, dass wir nur einen einzigen Menschen brauchen, um ein höheres Maß an Wohlbefinden und Glück zu haben. Am besten einen Menschen über unsere Partnerschaft hinaus. Einen Menschen, den wir anrufen können, wenn wir beispielsweise Stress in der Partnerschaft haben.

Der Mensch, den wir mitten in der Nacht anrufen könnten, dieser enge Freund. Das reicht dann eigentlich. Aber die meisten Menschen sagen, sie haben zwischen zwei und fünf gute Freunde in ihrem Leben.

SWR1: Was macht eine gute Freundschaft denn aus?

Brohm-Badry: Ganz wichtig ist, dass man sich gegenseitig unterstützt. Außerdem, dass man Interesse für den Anderen und seine Bedürfnisse zeigt. Dadurch wird Dopamin ausgeschüttet. Das ist der Neurotransmitter, der uns hilft, uns selbst zu motivieren.

Durch die freundschaftliche Nähe wird Oxytocin ausgeschüttet. Das ist der Bindungsneurotransmitter und macht zufrieden. Wer Freunde hat, der hat auch ein höheres Maß an Serotonin. Das ist der Neurotransmitter für Zufriedenheit.

Diese drei Dinge sind total wichtig. Sie werden nur ausgeschüttet, wenn man dem Anderen mit sehr hohem Wohlwollen und Interesse, Warmherzigkeit begegnet.

Welche Fehler kann ich in einer Freundschaft machen?

SWR1: Kann bei einer so engen und intimen Freundschaft auch was falsch machen? Vielleicht sogar so sehr, dass die Freundschaft am Ende kaputtgeht?

Michaela Brohm-Badry: Absolut. Es gibt so zwei große Dinge, die man falsch machen könnte. Das erste ist Unehrlichkeit. Das ist einer der ganz großen Freundschafts- und Beziehungskiller. Und das andere ist, Geheimnisse ausplaudern. Denn das Ausplaudern stellt genau das infrage, was Freundschaften eigentlich ausmacht.

Freundschaften geben uns ein Gefühl von Sicherheit. Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin werden in dem Moment abgebaut, in dem wir uns mit gutwilligen Menschen umgeben. Wenn aber dann der andere gute Mensch das ausplaudert, was wir ihm anvertraut haben oder uns belügt, dann ist eben dieses Sicherheitsgefühl zerstört.

Eine gute Freundschaft ist ein "Geben und Nehmen"

SWR1: Was muss ich denn investieren, damit so eine Freundschaft möglichst lange hält?

Brohm-Badry: Man muss seine Zeit geben, da sein. Es ist ein Geben und Nehmen. Wichtig ist, dass man den Anderen wirklich unterstützt. Außerdem kommt es darauf an sich selbst zu öffnen, auch für die Bedürfnisse des Anderen. Und da sind wir schon ganz nah an der Liebe. Zwischen Freundschaft und Liebe ist es ein schmaler Grat.

Also: Wenn man die Bedürfnisse des Anderen in den Mittelpunkt stellt und sich selbst öffnet, kann das Gegenüber das Gleiche zurückgeben.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Steffi Stronczyk
Steffi Stronczyk
Michael Lueg
Michael Lueg
Interview mit
Michaela Brohm-Badry, Neurowissenschaftlerin
Onlinefassung
SWR1