Gut zu wissen

Oberflächenbehandlung mit Lacken und Ölen

Damit Möbel, antike Lieblingsstücke oder einfach die Arbeitsplatte in der Küche lange schön bleiben, kommt es auf die richtige Oberflächenbehandlung an. Wir verraten worauf Sie bei der Arbeit mit Lacken und Ölen achten sollten!

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Stand

Von Autor/in Ruben Keitel

Holzoberflächenveredelung mit Ölsystemen

Öle und Wachse

Die Wahl des Mediums bestimmt die spätere Widerstandsfähigkeit und die optische Tiefe des Werkstücks.

Öle und Wachse
ProdukttypZusammensetzungBelastbarkeitOptik & Haptik
Leinöl / FirnisRein pflanzlichgeringStark anfeuernd, matt
HartölLeinöl + NaturharzeMittel bis HochSeidenglänzend,
betonend
HartwachsölÖle + CarnaubawachsHochSamtig, leicht
schichtbildend

Das richtige Auftragen

1. Der Schwamm und Lappenauftrag

  • Eignung: Primär für Leinöle und dünnflüssige Hartöle.
  • Technik: Das Öl wird mit einem fusselfreien Baumwolllappen oder Schwamm in die Holzfaser eingearbeitet.
  • Überschussmanagement: Nach ca. 10-20 Minuten Einwirkzeit muss der nicht eingezogene Überstand mit einem sauberen Tuch restlos entfernt werden, um klebrige Stellen zu vermeiden.

2. Der Pinselauftrag

  • Eignung: Profilierte Werkstücke, Ecken oder beim Einsatz von Hartwachsölen.
  • Technik: Der Auftrag erfolgt satt in Faserrichtung. Bei schichtbildenden Ölen wird das Material sehr dünn ausgestrichen.
  • Werkzeug: Hochwertige Pinsel mit Naturborsten oder speziellen Mix-Borsten für Öle.

3. Der Walzenauftrag

  • Eignung: Großflächige Bauteile wie Tischplatten oder Dielenböden.
  • Technik: Einsatz einer kurzflorigen Walze. Das Öl wird kreuzweise verteilt und anschließend in Faserrichtung glattgerollt.
  • Vorteil: Sehr gleichmäßiges Oberflächenbild bei hoher Effizienz.

Der professionelle Prozessablauf

Um eine Oberfläche in Möbelgüte zu erreichen, ist folgende Prozesskette einzuhalten:

1. Vorbereitung: Endschliff der Holzoberfläche (Körnung 120 bis 180). Staubfreie Reinigung.

2. Grundierölung: Erster satter Auftrag des Ölsystems. Die Kapillaren des Holzes müssen gesättigt werden.

3. Abnahme des Überstands: Nach der Einwirkzeit wird die Fläche trocken gerieben.

4. Trocknung & Zwischenschliff: Nach 12–24 Stunden Trocknung (die Oberfläche darf nicht speckig sein) erfolgt ein feiner Zwischenschliff mit Korn 240-320, um aufgestellte Holzfasern zu kappen. 5. Finish: Ein zweiter, sehr sparsamer Auftrag glättet die Oberfläche endgültig (gegebenenfalls eine dritte Ölschicht auftragen).

Holzoberflächenveredelung mit Lacken

Im Gegensatz zu Ölen bilden Lacke eine geschlossene, schützende Polymerschicht auf der Holzoberfläche. Diese Versiegelung dient dem maximalen Schutz gegen chemische und mechanische Einflüsse sowie Feuchtigkeit.

Systematik der Lacksysteme

Holt wird mit Rolle gestrichen
LacktypBasis /
Bindemittel
EigenschaftenTypische Anwendung
Klarlack (NCLack)NitrozelluloseSchnelltrocknend,
klassisch
Antikmöbel, einfache
Holzteile
Wasserlack
(Acryl)
WasserbasiertGeruchsarm,
umweltfreundlich
Wohnraummöbel,
Kinderspielzeug
PUR-Lack (2K)Polyurethan +
Härter
Extrem belastbar,
chemikalienfest
Küchenfronten,
Badmöbel, Tische

Methodik der Applikation

Die Qualität einer Lackierung definiert sich über den Verlauf und die Staubfreiheit der Schicht.

