Viele Raucher*innen steigen auf die E-Zigarette um, wenn sie mit dem Rauchen aufhören möchten. Beim Vapen entsteht kein übelriechender Qualm wie bei Tabakprodukten. Zudem haben die Dampfaromen leckere Bezeichnungen wie Erdbeere-Kiwi oder Bubblegum. Dampfen scheint auf den ersten Blick viel gesünder zu sein als Rauchen. Aber stimmt das auch?
Prof. Michael Kreuter, Direktor des Lungenzentrums an der Unimedizin Mainz ist da skeptisch: "Wir sehen zwei Gefahren mit den E-Zigaretten. Das eine ist, dass es suggeriert wird, dass es eine wunderbare Hilfe wäre, zum Rauchen aufzuhören. (…) Wir sehen genau das Gegenteil. Wir sehen, das Rauchen bleibt gleich, steigt sogar vielleicht minimal an. Und der Gebrauch von Vapes bei den Jugendlichen, ich rede nicht von Erwachsenen, steigt immens an. Und das sind diejenigen, die leider in einigen Jahren daran erkranken werden."
Der Markt für E-Zigaretten boomt
Es gibt sie in vielen verschiedenen Formen und Farben. Bei der E-Zigarette wird nicht geraucht, sondern gedampft. Es wird nichts verbrannt, sondern eine Flüssigkeit erhitzt. Im sogenannten Verdampfer sitzt eine Heizspirale, die Strom von einem Akku bekommt. Die Flüssigkeit, auch Liquid genannt, kommt auf die Spirale und verdampft. Liquids und Einweg E-Zigaretten gibt es mit oder ohne Nikotin. Ohne Nikotin enthält der Dampf zwar deutlich weniger Schadstoffe als Zigarettenrauch, trotzdem sind auch hier eine ganze Reihe enthalten:
"Das eine ist, das wird hier erhitzt und dabei unter anderem auch Metalle erhitzt. Und wir atmen etwas ein und diese Metalle können Reaktionen auslösen, unter anderem auch krebserzeugende. Dann haben wir Feinstaub, das schädigt die Lunge, Feinstaub geht durch die Lunge in den ganzen Körper, kann jedes Organ irgendwie schädigen. Und dann, ich glaube das Wort kennen wir alle, ist auch Formaldehyd drin, auch das schädigt."
Die Bundesregierung plant, 13 Inhaltsstoffe zu verbieten, die für den frischen Geschmack der Liquids verantwortlich sind. Diese sogenannten "Cooling Agents" sollen den Geschmack verbessern, sind aber ziemlich ungesund, so soll zum Beispiel soll Menthol beim Dampfen zu Leberveränderungen und Apathie führen können.
An der Unimedizin Mainz wurden bereits 2019 von Kardiologen die Kurzzeitfolgen von E-Zigaretten untersucht. Die Erkenntnis: Bereits bei einmaligem Rauchen einer E-Zigarette verändert sich die Innenhaut der Oberarm-Arterie, das sogenannte Endothel. Diese schützt normalerweise die Gefäße vor Verkalkung und ist wichtig für die Sauerstoffversorgung und den Blutfluss. Beim Rauchen von E-Zigaretten verliert das Endothel diese Funktion vorübergehend, die Gefäße versteifen. Dadurch steigen Blutdruck und Puls an, auf Dauer droht Gefäßverkalkung.
Prof. Michael Kreuter befürchtet zudem Langzeitfolgen vom Dampfen: "Das Problem an den E-Zigaretten, an den Vapes ist, wir kennen sie noch zu kurz. Deswegen kennen wir noch nicht viele von den Langzeitfolgen. Wir befürchten aber, dafür gibt es sehr deutlich Hinweise, dass auch dadurch eine schwere Raucherlunge entstehen kann. Schwere Entzündungsreize werden durch die Inhaltsstoffe hervorgerufen. Und die können Folgeschäden bis hin zu wahrscheinlich auch Lungenkrebs haben."
E-Zigaretten sind zudem auch noch ein echtes Umweltproblem. Bei der Einweg-Variante der E-Zigarette ist nach etwa 800 Zügen Schluss. Dann wird sie weggeworfen und eine neue wird gekauft. Ein Skandal, findet Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe: "So unverantwortlich können wir mit wertvollen Ressourcen nicht umgehen. Und da reden wir über wertvolle Inhaltsstoffe wie Lithium, wie Kobalt, wie Kupfer, für deren Abbau werden ganze Naturflächen zerstört und extrem viel Wasser eingesetzt. Das heißt, mit diesen Rohstoffen derart verschwenderisch umzugehen, das ist ein Umweltfrevel. Wir reden hier über jährlich 60 Millionen Einweg-E-Zigaretten."
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Das Problem ist zudem der Lithium-Akku dieser Einweg-E-Zigaretten. Wenn diese über den Hausmüll entsorgt werden, kann der Lithium-Akku Brände in Müllentsorgungsbetrieben auslösen. Das passiert erschreckend oft, weiß der Umweltexperte: "Wir reden über rund 120 Großbrände im Jahr in der Entsorgungswirtschaft und über einen wirtschaftlichen Schaden im dreistelligen Millionenbereich pro Jahr. Und deshalb sind diese Einweg-E-Zigaretten und die verbauten Akkus ein Riesenproblem."
In Frankreich und Belgien sind die Einweg-Varianten deshalb bereits verboten. Auch in der Bundesregierung wird ein solches Verbot diskutiert.
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