Leben ohne Abhängigkeit

Wie man auch nach Jahrzehnten noch mit dem Rauchen aufhören kann

20 Millionen Menschen greifen zur klassischen oder elektronischen Zigarette. 2024 gab es einen Anstieg um 3,5 Prozent laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Viele Menschen werden abhängig, wieder aufhören ist für sie schwer. Doch Thomas Patzelt und Gaby Terts haben es geschafft.

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Thomas Patzelt rauchte 23 Jahre, zum Schluss bis zu zwei Schachteln am Tag. Ein Langstreckenflug, ohne rauchen zu können, brachte ihn zum Nachdenken – und zum Aufhören:

Ich habe vor dem Rückflug die Entscheidung getroffen: Ich lasse es jetzt einfach sein.

Aufhören lohnt sich immer, denn der Körper beginnt dann sofort mit der Regeneration. Heute ist für Thomas Patzelt sogar ein Marathon unter vier Stunden kein Problem.

Als ich angefangen hab mit dem Laufen, da waren es gerade mal 200 Meter, dann war ich wirklich platt. Und heute laufe ich einen Ultramarathon.

Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören

Thomas Patzelt hörte auf, bevor er krank wurde. Andere finden in der Hufeland-Fachklinik für Lungenkrankheiten in Bad Ems Hilfe. Gaby Terts hat COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease: chronisch obstruktive Lungenerkrankung), eine lebensbedrohliche Art Raucherhusten. Sie bekommt ständig Sauerstoff. Die heute 45-Jährige begann schon mit 13 zu rauchen.

Ich durfte dann von der Mama aus daheim rauchen. Dann hast du da bei jeder Gelegenheit geraucht. Du warst cool in dem Alter.

Die Sucht ist bei Patientinnen und Patienten besonders massiv, die jung mit dem Rauchen anfangen. Dr. Frank Wimmershoff, Chefarzt Hufeland-Klinik, begründet das so:

Nikotin-Rauchen, egal in welcher Form, erzeugt bei jugendlichen Gehirnen, die sich im Wachstum befinden, sehr viele Rezeptoren auf der Oberfläche, die werden immer mehr. Und die erzeugen einen Suchtverhalten, weil sie immer angesprochen werden müssen.

Den Gewohnheits-Kreislauf durchbrechen

Das Suchtpotential bleibt. Ein Leben lang. Auch deshalb ist es das eine, zu entscheiden mit dem Rauchen aufzuhören. Es durchzuhalten, ist das andere.

Es gibt Momente und Situationen, da spüre ich das Verlangen. Ich habe aber gelernt, das auszuhalten. Das sind 10, 15 Minuten und die kann ich auch mal aushalten. Ich kann mich ablenken, ich kann was anderes machen in der Zeit, wenn es wirklich zu viel wird.

Thomas Patzelt hat eine Strategie entwickelt, die für ihn funktioniert - auch, weil das Suchtverhalten oft mit Gewohnheiten gekoppelt ist. Hier setzt auch die Therapeutin Inga Spürck an: Sie erarbeitet mit ihren Patientinnen und Patienten neue Verhaltensweisen.

Oftmals geht es darum, erstmal auch diese Motivation zu verankern. Für sich ein Bild zu haben: Ich möchte noch mit meinem Enkel auf den Spielplatz gehen oder was auch immer für einen individuell wichtig ist. Was die Leute sich auch in den Momenten, wo das Verlangen stark ist, sich immer wieder vor Augen führen können und sagen: Deshalb widerstehe ich dem Verlangen, weil das andere Ziel viel wichtiger für mich ist.

Im Fall von Gaby Terts ist dieses Bild - ihre Motivation - ein Versprechen, dass sie ihrem Sohn gegeben hat:

Der hatte Angst, dass ich nicht mehr so lange lebe. Dadurch, dass ich es ihm versprochen habe und hier ein Handling in die Hand bekommen habe, wie ich es umsetzen kann, habe ich es bis jetzt geschafft. Und werde auch nicht mehr rauchen.

Gaby Terts gelingt der Absprung - nach mehr als 30 Jahren als Raucherin. Der Beleg: In ihrem Blut ist weniger Kohlenmonoxyd. Rauchfrei dankt der Körper sofort, so Dr. Wimmershoff:

Das eine ist natürlich, dass wenn wir mit dem Rauchen aufhören, die Entzündung an dem Gefäßsystemen relativ schnell beendet ist und das Risiko für ein weiteres Voranschreiten der Arteriosklerose damit minimiert und beendet wird. Das Risiko für die Tumorentstehung wird sich auch zurückbilden, aber eher langfristig auf einen Verlauf von mehr als zehn Jahren gerechnet.

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Die wissenschaftlichen Daten lassen keinen Zweifel: Nikotin ist, unabhängig davon, ob es geraucht, erhitzt, verdampft oder über die Schleimhaut aufgenommen wird, ein direkter Schadstoff für Herz und Gefäße.

Jährlich gebe es 7,7 Millionen Todesfälle durch aktives und 1,3 Millionen durch passives Rauchen - meist als Folge von Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so die Mainzer Wissenschaftler.

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SWR