1. Der Pinselauftrag (Verschlichten)

Diese Technik wird vor allem bei kleineren Werkstücken oder im Heimwerkerbereich angewendet.

  • Technik: Der Lack wird zügig aufgetragen und anschließend in Faserrichtung verschlichtet. Es darf nicht zu lange im anziehenden Lack gearbeitet werden, da sonst Pinselstriche sichtbar bleiben.
  • Werkzeug: Für Wasserlacke sind Pinsel mit Synthetikborsten zwingend, da Naturborsten im Wasser aufquellen.

2. Der Walzenauftrag (Großflächen)

Ideal für Türen oder flächige Korpusse.

  • Technik: Verwendung einer feinporigen Schaumstoffwalze (für lösemittelfreie Lacke) oder einer Mohair-Walze. Der Lack wird gleichmäßig verteilt.
  • Ergebnis: Erzeugt eine gleichmäßiges Ergebnis, welches Lackspaarend ist.

3. Das Spritzverfahren (HVLP / Druckluft) oder für Heimwerker Sprühdose

Der handwerkliche ´Standard für perfekt glatte Oberflächen.

  • Technik: Der Lack wird mittels Druckluft fein zerstäubt. Der Auftrag erfolgt im Kreuzgang (horizontal und vertikal), um eine geschlossene Schichtdicke zu erreichen.
  • Vorteil: Keine mechanische Berührung der Oberfläche, dadurch absolut glatter Verlauf ohne Streifen oder Rollstruktur.

Der Lackierprozess

Eine Lackierung ist nur so gut wie ihr Untergrund. Folgende Schritte sind für ein fehlerfreies Ergebnis essenziell:

1. Vorbereitung & Schliff: Das Holz muss absolut harz- und fettfrei sein. Endschliff mit Korn 150 bis 180 (bei Lacken nicht zu fein schleifen, da der Lack sonst die Haftung verliert).

2. Grundierung / Füller: Der erste Auftrag ("Grundierung") schließt die Poren und verhindert das "Absacken" des Decklacks. Bei offenporigen Hölzern (z.B. Eiche) ist oft ein spezieller Porenfüller nötig.

3. Der Zwischenschliff (Entscheidend): Nach der Trocknung der Grundierung stellen sich die Holzfasern auf. Diese müssen mit feinem Schleifpapier (Korn 240 bis 320) gekappt werden, bis die Fläche absolut glatt ist. Achtung: Kanten nicht "durchschleifen"!

4. Entstaubung: Vor dem Decklack muss die Fläche mit einem Lappen absolut staubfrei gemacht werden.

5. Decklackierung: Der finale Auftrag ist essenziell für die finale Oberfläche. Hier wird die gewünschte Glanzgrad-Stufe (Matt, Seidenglanz, Hochglanz) festgelegt. (Achtung beim Auftrag mit der Sprühdose Overspray vermeiden.

Besondere Verarbeitungshinweise

  • Topfzeit: Bei 2-Komponenten-Lacken (Lack + Härter) muss die Mischung innerhalb einer bestimmten Zeit (meist 2–8 Stunden) verarbeitet werden, danach setzt die chemische Härtung im Gefäß ein.
  • Trocknungsbedingungen: Staubtrocken bedeutet nicht belastbar. Die vollständige chemische Durchhärtung kann bei Raumtemperatur bis zu 7–14 Tage dauern.
  • Arbeitsschutz: Lackdämpfe (besonders bei lösemittelhaltigen Systemen) erfordern eine Atemschutzmaske (A2/P2-Filter) und eine gute Belüftung.
  • Herstellerangaben: Es sind immer die Angabe des Herstellers zu befolgen

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Ruben Keitel