Erste Hilfe: Besser Fehler machen als nichts tun!
Die größte Gefahr im Umgang mit Menschen, die Hilfe benötigen, ist, nichts zu tun. Das zählt als unterlassene Hilfeleistung und kann strafrechtlich verfolgt werden. Wer bei der ersten Hilfe Fehler macht, ist dagegen rechtlich nicht zu belangen.
Was ist im Notfall zu tun?
1. Überblick verschaffen: Was ist passiert, wie viele Verletzte gibt es, sind sie ansprechbar? Gibt es weitere Personen vor Ort, die helfen können? Sprechen Sie diese aktiv an.
2. Unfallstelle absichern: So schützen Sie sich und die verletzte(n) Person(en)!
3. Wählen Sie den Notruf 112. Beantworten Sie die Fragen der Leitstelle. Am besten stellen Sie das Handy auf Lautsprecher, um Rückfragen zu beantworten und Anweisungen zu befolgen, während Sie mit den Sofortmaßnahmen beginnen: Blutungen stillen, Reanimation.
Atmet eine Person oder ist bewusstlos?
Wenn ein Mensch plötzlich umkippt oder bereits am Boden liegend aufgefunden wird, sollte man die Person laut ansprechen und rütteln. Wenn keine Reaktion kommt, gilt es zu überprüfen, ob die Person atmet, also, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Ist dies nicht der Fall, liegt höchstwahrscheinlich ein Herz-Kreislauf-Stillstand vor. In diesem Fall sollte man so schnell wie möglich mit der Herz-Druck-Massage beginnen.
Die Profis von der Notrufzentrale geben genaue Anweisungen, was bei der Reanimation zu tun ist. Bis der Rettungswagen eintrifft, dauert es ab dem Notruf im Schnitt neun Minuten.
Was ist bei einer Herz-Druck-Massage zu tun?
- Der bewusstlose Mensch sollte auf jeden Fall auf einer harten, ebenen Fläche liegen – beispielsweise auf dem Fußboden oder der Straße.
- Der Brustkorb muss entkleidet werden, um den Druckpunkt zu finden. Dieser liegt im unteren Drittel des Brustbeins.
- Dort werden beide Hände mit verschränkten Fingern übereinander platziert.
- Neben dem Bewusstlosen kniend kann mit gestreckten Armen Druck ausgeübt werden, indem man das Gewicht auf den Oberkörper verlagert.
Auf der Internetseite des Deutschen Roten Kreuzes gibt es eine ausführliche Anleitung: www.drk.de
Wichtig zu wissen: Viele Menschen machen die Herz-Druck-Massage zu langsam und/oder zu sacht. Der Brustkorb sollte etwa fünf Zentimeter runtergedrückt werden. Außerdem sollte man auf etwa 100 bis 120 Druckimpulse pro Minute kommen – also fast zwei pro Sekunde. Es gibt verschiedene Songs, die solch einen Beat vorgeben und die man im Kopf (oder laut) singen kann: z.B. "Staying Alive"- Bee Gees, "Highway to Hell" – AC/DC, "Dancing Queen" – ABBA, "Just Dance" – Lady Gaga oder auch "Atemlos" - Helene Fischer
Brechende Rippen bei Herzdruckmassage
Eine brechende Rippe knackt laut. Davon sollten sich Ersthelfer nicht irritieren lassen, sondern einfach weitermachen, das ist in diesem Fall überlebenswichtig.
Mund-zu-Mund-Beatmung nicht notwendig?
Bei einem Herzstillstand befindet sich in der Regel noch mehrere Minuten lang genügend Sauerstoff im Blut, der jedoch nicht mehr ins Gehirn gelangt. Durch die Herzdruckmassage wird ein künstlicher Blutkreislauf erzeugt, der den Sauerstoff ins Gehirn und zu den lebenswichtigen Organen transportiert. Je schneller mit der Wiederbelebungs-Maßnahme begonnen wird, desto eher können Schäden durch eine Unterversorgung mit Sauerstoff – zum Beispiel im Hirn – minimiert werden.
Atemluft via Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung zuzuführen, gehört aktuell nicht zu den Empfehlungen der deutschen Herzstiftung. Weitaus wichtiger ist – vor allem am Anfang – die sofortige und kontinuierliche Herzdruckmassage. Bei der Beatmung haben viele Menschen außerdem eine Hemmschwelle, die eher dazu führt, dass sie die Reanimation ganz unterlassen.
Was ist mit der stabilen Seitenlage?
Gedanken darüber, wie noch mal die stabile Seitenlage geht, setzen potenzielle Helfer eher unter Stress. Als zusätzliches Risiko gilt, dass in der Seitenlage manchmal übersehen wird, wenn die Atmung aussetzt. Auch hier gilt: Lieber direkt die Atmung überprüfen und, wenn keine da ist, Notruf tätigen und mit der Herzdruckmassage beginnen.
Im Studio: Dr. Ingo Wiedenlübbert, Allgemein- und Paliativmediziner